Der Puppenspieler vom Infernovon D.S. | Permalink |
Gleich vorweg: Mit DOLLY hat Rosebud sich ein wirklich derbes Filmchen rausgepickt. Ich würde sogar so weit gehen und behaupten, dass es sich hierbei um einen der heftigsten Beiträge handelt, die jemals auf dem Festival gelaufen sind – nicht unbedingt (nur) der unmittelbaren körperlichen Härte, sondern (auch) des eiskalt ruch- und tabulosen Tonfalls wegen, der dankenswerter Weise, ganz oldschool, ohne jeden Humor und ohne jede distanzierende Ironie auskommt. Was vielleicht erst mal überrascht, wenn man in der Besetzungsliste einen gewissen Sean William Scott entdeckt, der ja nicht zuletzt als „Stifler“ in AMERICAN PIE bekannt geworden ist. Hier aber ist nichts an seiner Figur und dem, was ihr passiert, auch nur im Ansatz zum Lachen. Stattdessen verkörpert er einen ganz normalen Typ, Chase, den kennenzulernen wir kaum Zeit haben, alldieweil er schon zu Beginn des Films beim romantischen Waldspaziergang mit seiner Freundin Macy (Fabianne Therese, JOHN DIES AT THE END) einer monströsen Gestalt in einer Babymaske aus Porzellan in die Hände fällt. Die titelgebende „Dolly“ (gespielt vom US-Profiwrestler Max Lindsey aka Max the Impaler) macht mit den beiden kurzen Prozess und entführt Macy in ihre Horrorhütte – schließlich hat sie schon lange nach einer Barbie-Prinzessin gesucht, die sie bemuttern kann. Für die junge Frau beginnt ein Martyrium aus Pein und Perversionen, das schier nicht enden will. Nachdem er die Vorlage für den Blumhouse-Hit NIGHT SWIM gedreht hat, packt Rod Blackhurst hier drei Zentner mehr aufs Gaspedal. DOLLY ist wirklich nichts für empfindliche Gemüter, für den Genrefan aber ein Fest. Bei dem Sean William Scott echte Nehmerqualitäten zeigt. Ein schöner Sicko, für mich knappe 7,5 Punkte wert. So was bekommt man heute einfach nur noch viel zu selten zu sehen. | |
18.01.2026, 04:13 | |
Dolly-Buster!!!von Leimbacher-Mario | Permalink |
„Dolly“ ist waschechtes, freakiges und bitterböses Terrorkino, wie es gefühlt in dieser Radikalität, Geradlinigkeit und abgefuckten Hochwertigkeit (!) heutzutage immer seltener wird… Der gekippte und garstige Backwoodslasher zeigt eine junge Frau, die von einem massiven Verfolger mit einer creepy Puppenmaske durch den Wald gehetzt bzw. entführt wird - weil diese bizarre Alptraumgestalt sie scheinbar als „Baby“ halten und aufziehen will… Stiflers Mom'ster Natürlich findet man auch in und an „Dolly“ noch viel von Tobe Hoopers texanisch-öliger DNA, doch auch tiefere Schnitte des Grindhousekinos werden rigoros aufgenommen (etwa „The Baby“ (1973), die „New French Extremity“, „Dolly Dearest“ oder Stuart Gordons „Dolls“). „Dolly“ ist rau, radikal und richtig böse. Keinesfalls nur eine Kopie seiner Vorbilder. Er wandert nicht auf ausgetrampelten Waldwegen. Auch, aber nicht nur. Und er schmerzt überraschend nicht rein körperlich, sondern auch psychologisch und seelisch, wenn man es denn darauf ankommen lässt und etwas hinter die Maske der „Monstermama“ schielt. Die 82 Minuten Laufzeit sind perfekt. Für mich ist das adrenalintreibende und dreckigste Midnight Madness, wie sie sein muss und z. B. auch das Fantasy Filmfest nie ganz aus den Augen verlieren und fallenlassen sollte. Die Maske hat Kultpotenzial. „Dolly“ gleicht einer Abrissbirne, einem Vorschlaghammer, einer Spassbremse - die dem richtigen Publikum dennoch eine Menge Spaß machen kann und wird. Da bin ich mir sicher! Denn ganz humorlos und furztrocken ist das alles auch ganz und gar nicht, denn viele Dummheiten, Klischees und „WTF?!“- oder „Oh no!“-Momente macht er ganz bewusst - und das Publikum rastet aus! Selbst wenn es dabei ein ums andere Mal auch himmelhoch jauchzend mit dem Kopf schüttelt. Aber das gehört zum Spiel. Sich trennen, hinfallen, in den Keller gehen, Waffe wegschmeißen - alles inklusive! Und ein Joke bleibt ein Joke, egal wie pervers oder plump oder plemplem er sein mag. „Dolly“ werdet ihr ziemlich sicher auf den Klapptischen der zukünftigen Filmbörsen in wattierten Mediabooks sehen. Da ist etwas für die „Wrong Turn“-Crowd. Ein Gourmethappen der Garstigkeiten, dessen Ellenbogen sogar für die harten 00er oder die grimmigen 70er noch scharf genug gewesen wären - und der heutzutage dadurch natürlich nochmal umso krasser ins Auge fällt und wunderbar dahin geht, wo es weh tut! Baby Born… Died! Fazit: „Dolly“ ist brutalstes und diabolisch grinsendes, grenzdebiles Puppentheater. Und ich liebe jede Minute davon! Stumpf ist hier Trumpf! Stylisch, körnig, bescheuert, heftig und gar nicht so sehr ohne Augenzwinkern wie man meinen könnte. Da kippt sicher manch ein Kiefer auf den Boden… Alter Wein gekonnt durch refurbishte Schläuche geleitet. Ein Highlight des aktuell gebeutelten, gesunkenen und gefederten Terrorkinos. Ein Bastard von Backwoodbabyboomer. Eine mutterlose Mitternachtsmonstermaschine! | |
sah diesen Film im Residenz, Köln | 25.01.2026, 01:03 |
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