crazy

Code 3

Bringing Out The Living aka. Code 3 (2025)

von XhellbroX
Permalink
Überraschenderweise eine ziemlich realistische rabenschwarze “Dramedy” über den Rettungsdienst. Da ich selbst eine zeitlang als Rettungssanitäter gearbeitet habe kann ich alle Situationen nachvollziehen. Habe in den Schichten sogar deutlich schlimmere Erfahrungen gesammelt.

Spoiler:
Leider fehlt zum Schluss hin die nötige Konsequenz, um den Film in meine Sammlung aufzunehmen.

Am Besten hat mir das “breaking-the-fourth-wall” des völlig deillusionierten Protagonisten gefallen!!!



Zusammen mit BRINGING OUT THE DEAD (1999) ein intensives Porträt über diesen sehr harten Beruf.
XhellbroX

18.09.2025, 12:19


HELDIN im Hollywood-Format

von D.S.
Permalink
Es gibt Held:innen, die von der breiten Öffentlichkeit erst während der Pandemie als solche erkannt wurden - und denen nicht zuletzt der aktuelle schweizerische Oscar-Beitrag HELDIN gewidmet wurde, um ihre harte, systemrelevante Arbeit zu würdigen. Und es gibt Held:innen, die wohl mindestens genauso harte, emotional aber noch deutlich anspruchsvollere Arbeit leisten, denen in diesem Film recht früh schon in einem Diner offen mitgeteilt wird, dass sie nicht wichtig, nicht heldenhaft genug sind: Gratiskaffee gibt‘s hier nur für Feuerwehrleute und Polizeikräfte, nicht für Rettungssanitäter. Als systemrelevant würden die Hauptfiguren von CODE 3 sich aber vermutlich auch nicht bezeichnen. Schließlich wissen sie: „Das System ist kaputt.“

Ehrlich gesagt, hatte ich nach Sichtung des Filmplakats hier ursprünglich eher eine krawallige Klamaukkomödie erwartet. Nach einigen Forumsbeiträgen und den vielen überaus guten Bewertungen auf dieser Seite änderte sich meine Erwartungshaltung etwas. Aber dass CODE 3 einen derart sarkastischen, oft sogar zutiefst verbitterten Tonfall anschlägt, hat mich dann trotzdem überrascht. Ja, es gibt hier viel Humor (meist der schwärzeren Sorte) zu erleben und manchmal auch klassisches Slapstick-/Komödienfutter. Aber darüber lässt sich nie übersehen, dass den Filmemachern ein ernsthafter, ernsthaft kritischer Kommentar zum Zustand des Gesundheitswesens in den USA am Herzen lag. Sowie die Würdigung eines Berufsstandes, der allzu oft unter dem Radar der öffentlichen Wahrnehmung fliegt oder sogar von Autofahrern, Gaffern, Polizisten in seiner Arbeit behindert wird.

Dass diese Würdigung actionreicher und teilweise spektakulärer daherkommt als die von Pflegekräften in HELDIN, liegt einerseits natürlich an den jeweiligen Begleitumständen des Berufs, andererseits aber auch an der unterschiedlichen Philosophie des Filmemachens im europäischen Arthouse-Kino und in Hollywood: Zwar ist CODE 3 nicht nur thematisch, sondern auch in seiner gesamten Machart sowie vor allem im Tonfall viel mehr raues Indie-Kino als Mainstream-Blockbuster. Aber über alle - eindeutige - Message hinweg vergisst er nie, zu unterhalten. Was HELDIN, bei allem Respekt vor diesem Werk, nie ernstlich in Erwägung zieht. Dieses bevorzugt, zu „erziehen“. Ich will mir nicht anmaßen, zu beurteilen, welche die richtigere Herangehensweise ist. Für mich persönlich jedoch ist CODE 3 der deutlich effektivere Film. Und derjenige der beiden, den ich mir jederzeit gerne noch ein zweites Mal ansehen würde.

Aber natürlich macht er es dem Publikum auch leicht, denn neben viel Tempo und treffenden Sprüchen bietet er zuallererst hervorragende Schauspieler:innen – unter denen insbesondere Hauptdarsteller Rainn Wilson (SUPER, und natürlich vor allem THE OFFICE) als ausgebrannter Sanitäter Randy glänzt, der nach 18 Jahren im Job endgültig genug hat. Frustriert, abgestumpft, katastrophal unterbezahlt und einem Herzinfarkt nahe, beginnt er eine weitere, ganz normale 24-Stunden-Schicht, die ihn, seinen Kollegen Mike (Lil Rel Howery, GET OUT) und die junge Auszubildende Jessica (Aimee Carrero, THE MENU) in die tiefsten menschlichen Tiefen von LA führen wird. Während wir das Team bei Einsätzen bei Junkies, psychisch Gestörten und Unfallopfern begleiten, bekommen wir die Probleme und Ungerechtigkeiten vermittelt, mit denen unsere Protagonisten täglich zu kämpfen haben. Mal eher subtil – zum Beispiel, wenn wir erleben, wie schwer sie zu arbeiten haben, um adrenalingeladene Polizisten davon abzuhalten, einen psychisch auffälligen schwarzen Patienten einfach abzuknallen; mal ziemlich offensichtlich – zum Beispiel, wenn die Durchschnittsgehälter der verschiedenen Berufsgruppen im Gesundheitswesen als Text im Bild eingeblendet werden: nicht nur, dass der Notfallarzt achtmal mehr als die Rettungssanitäter verdient, sogar das Gehalt des Senior-Hausmeisters übersteigt ihres.

Es ist insofern eindeutig, dass der Film beim Publikum Mitgefühl, Respekt und Sympathie für seine Hauptfiguren erzielen will, die stellvertretend für die Berufsgruppe stehen. Dankenswerterweise versucht er das aber eben nicht auf kitschige oder übertrieben plumpe Weise. Sondern smart, meist mittels bösen Humors. Selbst, wenn das Ende dann insgesamt etwas inkonsequent und unglaubwürdig wirkt: Der letzte Satz, den wir zu hören bekommen, fängt die Stimmung des Films mit seinem bitterbösen Sarkasmus noch einmal perfekt ein.

Durchgängig unterhaltsam, temporeich, stellenweise emotional berührend, dann wieder zum lauthalsen Auflachen führend: CODE 3 ist viel besser, fesselnder und vor allem zielgerichtet treffender, als man hätte erwarten können. 8 Punkte.
D.S.
sah diesen Film im Harmonie, Frankfurt

23.09.2025, 23:13


Im Krankenwagen hören dich viele lachen

von Leimbacher-Mario
Permalink
„Code 3“ erzählt aus der letzten (24 Stunden-)Schicht eines ausgebrannten Rettungssanitäters - mit vielen Toten und vielen Lachern, mit Wahnsinn, Stress und Trauer, mit Muffins und Methode, mit Wut im Bauch, fiesen Verletzungen und einem messerscharfen Angriff (nicht nur!) auf das (amerikanische) Gesundheitssystem…

Laughing Out The Dead

Bei einem Film wie „Code 3“ weiß man nicht wirklich, wie und wo man anfangen soll zu schwärmen. Und seine Faszination bis Magie (!) in Worte zu fassen. Selten hat mich ein Film heftiger und positiver überrascht. Und das auf mehreren Ebenen. Rainn Wilson wächst über sich hinaus, spielt weite Teile gegen seinen Ruf und Charakter und Klischees. Die Chemie im gesamten Cast ist ausgezeichnet. Etliche Dialoge, Ausrufe und Situationen sind pfeilschnell, intelligent und zum totlachen. Und da wären wir auch schon beim Thema… Tod. Denn der spielt selbstredend eine große Rolle. Ausgebranntsein auch. Genauso wie Frust und zu schlechte Wertschätzung, Bezahlung, zu hohe Belastung und grausame Bilder, die die Ersthelfer nie wieder aus dem Kopf bekommen. Ein System, das aus dem letzten Loch pfeift. Eine Welt, wie nach einem Crash. Helden ohne Anerkennung. Traumata ohne Pause. Es wird nach oben wie nach unten ausgetreten. Von allen Stellen aus. Erschreckend ehrlich. Schmerzhaft authentisch. Und all das - samt auf dem Papier wahnsinniger Gegensätze, Situationskomik und tonalen Balanceakten! - in eine letzte Schicht zu packen, mit einem waghalsigen Tempo und genug Herz zu versehen… puh… Das macht „Code 3“ eben zu einem unvergesslichen, vielschichtigen Erlebnis. Zu einem der besten Filme des Jahres.

Eine Runde Klatschen

Fazit: sieht aus wie direkt aus der DTV-Grabbeltisch-Comedy-Hölle - ist aber einer der lustigsten, emotionalsten, wichtigsten und sensationellsten Filme des Jahres! Ganz großes Heimkino. Mit einer Balance jenseits von Gut und Böse. Witzig wie ernsthaft. Absolut fabelhaft!
Leimbacher-Mario
sah diesen Film im Residenz, Köln

24.09.2025, 02:02


„Nobody dies in the Ambulance“

von Herr_Kees
Permalink
Randy ist ziemlich gut in seinem Job, aber sein Job ist nicht besonders gut zu ihm: Randy ist Notfallsanitäter und Frust, Beschimpfungen, Demütigungen, Kotze, Blut und infizierte Spritzen sowie tote Patienten gehören zu seinem Arbeitsalltag. Kein Wunder sucht er sich einen neuen Job. In seiner letzten 24-Stunden-Schicht lernt er mit seinem Partner Mike die neue Kollegin Jessica an. Und wir sind live dabei.

Das Marketing tut dem Film keinen Gefallen – es ist vielleicht der verzweifelte Versuch der Geldgeber, das Werk über Trailer und Poster als mainstreamige Komödie à la RIDE ALONG zu verkaufen. Doch CODE 3 liefert keinen Schenkelklopfer-Humor.

Co-Autor Patrick Pianezza kennt die verschiedenen Branchen des US-Gesundheitssystems aus eigener Berufserfahrung und war selbst als „Paramedic“ auf der Straße. Das merkt man: CODE 3 ist eine durch und durch reale und wenig beschönigte Abbildung zahlreicher Notfalleinsätze, komprimiert in einer einzigen Schicht. Der Film erinnert an die vom Umgangston ähnlich realistisch gelagerte Comedyserie SCRUBS, nur mit deutlich grimmigerem Humor und deutlich weniger Feelgood-Momenten. Bei allem tiefschwarzen Sarkasmus („I smell dead people“) bekommt man mit, wie sehr die stressige Arbeit die Sanitäter auffrisst und der Film nimmt sich durchaus auch Zeit für persönliche Schicksale.

Seine Botschaften vom harten Job und dem kaputten Gesundheitssystem („It's not medicine – it's healthcare“) trägt er manchmal etwas plakativ auf, aber das ist dem Thema vielleicht auch angemessen – hier ist wenig Platz für sensible Zwischentöne, es geht um die Existenz.

Es ist auch nach dem Film nicht ganz klar, ob wir nun eine Werbung für oder eine Warnung vor dem Beruf des Rettungssanitäters gesehen haben. Fest steht nur: Jemand muss den Job machen.
Herr_Kees
sah diesen Film im das Metropol, Stuttgart

26.10.2025, 15:54




Alle Bewertungen im Überblick:
cthulhu314
Torsten Ketelsen
Christian
Acrylamid
lazy_beanies
Yavannah
Zurbaron
mdbnase
o fb
Giallorossa
MrRossi
sploink
Mercy-Sky
sowhat
Michaela
XhellbroX
Review zeigen
Leimbacher-Mario
Review zeigen
D.S.
Review zeigen
BARROCK
zoulwags
Seoulraider
geier-wally
Dr_Schaedel
Herr_Kees
Review zeigen
Wishbringer
meiklsan
MrHenke

Weitere Informationen (externe Links):
Unterstütze f3a.net durch eine(n) Leihe/Kauf bei unseren Partnern. #VerdientProvisionen


OFDb€ 13,98
amazon.deVerfügbarkeit prüfen


Der tatsächliche Preis kann abweichen! Preise werden max. stündlich aktualisiert. Markierte Preise sind seit dem letzten Abruf ↓ gesunken oder ↑ gestiegen.