Dust Bunny

Kultfilm written all over it

von Leimbacher-Mario
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"Dust Bunny" erzählt visuell berauschend und phasenweise erstaunlich wortlos von einem kleinen Mädchen, das davon überzeugt ist, dass unter ihrem Bett ein gefräßiges Monster lauert. Natürlich glaubt ihr keiner. Doch schwups, sind ihre Eltern weggemampft - und ein geheimnisvoller Auftragskiller aus ihrer Nachbarschaft für eben solche Fälle und Kreaturen scheint ihre einzige Hoffnung zu sein...

Mads, der Profi

Bryan Fuller hat schon mit der brillanten "Hannibal"-Serie, ebenfalls im Zusammenspiel mit Mads Mikkelsen, bewiesen, dass er vor allem audiovisuell einen enormen Dampf und Sog und eine beneidenswert abgründige Kreativität aufbauen kann. Manch einen Tatort in der Serie werde ich zu meinen Lebzeiten jedenfalls nicht mehr aus meinen Alpträumen bekommen! Und nun überführt er diesen Style, diese Spielereien, diese Raffinesse und diesen Rausch über in ... ja in was? Was ist "Dust Bunny" denn überhaupt? Kinderfilm? Fantasyhorror? Die fabelhafte Welt der Aurora? John Wick Jr. trifft Scott Pilgrimette vs. the Monsterworld? Little Trouble in Big China? Genauso Zack Snyder wie Tarantino für U16er wie Steven Spielberg? "Dust Bunny" wird einigen nicht gefallen und als "Style over Substance" abgetan werden. Aber diese Rechnung ist mir in dem Fall viel zu simpel und einfach ... falsch. Meinem Gefühl nach. Bryan Fuller ist ein Virtuose, Mads Mikkelsen fühlt sich bei ihm spürbar total wohl, teils kommt sogar etwas der Flair seiner bizarren Kooperationen in seinem Heimatland Dänemark ("The Last Viking" und Co.) durch. Dazu spielt das junge Mädchen absolut glaubhaft und süß. Die Kostüme und Sets und Details und Farben strahlen um die Wette und sprudeln nur so vor Einfallsreichtum. Und die allgemeine visuelle Brillanz und Brisanz geht einfach nur erbarmungslos nach vorne. Das ist für mich ganz klar "Next-Level-Kinderfilm-Shit". Gutes Doppel mit "The Legend of Ochi", wenn auch anders, wesentlich flotter und schnittiger. Das schnetzelt, das berauscht, das überrascht, das überrumpelt. Und ich nehme ein solch polarisierendes "Experiment" immer noch allemal lieber als einen handzahmen Aufguss. Das ist genau einer dieser Fälle, den man unterstützen muss, wenn man in Zukunft nicht weiterhin nur Neuauflagen und Fortsetzungen und Retrokopie sehen will. Das hier nimmt alte Teilchen, macht daraus aber etwas komplett Neues, Mutiges und Frisches. Von Jung bis Alt. Famos! Und von Bryan Fuller wird man auch im Filmbereich hoffentlich noch so so viel mehr sehen!

Kindliche Delikatessen

Fazit: Die Monster unter diesem Bett ... kriegen gehörig auf die Fresse! "Dust Bunny" wird nicht jedem gefallen, für manche zu oberflächlich sein und ist wahrscheinlich/hoffentlich noch nicht ganz Bryan Fullers Formvollendung und sein Meisterwerk - aber er hebt "Kinderfilme" auf ein ziemlich cooles, berauschendes neues Level!
Leimbacher-Mario

15.01.2026, 13:29


Something Wicked This Way Comes

von Alexander
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Für Menschen, die sich in den prallen Bilderwelten eines Luc Beson, Guillermo del Torro oder Terry Gilliam wohlfühlen, ist „Dust Bunny“ sicherlich ein echter Hingucker, vollgepackt mit audiovisuellen, psychedelischen Eindrücken, wobei sich das alles schon sehr am Rande eines Kinderfilms bewegt. Einen „white rabbit“ gibt es hier nämlich ebenso wenig wie staubiges Pulver, dafür ist der Film zu entschärft und wenig krass genug, und meiner Meinung sogar nahezu Familien-kompatibel, weshalb ich auch die Einstufung als „düsterer Horror“ und „Rated R“ eher weniger antizipiere.

Wäre „Dust Bunny“ von del Torro geschaffen worden, es hätte mich nicht minder überrascht. Denn auch im Film von Bryan Fuller überwiegen leider, wie auch bei del Torro oftmals üblich, einmal mehr „style over substance“, machen viele der sehr innovativen Kameraeinstellungen und Set-Designs zwar Spaß, buttert „Dust Bunny“ letztendlich aber einfach eine viel zu dünne Schicht filmisches Fett aufs Brot. Visuell sicherlich Eyecandy, inhaltlich und vom Story-Telling aber doch mehr auf der mageren Margarine-Seite. Für mich einfach nicht genug um im Kinositz abzuheben und „YES!“ schreien zu können. Schade eigentlich.

Denn als Fan der Serien „Hannibal“ und „American Gods“ von Regisseur Bryan Fuller, mochte ich deren liebevoll ausgestaltete Set-Designs und Bildkompositionen in mitunter morbiden Formen und Farben schon damals sehr, und bei „Dust Bunny“ erkennt man ähnliche ästhetische Muster der Bild- und Farbgestaltung. Diese nehmen den Zuschauer auf einen wilden Ausflug mit, künstlerisch irgendwo zwischen Art Deco und Alice im Wunderland. Und als bekennender „Foodie“ kann man hier einmal mehr in toll fotografiertem Essen schwelgen, offensichtlich ein Steckfenpferd von Fuller, gab es zu „Hannibal“ wegen der irren food-photography schon seinerzeit ein begleitendes Kochbuch. Selten hat man jedenfalls die chinesischen „Dim Sum“ köstlicher und oppulenter gesehen als in „Dust Bunny“.

Auf der Haben-Seite ebenfalls zu verbuchen ist der sehr feinstoffliche „black humour“ des Films, der wirklich an Geschichten von Roald Dahl erinnert und glücklicherweise niemals in irgendeinen Klamauk abzurutschen droht. Und last not least soll der wirklich coole Soundtrack erwähnt werden, mit ganz wundervollen songs und vibes. Irgendwie fühlt sich das alles an, als hätte ein Musical aus dem Drehbuch entstehen sollen, was meiner Meinung gar nicht so verkehrt gewesen wäre. Es würde mich auch nicht wundern, wenn dem Film irgendwann mal ein Theaterstück nachgeschoben wird.

Fazit : Inhaltlich und vom story-telling etwas blasser, als die Verpackung verspricht. Trotzdem ein ganz wunderbarer Rausch für Zwischendurch, wie eine psychedelische, bunte Zuckerwatte auf einem Jahrmarkt für Erwachsene.
Alexander

16.01.2026, 08:15


Pushing Bunnies

von Herr_Kees
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Aurora hat solche Angst vor dem Monster unter ihrem Bett, dass sie ihren Eltern abends auf deren „Goodnight“ mit einem resignierten „Goodbye“ antwortet. Tatsächlich sind die Eltern am nächsten Morgen verschwunden – gefressen vom „Dust Bunny“. So zumindest stellt sie die Geschichte dem Nachbarn von gegenüber (cool as a cucumber: Mads Mikkelsen) dar, einem Killer, den sie anheuert, um das Monster zu töten.

Dieser glaubt dem kleinen Mädchen natürlich kein Wort und vermutet eher, dass sich Kollegen von ihm im Apartment geirrt haben. Aus Schuldbewusstsein und um Schlimmeres zu verhindern, nimmt er Auroras Auftrag an, sehr zum Unwillen seiner Chefin (hingebungsvoll skrupellos: Sigourney Weaver). Es folgt ein ausgedehnter Showdown mit einem Haufen Killern, FBI-Agenten, einem zotteligen Monster und einem kleinen Kind, das sich als einzige an die goldene Regel hält: „Get off the floor!!!“.

Zwei Dinge gibt es, die man über DUST BUNNY wissen sollte. Erstens: Es ist das Regiedebut von Produzent und Autor Bryan Fuller, Showrunner der Serien HANNIBAL und vor allem PUSHING DAISIES. Die schwarzhumorige Sweetness der letzteren bestimmt auch den Grundton dieses Films – sowie natürlich deren bonbonbunte Farbigkeit und Ausstattungslust. Auroras Wohnung und Mads Mikkelsens Garderobe sind allein schon das Eintrittsgeld wert.

Zweitens: Im Grunde seines Herzens ist DUST BUNNY ein Kinderfilm. Das Konzept ist wunderbar naiv, Kinderdarstellerin Sophie Sloan zuckersüß und das pelzige Ungeheuer könnte auch außerhalb der nächsten Fraggle-Siedlung wohnen. Wäre da nicht die eine (zugegebenermaßen lustige) Szene mit der elektrischen Zahnbürste, man könnte den Film getrost mit seinen Kindern gucken.

Spaß macht der Film aber auch Erwachsenen. Sicher hat man schon rasantere Actionszenen gesehen, aber selten so schön bunte und bestimmt noch nicht mit solchen Schuhen. Und die Monstermetapher ist ausnahmsweise mal wirklich rührend.
Herr_Kees
sah diesen Film im das Metropol, Stuttgart

18.01.2026, 00:50




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