Eher bescheuert, als verrückt.von Alexander | Permalink |
Eine stark demente und grenzdebile Großmutter schwelgt in Erinnerungen an ihren Verflossenen, und die mit ihm verbundenen, harten Sex- und S/M Phantasien. Damit malträtiert sie den Ex-Freund ihrer Tochter, den sie ganz nach bekannter „Misery“ Manier, gegen seinen Willen in ihrem uralten Anwesen fest hält. Das klingt doch erst mal interessant. Und auch wegen dem wirklich atmosphärischen Setting und einiger schöner Bilder einer alten Gruselvilla, die während eines nicht enden wollenden Regens den einzigen Schauplatz dieses grotesken Kammerspiels bietet, lässt einen der Film eine Weile bei der Stange bleiben. Leider ist die Geschichte aber recht eindimensional, erreicht selten bis nie echte Spannung und bietet dem Genrefan nicht wirklich Neues. Noch dazu seien Tierfreunde gewarnt, denn was hier ein paar Tieren passiert, ist wahrlich nicht sehr schön. Das bescheuerte Ende der kurzen Story ist dann letzten Endes konsequent, weil nämlich genau so absurd wie der Rest des Films, war für mich allerdings ein echter Antiklimax. Schrammt ganz hart an einem echten Flop vorbei. | |
17.01.2026, 15:02 | |
Diese Oma kommt mir spanisch vor… Ist aber argentinisch!von Leimbacher-Mario | Permalink |
„Crazy Old Lady“ aka „Vieja Loca“ lässt einen Mann eine Nacht lang auf die demente Mutter seiner Ex-Freundin aufpassen. Doch was auf dem Papier nach einem leichten Gefallen klingt, entpuppt sich als schmerzhafter Abstieg in die kranke Psyche und Vergangenheit einer älteren Frau mit düsteren Geheimnissen… Whining & Dining „Vieja Loca“ punktet mit einer kleinen Portion Boshaftigkeit und einer großen Portion Carmen Maura - fertig ist ein in Teilen spassig-spanischer Folterkeller. Nicht zu lang, nicht zu klamm. Aber leider auch nie wirklich wow, nie wirklich mit Volldampf unterwegs, nie wirklich gut. Immer gefühlt etwas zu sehr auf der Bremse stehend. Intellektuell, inhaltlich, charakterlich. Immer wenn man denkt, jetzt könnte das Ganze mal völlig ausarten, kommt oft genug nur heiße Luft und nicht ein halb so fieser Verlauf, wie man ihn sich selbst ausmalt. Zumindest ging’s mir so. Da hatte ich viel mehr von Bayona erwartet - aber er ist ja auch nur Produzent. Das Titellied ist fein und klammert das Geschehen nett ein. Die letzten Minuten schwingen sich zumindest ansatzweise zu den Abgründen auf, die man eigentlich schon die ganze Zeit fühlen wollte. Und Carmen Maura spielt furchtlos, beherrscht das Geschehen jederzeit und ist in ihrem Heimatland vollkommen zurecht eine unsterbliche Legende. Und das teilweise Kokettieren mit weiblicher Sexualität im Alter hat reizende Momente. Mit dem „Demenzblickwinkel“ wird dagegen kaum etwas gemacht, womit ich aber leben kann, da das Thema auch im Genre in letzter Zeit echt oft wiedergekaut wurde. Dafür gibt’s recht früh eine der unangenehmeren und gut getricksten „Tiertodesszenen“ seit Längerem. Aber irgendwie bleibt es bei solchen gemeinen Momentaufnahmen und insgesamt ist „Crazy Old Lady“ schneller vergessen als man es sich je gedacht hätte. Es fehlt Biss. Es fehlt die letzte Konsequenz. Nicht mehr als ein hochwertiger Lückenfüller auf Genrefestivals. Erst recht wenn man Vergleiche wie „Misery“ und „The Loved Ones“ im Kopf hat. Oder auch spanische Querschläger a la „Shrews Nest“, „The Invisible Guest“ oder „Julias Eyes“ von vor ein paar Jahren, die einfach viel mehr hängen geblieben sind. Über diese verrückte alte Dame wird in einem halben Jahr kein Hahn mehr Krähen. Und das muss man mit einer dermaßen in die Vollen gehenden Carmen Maura auch erstmal schaffen… Leider. Fazit: Eine verdammt intensive ältere Dame zwischen Grusel, Erotik und Mitleid, hochwertige Beleuchtung, dichte Wohnzimmeratmosphäre, etwas augenzwinkernder Torture Porn und viel ungemütliches (auch sexuelles!) Innuendo helfen „Crazy Old Lady“ zumindest phasenweise minimal über den Schnitt. Ganz so grandios, gnadenlos und genreaffin wie vergleichbare Titel noch vor wenigen Jahren aus diesen Gefilden kommt diese „spanische Fliege“ aber nie auch nur ansatzweise rüber… | |
17.01.2026, 18:03 | |
Nicht zu alt für den Scheiß.von D.S. | Permalink |
Ein weiterer Eintrag ins boomende Subgenre des „Senioren-Horrors“ – das in Spanien offenkundig besonders gut gedeiht, wie Beiträge aus den letzten Jahren wie THE ELDERLY oder LA ABUELA nahelegen. VIEJA LOCA, das Langfilmdebüt von Martín Mauregui, ist allerdings weniger straighter Horror als vielmehr tiefschwarze Farce. Was ihn nicht daran hindert, eine sehr unangenehme, mitunter wirklich bedrohliche Atmosphäre aufzubauen und ein paar deftige Gewaltspitzen einzubauen. Vor allem aber kann der Film einen beträchtlich triggern – zumindest, wenn man in seinem eigenen Umfeld selbst demente Menschen hat. Ein solcher steht hier im Mittelpunkt der Handlung: Alicia lebt seit dem Tod ihres Mannes alleine in ihrem großen, abgelegenen Haus, das auch schon bessere Zeiten gesehen hat, und bedarf der täglichen Unterstützung durch eine Pflegerin, die nicht zuletzt dafür Sorge trägt, dass die alte Dame regelmäßig ihre Pillen schluckt. Ihre bedenkliche geistige Verfassung wird uns gleich zu Beginn der Handlung nachdrücklich vermittelt: Wir werden Zeugen eines Telefonats, das ihre Tochter mit Alicia führt, während sie im Auto unterwegs ist. Die alte Dame ruft sie gleich dreimal hintereinander an, um ein simples Rezept-Detail immer und immer wieder zu erfragen, was die Nerven nicht nur ihrer Tochter rasch arg belastet, sondern auch unsere. Als sich herausstellt, dass die Pflegerin an diesem Abend aus unbekannten Gründen nicht aufzufinden ist, bittet Alicias Tochter ihren Ex Pedro (Daniel Hendler, PHASE 7) darum, bei ihrer Mutter nach dem Rechten zu sehen. Der sagt zu, was sich bald als die vielleicht schlechteste Entscheidung seines Lebens erweisen soll. Denn Alicias Demenz hat sich nicht eben harm- und hilflos gemacht … Alt-Star Carmen Maura (WITCHING & BITCHING) brilliert in der Titelrolle. Sie kann einem tatsächlich mitunter etwas Angst einjagen, und ihr Verhalten Pedro gegenüber eskaliert in immer größerem Maße. Leider jedoch nur bis zu einem gewissen Punkt – es wirkt ein wenig so, als habe das Drehbuch sich mehr mit der Zeichnung einer finsteren Ausgangssituation als mit ihrem Fortgang bzw. ihrer Auflösung beschäftigt. Ein paar entscheidende Fragen werden nicht beantwortet, einige Themen verlaufen ziemlich im Nichts. Insgesamt ist VIEJA LOCA aber durchaus recht wirkungsvoll, wenn auch zeitweilig leicht anstrengend. Zudem werden vor allem anfangs ein paar schöne visuelle Ideen ausgespielt. Für mich 6,5 von 10 Punkten wert. … und ein leicht irritiertes Stirnrunzeln darüber, dass der Regisseur den Film allen Ernstes seiner Mutter gewidmet hat. | |
17.01.2026, 19:30 | |
Livin’ la vieja locavon Herr_Kees | Permalink |
Es gibt eine simple Drehbuchregel, die in den allermeisten Mainstreamfilmen und -serien Anwendung findet und die Blake Snyder in seiner gleichnamigen Skriptbibel schön auf den Punkt gebracht hat: „Save the cat“. Im Klartext bedeutet das, dass der Held in den ersten Minuten seiner Einführung eine gute Tat vollbringen muss, um das Publikum auf seine Seite zu bringen. Wenn Pedro (Daniel Hendler) zu Beginn des Films am Haus von Alicia (Carmen Maura) ankommt, dabei als erstes (versehentlich) Alicias Hund überfährt und diesen dann notdürftig mit einer Plane bedeckt neben die Straße legt, lässt dies im Umkehrschluss vermuten, dass diese Tat nicht ungesühnt bleibt. Ob das, was ihn im Lauf der nächsten Stunden erwartet, wirklich einen angemessenen moralischen Ausgleich darstellt, ist allerdings fraglich. Immerhin tut Pedro nur seiner Ex Laura einen Gefallen und schaut nach ihrer Mutter. Laura ist auf einem Kurztrip unterwegs und erhält alarmierende Anrufe von Alicia, die offenbar ihre Pillen nicht nimmt, sich mit der Pflegerin verstritten hat und nun schon zum dritten Mal nach demselben Nachtischrezept fragt. Auftritt Pedro. Der bekommt vor Ort langsam zu spüren, dass die Demenzschübe Alicias gefährliche Formen annehmen, denn sie bringt Pedro mit grausamen Erinnerungen aus ihrer Vergangenheit zusammen, die nicht einmal ihre Tochter kennt. Regisseur und Drehbuchautor Martín Mauregui inszeniert seinen ersten Film als intensives, spannendes Kammerspiel zwischen MISERY und Hagsploitation, ohne je den Respekt vor seiner starken Hauptdarstellerin zu verlieren. Carmen Maura darf hier Dinge tun, die nicht einmal Pedro Almodóvar in seiner kontroversen Frühphase von ihr verlangt hätte. Dass dies Mauras Film ist, dafür spricht auch ein Ende, das man sich als Debütant erst mal trauen muss. Trotz ein paar Drehbuchlücken ein atmosphärischer und hochwertiger Beitrag in diesem speziellen Subgenre. | |
sah diesen Film im das Metropol, Stuttgart | 18.01.2026, 00:41 |
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