White Snake

Die Jadeprinzessin

von Leimbacher-Mario
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Die Legende von der magischen weißen Schlange kennt in China jeder. Das ist keine Übertreibung, da kommt hier in westlichen Gefilden kein Pinocchio, kein Toy Story, kein Rumpelstilzchen mit. Das ambitionierte Animationsabenteuer „White Snake“ beruht, wie der Titel schon sagt und wie etliche andere Filme auch, auf eben dieser unendlich berühmten Sage. Oder zumindest den Anfängen dieser: Im Kern ist es eine Liebesgeschichte zwischen der wunderschönen, titelgebenden „Dämonin“ und einem tollpatschigen aber herzensguten Schlangenfänger, der allerdings Angst vor Schlangen hat...

„White Snake“ erinnert oft an eine Mischung und asiatische Variation aus „Frozen“, „How to Train Your Dragon“ und „Abominable“, ohne an deren optische Brillanz und Perfektion zu kommen. Doch das macht die chinesische Produktion mit vielen anderen Werten wieder gut. Der streichend-kraftvolle Score geht beispielsweise kaum größer, an den Synchronsprechern kann man nicht meckern, für die meisten von uns „Westlern“ ist sogar die Story noch einigermaßen frisch, wenn auch manchmal überladen. Es entsteht insgesamt eine sehr romantisch-magische Aura, verspielt und super temporeich, die man sonst eher bei Videospielen findet. Die Liebe in der Mitte der überlebensgroßen Erzählung ist spürbar, die Leidenschaft im Aufbau der Welt und der über jeden Zweifel und jedes technische Defizit erhabenen Bildkompositionen ebenso. Das Zusammenspiel all dieser Pluspunkte fesselt und ist oft genug schlicht groß, bezaubernd, sinnlich und betörend. Natürlich auch nicht ohne gehörig Kitsch, aber hier passt es einfach und ginge es kaum ohne. Einen richtig kleinen Narren habe ich an den etlichen kleinen Dunkelheiten und düsteren Spitzen gefressen - von einer sexy-gefährlichen Fuchsdämonin und ihren gruselig-grinsenden Begleitern bis zu sogar ein paar Leuten, die einfach mal durchbohrt und aufgeschlitzt werden. Ein Abenteuer für (fast) die ganze Familie bleibt es zwar, doch solche Gewaltspitzen und kleine gemeinen Feinheiten gibt es in einem Abenteuer der Maus sicher nicht, das geht eher in Richtung Ghibli. Doch es gibt ja bei weitem weniger schmeichelnde Vergleiche und Anhaltspunkte...

Fazit: Als ob Disney, Ghibli und der berühmte chinesische Mythos eine magische Allianz eingehen. Kreativ, verspielt, süß und düster in Parts. Ein echtes, exotisches Animationsepos. Das ist rar. Positiv kitschig, sicher auch etwas wirr und chaotisch und überstürzt. Für Animationsfans, die sich nicht nur ans übliche Buffet setzen wollen. Ein Rohdiamant.
Leimbacher-Mario
sah diesen Film im Residenz, Köln

22.09.2019, 20:33




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