crazy

Watcher

He follows

von Herr_Kees
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Die Amerikanerin Julia (Maika Monroe, IT FOLLOWS) zieht mit ihrem Mann nach Bukarest, nicht gerade in die beste Gegend. Sie versteht die Sprache nicht, kennt niemanden, hat keine Beschäftigung. So hat sie viel Zeit, sich Gedanken zu machen. Zum Beispiel über den Nachbarn gegenüber, der sie jede Nacht von seinem Fenster beobachtet. Und über den Frauenmörder, der die Stadt unsicher macht und seinen Opfern die Köpfe abschneidet.

Die einsame junge Frau, die sich langsam in eine handfeste Paranoia hineinsteigert, ist eine beliebte Ausgangssituation des Psychothrillers. Chloe Okunos Langfilmdebut erreicht zwar nicht die Intensität eines REPULSION, schafft aber gekonnt die Gratwanderung zwischen Psychodrama und Krimi und hält bis kurz vor dem Ende offen, was Einbildung und was echte Bedrohung ist. Die Spannungsebene wird so glaubhaft emotional verstärkt.

Alles in allem ein solider erwachsener Thriller, der nur ein paar Stereotype zu viel hat.
Herr_Kees

05.09.2022, 19:16


Maika macht das Würstchen

von Leimbacher-Mario
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Frau Monroe wird mal wieder verfolgt! Dieses Mal von den starren Blicken ihres Nachbars - oder doch alles nur Einbildung, Eingewöhnung, Langeweile und Paranoia? In „Watcher“ kann man es herausfinden, einem klassischen Thriller, der sich nach 08/15 anhört, der dann aber sein Ding dermaßen konsequent und routiniert durchzieht, dass man ihm kaum böse sein kann aufgrund fehlender Innovationen oder Ideen …

Das Fenster zum Schlachthof

In Sachen „Ich schau’ in die Wohnung meiner Nachbarn“-Filme hat sowas wie „Watcher“ natürlich einen heftigen Goldstandard und riesige Schuhe zu füllen. Ähnlich wie „Der Exorzist“ zum Thema Besessenheit ist Hitchcocks „Rear Window“ hier unantastbar und immer im Hinterkopf. Egal wie unfair das auch sein mag für folgende Generationen. Außerdem schlummert nahezu in jeder Szene, wo Madame Monroe unsicher nach hinten guckt, natürlich „It Follows“ im Kopf von uns schmunzelnden Fans. Doch nach und nach löst sich „Watcher“ von solchen Bürden und entwickelt sich zu einem gekonnten, recht effektiven Krimi der Moderne. Meine liebe Maika wird in diesem Leben wohl ziemlich sicher nicht mehr oscarwürdig, wäre jedoch wohl auch vom alten Alfred heutzutage die erste Wahl gewesen, was sein „Beuteschema“ und „Blondinen in Gefahr“ betrifft. Bei mir zieht sie eh immer. Egal wie emotionslos ihr Gesicht sein mag. Hinzu kommen ein paar süße Anspielungen anfangs auf das rumänische Vampirheritage, sehr symmetrische Bilder und ein echt creepy Beobachter von gegenüber. Dazu eine „Sieben“-Gedächtnisszene in der U-Bahn (die mit Abstand beste des Films) und gegen Ende zumindest angedeutete Eier. Die dann zwar plötzlich wieder eingezogen werden, dennoch zumindest mal kurz auf den Tisch gepackt werden. Score ist unauffällig. Bukarest eher grau, aber immerhin noch recht unbenutzt. Alles in allem zufriedenstellend für mich und Fans von „Disturbia“, „Summer of 84“ und Co.

Fazit: Kompetenter, hochwertiger und teilweise recht spannender Paranoiathriller mit Genreliebling Maika Monroe und einem unterkühlten Bukarest. Jedoch nichts, was Hitchcock nicht schon vor 70 Jahren besser gemacht hat. Kann man gucken, muss man aber nicht.
Leimbacher-Mario
sah diesen Film im Residenz, Köln

18.09.2022, 01:48


Alles schon gesehen

von D.S.
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In V/H/S/94 zog WATCHER-Regisseurin Chloe Okuno dem Publikum mit dem schmutzigen, verstörend rauen Segment “Storm Drain” den Boden unter den Füßen weg – mit ihrem Langfilmdebüt präsentiert sie nun jedoch einen geradezu glattpolierten Suspense-Thriller überaus konventioneller Machart, der aufgrund seiner Stromlinienhaftigkeit kaum bleibenden Eindruck hinterlassen kann. Sicher, der Hitchcock-geschwängerte WATCHER ist schön anzusehen und sehr souverän inszeniert, verlässt jedoch nie den sicheren, lang etablierten Boden des handelsüblichen Paranoia-Krimis. Und hat auch abseits der Handlung wenig zu bieten, das aus dem gehobenen Genrewust heraussticht, weshalb es schon ein wenig verwundert, dass der Film auf zahlreichen Festivals im Vorfeld des FFFs relativ stark abgefeiert wurde.

Maika Monroe, zuletzt in FLASHBACK bei den FFF Nights 2021 zu sehen, spielt ein zwar recht unabhängig, aber auch recht unbedarft gezeichnetes Blondchen, das nach dem Scheitern ihrer Schauspielkarriere mit ihrem Partner nach Bukarest zieht, wohin er in seinem Marketing-Job wegbefördert wurde. Sie kennt dort niemanden und weiß sich nicht wirklich zu beschäftigen, ihre mangelnden Rumänischkenntnisse sorgen erst recht dafür, dass sie weitgehend isoliert in den Tag hineinlebt. Da wirkt es fast schon wie eine glückliche Fügung, dass sie zumindest gedanklich etwas zu tun bekommt: Es scheint, als würde ein Nachbar sie aus dem Fenster gegenüber beobachten, und damit nicht genug, er verfolgt sie auch ins Kino und in den Supermarkt. Aber tut er das tatsächlich, oder handelt es sich um bloße Zufälle? Ist er der Serienmörder, der die Stadt aktuell in Angst und Schrecken versetzt? Hat er sie als sein nächstes Opfer auserkoren? Oder bildet sie sich das alles nur ein?

Das war’s auch schon im Wesentlichen, was die Handlung betrifft. Diese setzt auf ein vergleichsweise niedriges Tempo und nur wenige Höhepunkte, verschenkt damit aber auch die Möglichkeit, das Publikum durch größere Adrenalinschübe an die Leinwand zu binden. Lange hält der Film sich die Antwort auf die oben genannten Fragen halbwegs offen, wobei nicht nur der/die Genrekenner/in, sondern auch der/die aufmerksame Zuschauer/in frühzeitig weiß, wohin der Hase hier läuft.

Locations und Figuren sind elegant in Szene gesetzt, die Atmosphäre ist dicht und WATCHER macht auch sonst keine Fehler. Er wagt nur eben auch sehr wenig. Frau Monroe spielt gefällig, wirkt aber ziemlich austauschbar.

Wer Krimis, wer Hitchcock, wer ganz leise Paranoia mag, wird hier gut unterhalten. Mehr Positives fällt mir dann allerdings nicht mehr groß ein. Knappe 6 Punkte – letztendlich Stangenware aus dem oberen Segment.
D.S.
sah diesen Film im Harmonie, Frankfurt

25.09.2022, 03:52




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