Heiliger Strohhalm!von Herr_Kees | Permalink |
Ein „Werwolf“ teilt mit schwerer Eisenkette das Meer und trennt dem Teufel die Klöten ab. Ein Pastor betet einen goldenen Strohhalm an. Ein Baron mästet seine wollüstige Frau mit erlesenen Widerlichkeiten – sowie einem „waferthin mint“ – und bekommt dann keinen hoch. Willkommen in der wirren Welt der Gebrüder Abele! Seit dem diesjährigen Oscargewinner FLOW sollte man Animationen aus Lettland auf dem Schirm haben. DOG OF GOD ist jedoch ein völlig anderes Biest, und das in jeder Hinsicht: Der Film der drei lettischen Brüder (Regie, Buch, Kamera, Schnitt, Musik) ist laut und lustig, grell und geil, sexy und surreal, brutal und blasphemisch. Gedreht wurde er im raren Rotoscope-Verfahren, bei dem Szenen zunächst mit Schauspielern inszeniert und anschließend „übermalt“ werden. Ralph Bakshis frühe THE LORD OF THE RINGS-Adaption ist wohl der bekannteste Vertreter dieser Technik, Richard Linklater hat bereits drei Filme auf diese Weise erstellt, u. a. A SCANNER DARKLY. Das Ergebnis ist phänomenal: Die realistische Ausdrucksweise der Gesichter toppt jede Computeranimation, die Kolorierung ist wunderbar, die Bilder sehen aus wie Comic-Panels und untermalt wird das alles von einem bewusst anachronistischen dröhnenden Electro-Soundtrack. Doch der Film bietet nicht nur sinnliche Substanz. Er erzählt von Alternativmedizin und Hexenverfolgung, der Trennung von Kirche und Staat und bringt auch noch einen Werwolfmythos unter. Zwar ist das Erzähltempo eher langsam, manche Einstellung steht vielleicht etwas lange und einige Szenen sind durchaus redundant. Aber das ist eben nicht Pixar, das ist europäische Animationskunst auf hohem Niveau. Bitte mehr davon. | |
sah diesen Film im das Metropol, Stuttgart | 12.09.2025, 00:04 |
Letten bis zur Erektion gequältvon Leimbacher-Mario | Permalink |
„Dog of God“ ist eine archaisch-animierte Orgie und dürfte eine der versauteren Oscareinreichung seit langem sein. Der erigierte Lettenhammer! Ein klerikkritsches Urfeuer! Über Hexen, Hintern und Hohepriester im abergläubischen Lykantrophenlettland, zwischen „Heavy Metal“ und notgeilem LSD-Trip… Der goldene Kalbshund Was für ein lettisch-lustvoller Querschläger! Da wird Jesus am Kreuze rot - und das nicht aufgrund der Dornenkrone… „Dog of God“ ist ein Frontalangriff auf die Sinne und jegliche „private parts“. Danach muss man unbedingt auf den Klo - allein um zu checken, ob man nochmal Männlein oder Weiblein war! Exzentrisch, experimental, eklig. Aber auch gewagt und gut stellenweise. Richtig gut. Jedoch ebenso anstrengend. Richtig anstrengend! Es ist eine Collage der Perversitäten. Genauso metaphorisch wie in-your-face. Ein Fluss aus Körperflüssigkeiten. Ein Gospel aus Stöhnen und Schreien. Eigen und exotisch. Mit einer brachialen Soundkulisse. Für mich aber storytechnisch viel zu schwachbrüstig und penetrant auf seine audiovisuellen Orgienqualitäten ausgelegt. Eine Prüfung. Ein Original. Immerhin. Phallussymbol: The Movie Fazit: Was für ein archaisch-pervers-wuchtiger Bilderreigen… Inhaltlich mir aber zu anstrengend aus all den Pastorpenissen, Katzenani und Scheinwerfermuschis Sinn, Story, Schönheit zu ziehen. Egal was er für eine audiovisuelle Wucht hat. Und auch Mut. Nur zu gerne würde ich die Gesichter der Oscarjury sehen, wenn die den sichten (müssen)… | |
sah diesen Film im Residenz, Köln | 19.09.2025, 02:00 |
Schmutzig’s Blechlevon D.S. | Permalink |
Nachdem 2025 FLOW von der Jury als bester internationaler Film nominiert worden war, schickt Lettland wieder einen Animationsfilm ins Oscar-Rennen. Es steht jedoch zu bezweifeln, dass DOG OF GOD ebenso erfolgreich sein wird, denn er ist eindeutig zu schmutzig, um von der Academy ernsthaft für eine Auszeichnung in Betracht gezogen zu werden. Nun klingt „schmutzig“ ja erst mal gut, was will man als FFF-Gänger:in auch mit einem geleckten Mainstream-Film anfangen. Wenn „schmutzig“ sich jedoch vor allem darauf beläuft, mit maximal möglicher Obszönität zu prunken … verliert das schnell seinen Reiz. DOG OF GOD erzählt eine zwar grundsätzlich nicht uninteressante Geschichte über die manipulative Wirkung von Religion (bzw. ihren Statthaltern auf Erden), über Macht und Korruption, über die Meuten-Mentalität großer Teile der Menschheit – und deren uneingeschränkte Bereitschaft, als Sündenböcke auserkorene Menschen auf Geheiß von Oben aus der Gemeinschaft auszuschließen und Verfolgung und Tod anheimzugeben. Dabei fokussiert er sich in seiner Erzählung aber dermaßen auf Körperflüssigkeiten jeder Art und die Zurschaustellung von allerlei Ekelhaftigkeiten, dass man den Eindruck gewinnen muss, hierum ginge es ihm eigentlich sehr viel mehr als um ebenjene (moralisch ja durchaus sehr wertvolle und leider derzeit wieder mal besonders aktuelle) Geschichte. Mitunter wirkt das glatt ein wenig pubertär, ganz so, als wären die Filmemacher 15-jährige Heavy-Metal-Fans aus dem Dorf: Shock Value über alles. Hier sind fast alle Figuren Widerlinge, hier ergehen sich fast alle Figuren permanent in Widerlichkeiten. Atmosphärisch kann der Film dabei dennoch immer wieder punkten. Nebelverhangene Wälder, in Regenfluten ertrinkende Gassen, ein Gefühl, als wäre die Zivilisation selbst am Rande der Apokalypse angekommen: Das sieht mitunter schon alles sehr beeindruckend aus. Zumindest, wenn gerade mal keine Menschen gezeigt werden: Das hier zum Einsatz kommende Rotoscope-Verfahren ist in technischer Hinsicht zwar sehr bewundernswert, schöner lässt es die Figuren des Films aber nicht unbedingt wirken. Und das, was sie tun, will man erst recht nicht sehen. So entwickelt sich der Film leider zu einem auf Dauer eher anstrengenden Erlebnis, das zwar durch eine geradezu wütend wirkende Grundhaltung sowie eine interessante paganistische Erzählperspektive punkten kann, mit seiner offensiv zur Schau gestellten „Hi hi, was sind wir hässlich“-Attitüde aber irgendwann einfach nur noch nervt. Mehr als 4 Punkte sind darum für mich nicht drin. | |
sah diesen Film im Harmonie, Frankfurt | 19.09.2025, 03:27 |
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