Angel’s Egg

Traumhafter Eiertanz

von Leimbacher-Mario
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Gehört das nun in den Theologieunterricht oder in die Anime-Hall of Fame?
Beides möglich, so oder so: dieses Oshii-Mysterium ist mit nichts vergleichbar im Game.

Ein kleines Mädchen wandert herum durch ein Meer aus Dunkelheit und Fragen,
hat dabei an einem zerbrechlichen Ei mehr als nur Verantwortung zu tragen.

Dabei trifft sie einen Mann mit Kreuz auf dem Rücken,
die Symbolik und Metaphern können einen hier schon etwas erdrücken.

Wenige Worte, kaum Handlung, eher Gefühle im Unterbewusstsein,
nach einem Mal Sehen ist bei diesem Vexierspiel noch gar nichts klar oder rein.

Eher Experimentalfilm als echte Erzählung,
über Glaube, Hoffnung und Noahs fragwürdige Stählung.

Vielleicht war der Macher in einer Sinn- oder Glaubenskrise,
doch jedem seine eigene Interpretation zu lassen, ist hier die Devise.

Wem „mother!“ war zu platt und zu auf die Nase,
der bekommt hierbei vor Freude wohl eine sehr unruhige Blase.

Sphärisch und hypnotisierend fliegt das Geschehen umher,
hier nicht wegzudösen fällt doch manchmal schwer.

Doch wach und aufmerksam zu bleiben ist von großem Lohn,
selbst wenn manche Gelegenheitsgucker dafür nur übrig haben Hohn.

Das ist ganz weit weg von ausgetreten Pfaden,
das ist nicht minder als der Stoff aus Mythen und Sagen.

Da wird es wirklich mal Zeit für ein gescheites internationales Release,
dass den kaum einer kennt, ist nämlich schon ganz schön mies.

Ein Engelsei aus Sternenstaub und Glaubenstest,
allein das umsonstige Fischen gibt so manchem den Rest.

„Angel's Egg“ ist kostbar, magisch und sensibel,
hier das Tempo oder die fehlende Geschichte zu kritisieren, wäre daneben und penibel.

Das muss man einfach lassen auf sich wirken, über sich spülen,
langsam, aber umso eindringlicher mahlen hier nämlich die ausgeklügelten Mühlen.

Fazit: Einer der forderndsten und anspruchsvollsten Animes aller Zeiten. Absolut atemberaubend, vielschichtig und philosophisch, intuitiv und instinktiv, religiös und surreal, gefühlvoll und groß. Für viele aber sicher auch eine totale Schlaftablette. Für mich ein lohnenswerter Brocken. Aufsuchen von Analysen und Meinungsaustausch unumgänglich.
Leimbacher-Mario

30.07.2025, 22:49


Muss... wach... bleiben....

von Umelbumel
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"Der ist echt zum Einschlafen" - für beinahe alle Filme ist das ein vernichtendes Urteil und dennoch. Immer wenn ich Angel's Egg sehe, befällt mich eine schwere, beinahe unheimliche Müdigkeit. Nicht weil mich der Inhalt langweilen würde oder so etwas in der Art. Vielmehr versetzt mich der Film durch seine Stimmung in einen leicht müden, beinahe schwebenden Zustand... Für knapp 70 Minuten bin ich in dieser dunklen, bizarren Welt gefangen, aus der es kein Entrinnen gibt. Dialoge kann man mehr oder weniger an zwei Händen abzählen und immer weiter zieht mich der Film in seinen traumhaften Sog. Der Film lässt meine eigenen Gedanken auch auf eine Reise gehen und am Ende bleibt einfach nur wieder einmal Staunen, was ich da gerade eigentlich gesehen habe. Ich habe es nicht verstanden. Werde ich wohl nie. Aber beim nächsten Mal, da enthülle ich vielleicht ein ganz klein wenig mehr. Wundervoll! Gemacht für die große Leinwand.
Umelbumel

12.08.2025, 13:25


Das Ei der Erkenntnis

von D.S.
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Mamoru Oshiis erster eigenständiger Spielfilm ist ein einzigartiges Erlebnis - und doch kein Film, der mich persönlich wirklich mitgerissen hat. Wobei „mitgerissen“ wohl ohnehin kein adäquates Wort ist, wenn man ANGEL‘S EGG bespricht, verheißt es doch Bewegung, Tempo, Action: alles Dinge, die es hier gerade nicht gibt und um die es Oshii offenkundig auch nicht geht. Vielmehr handelt es sich um eine maximal gedämpfte, entschleunigte, religiös eingefärbte und philosophisch aufgeladene Zurschaustellung düsterer Tableaus, die eine verfallene, dem Untergang geweihte Stadt abbilden. In diesem so betörenden wie deprimierenden Ambiente kreuzen sich die Wege zweier Figuren: eines jungen Mädchens, das unter ihrem Kleid ein Ei transportiert, von dem sie überzeugt ist, dass es von einem Engel kommt. Und eines jungen Kriegers, der sich mühsam das Vertrauen des Mädchens erarbeitet und mit ihr durch die Stadtruinen zieht - aber womöglich ganz eigene Pläne hat, was das ominöse Ei betrifft.

Viel mehr Handlung gibt es nicht, zudem dauert es eine gefühlte halbe Stunde, bis es zum ersten Dialog kommt. Unterhaltungen zwischen den beiden Figuren bleiben auch im Folgenden selten, eröffnen ab einem gewissen Punkt aber episch verschlungene Perspektiven auf die biblische Geschichte der Arche Noahs und die Entwicklung aller irdischen Existenz.

ANGEL‘S EGG ist weniger ein Spielfilm nach den gewohnten Maßstäben als eine meditative Erfahrung, in die man eintauchen muss. Mir wollte das jedoch nur bedingt gelingen. Wer gerne Kunstmuseen besucht, könnte es hier leichter haben. Aber vermutlich stimmt, was ein Bekannter von mir äußerte: Mit der Rezeption dieses Werks verhält es sich ähnlich wie mit der eines Gedichts. Entweder, es spricht zu dir, oder eben nicht. Aus künstlerischer Sicht kann ich ANGEL‘S EGG nur bewundern und loben. Emotional voll erwischt hat er mich aber eben leider nicht. Deshalb von mir nur 6,5 Punkte.
D.S.
sah diesen Film im Harmonie, Frankfurt

25.09.2025, 20:18




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