Crushed

Ein schlechter Gott und ein schlechter Vater

von D.S.
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Simon Rumley gibt uns wie immer viel zu denken mit. Schon vordergründig ist sein neuester Film alles andere als leichte Kost, dreht sich die Handlung doch um Kindesmissbrauch und Pädophilie, wobei dieses „angenehme“ Themenmenü durch eine Vorspeise angereichert wird, die sich um Gewalt gegen Tiere dreht. Wie sich zeigen soll, hat CRUSHED aber noch einiges mehr in petto, das einen definitiv runterbringen wird.

Die 10-jährige Olivia, Tochter des christlichen Predigers Daniel (Steve Oram, THE END OF THE FUCKING WORLD), ist ein süßes Kind, das nichts mehr liebt als ihre kleine Katze Missy. Als sie eines Tages ihre beste Freundin besucht, zeigt deren Bruder den beiden Mädchen stolz ein Video, das die brutale, sexuell aufgeladene Tötung eines Kätzchens zelebriert. Er will sie schockieren, was ihm auch gelingt. Olivia ist völlig aufgelöst - und als Missy am nächsten Tag verschwindet, ist sie sich sicher, dass sie den Machern des Videos zum Opfer gefallen ist. Also macht sie sich auf, die Verantwortlichen im Moloch Bangkok zu finden … was sie in eine Hölle entführt, aus der es kein Entkommen zu geben scheint. Kleine Katzen, kleine Mädchen: für den Abschaum der Menschheit gibt es hier nämlich offenbar kaum einen Unterschied.

Je länger Olivia verschwunden bleibt, desto verzweifelter werden ihre Eltern. Während Daniel sich in seinem Glauben ergeht und sich sicher ist, dass Gott seiner Familie nur eine besonders harte Prüfung auferlegen will, zweifelt seine thailändische Ehefrau immer lautstärker an den religiösen Überzeugungen, die ihr Mann vertritt. Was umso offenkundiger wird, als endlich ein Verdächtiger dingfest gemacht werden kann. Während Daniel für die Grundsätze des Neuen Testaments eintritt und für Vergebung plädiert, fordert seine Frau Auge um Auge und heiligen Zorn - ganz gleich, was vielleicht tatsächlich hinter der Entführung ihrer Tochter steckt …

CRUSHED macht es dem Publikum ganz bewusst nicht leicht, Partei zu ergreifen. Täter wie Opfer werden erstaunlich vielschichtig gezeichnet. In einem Ausmaß, dass es einem ab einem gewissen Punkt sogar fast unmöglich wird, augenscheinlich eindeutige Bösewichte in dieser Erzählung hasserfüllt zu verdammen (wenn man mal von einer ganz bestimmten Figur absieht). Insofern kann Rumleys Film als ein erstaunlich mutiger Ruf nach Besonnenheit und Empathie gewertet werden, eine Warnung vor Mob-Mentalität, welche die Schwere von Gewalt gegen Kinder dennoch in keiner Weise verharmlost. Im Gegenteil. Zudem fordert er nicht zuletzt selbsternannte „Tierfreunde“, die es normal finden, Tierleichen zu konsumieren, zur Reflexion auf. Was kaum hoch genug bewertet werden kann.

Insgesamt ist CRUSHED ein erstaunlich vielschichtiges Werk, mit dem das Publikum vor einige Herausforderungen gestellt wird. Es geht um unser Selbstverständnis als zivilisierte Menschen, es geht um die Tiefe unseres Glaubens an religiöse und/oder moralische Grundsätze, es geht um die Schmerzen beim Aushalten von Widersprüchen - und um unsere eigene Positionierung als Opfer oder Täter in dieser Welt.

Wie gesagt: alles andere als leichte Kost. Da der Film, abgesehen von sämtlichen inhaltlichen Überlegungen, extrem spannungsvoll inszeniert und herausragend gut gespielt und insbesondere auch geschnitten ist, kann er als Pflichtprogramm für alle bezeichnet werden, die vor schmerzhaften Themen nicht zurückschrecken. Dicke 7,5 Punkte.
D.S.
sah diesen Film im Harmonie, Frankfurt

20.09.2025, 01:30


…hörst du nicht die Glocken…

von Leimbacher-Mario
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„Crushed“ fasst viele Tabus an (von Tiersnuff bis Pädophilie, ohne sie wirklich explizit auszugestalten oder gar zu zeigen) und erzählt von einem Pastor, Ehemann und Vater in Thailand, dessen zehnjährige Tochter zuerst mit Videos in Kontakt kommt, in denen Katzenbabys zertreten (!) werden und die dann selbst gekidnappt, in Bangkoks Unterwelt gezogen wird… Reicht der Glauben an eine Rettung? Oder muss man als Vater selbst tätig werden?

Wenn sich Schuld und Unschuld treffen

Als Tierfreund hatte man vor „Crushed“ auf dem diesjährigen Fantasy Filmfest besonders Angst. Unbegründet, da er nahezu nichts direkt zeigt. Er macht das stilvoll, bedacht und angemessen genug. Und trotzdem verliert er durch seine angebrachte Zurückhaltung dennoch null an Kraft und Ungemütlichkeit. „Crushed“ bleibt einer der „Schocker“ des Jahres und ein starker Thriller. Ein explosiver Thaicocktail über Schuld und Unschuld, über Vaterschaft und Glaube, über Angebot und Nachfrage, über Vergebung und Selbstjustiz, über Hoffnung und Dunkelheit was unsere Spezies betrifft. Ein paar Performances und Dialoge kommen etwas steif daher. Und manch eine Storywendung kann dahingebogen wirken. Insgesamt geht „Crushed“ aber durchgängig unter die Haut, er artet nie exploitativ aus, hat ein top Tempo und einige Aspekte sind ganz sicher bitterböse realistisch. Leider. Und dieses ungute Gefühl, dass irgendwo auf unserem Planeten sehr Ähnliches gerade passiert, geht auch nach dem Abspann ganz sicher nicht so schnell weg… Plus: Mich als Vater beschäftigt es doppelt und dreifach, das eigene Kind von solchen dunklen Ecken und kranken Marotten unserer Welt fernzuhalten und zu beschützen…

Das Kopfkino ist stark in diesem hier…

Fazit: Das ist der wirkliche harte, abgründige Stoff… Ungemütlich, nachdenklich, fies. Einige dunkle Ecken der menschlichen Psyche. Und das ohne explizit zu werden. Respekt! Auf den Spuren von „Daddys Little Girl“, „M“ oder „Es geschah am helllichten Tag“. Uneingeschränkt empfehlenswert - oder eben doch mit großen Einschränkungen, was ihn nur noch besser macht…
Leimbacher-Mario
sah diesen Film im Residenz, Köln

20.09.2025, 02:24




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