Mr Proppers Lieblingsfilmvon Alexander | Permalink |
Exit 8 mag als sozialkritische Parabel gemeint sein, deren nicht ganz uninteressante Umsetzung in dieser Form wahrscheinlich einmalig ist. Das macht aus der Geschichte aber noch lange keinen besonders unterhaltsamen Film. Denn Exit 8 ist leider unglaublich spannungs- und überraschungsarm und gibt „sensory deprivation“ eine neue Dimension. Denn „Exit 8“ fühlt sich an, wie ein existentialistisches Filmexperiment awfully gone wrong, und kommt dabei rüber wie eine aufgeblähte, überlange Folge „Twilight Zone“, war dabei aber so langweilig wie ein blitzblank geputzter Metrotunnel, und so septisch wie ein mit Mister Propper abgeschrubbtes, weiß gekacheltes Badezimmer. Die Vibes kitzeln zugegebenermaßen wie Szenen aus „Cube“. GEIL! Hat jemand CUBE gesagt? Ja. Nur ohne Fallen. Und ohne Spannung. Und ohne Cube. Alles Endlosschleife? Durchaus. Aber irgendwie nicht so wirklich klasse. Die Message des Films: Halt wie das richtige Leben. Man tut irgendwie jeden Tag das gleiche, kommt aber nie ans Ziel. Man ist irgendwann falsch im Leben abgebogen. Man bereut. Oder bereut nicht, ist gleichgültig und glotzt in der U-Bahn auf sein Handy. Gesellschaftskritik? Hamsterrad! Man ist ewig am Rennen, kommt aber nie an. Okay, die Message ist bei mir angekommen, reicht mir eigentlich aber schon im realen Leben. Muss ich das auch noch in einem langen, blassen, unterkühlten Film haben? Eigentlich: Nö. Außer man ist Vertreter für Badezimmerfliesen. Kreislauf des Lebens. Babygeschrei. Davon gibt es sehr viel. Die Kinder machen dann wieder denselben scheiß wie die Mütter und Väter. Aha! Schöne Meta-Ebene, die diesen öden Film für mich zumindest über die 3-Punkte-Marke hebt. Ich muss zugeben, dass ich trotz all der psychologischen Druckbetankung nach etwa 20 Minuten trotzdem so gelangweilt war, dass ich (unbewusst) anfing, die Kacheln auf den Wänden und dem Boden der ewig gleichen und gleichgültigen langen Gänge zu zählen. Denn sehr viel mehr außer weißen Kacheln gibt es hier weder zu sehen; noch zu zählen. In einem Stanley Kubrik Film wäre das cool gewesen. Hier fühlt man sich leider mehr wie in einem Schlachthaus. Der Film lehnt sich dann ja auch an ein Computerspiel an. Da kommt bei mir schon die Frage auf, wer so etwas freiwillig „spielt“? Darf man eigentlich noch „Videospiel“ sagen? Egal. Jedenfalls, in den 80er Jahren, da hatten wir auf dem „Commodore 64“ mal ein Spiel, in dem man durch ein 3D Labyrinth laufen musste, das mit seinem für die seinerzeit begrenzten grafischen Möglichkeiten der 8-Bit Konsolen immerhin nicht mal ganz so schlecht ausgesehen hat wie dieser Film. Und auch dadurch zu beeindrucken vermochte, dass wenn man einfach mal „nach oben“ schaute, man mal so nebenbei von einem herunterfallenden Klavier erschlagen wurde. Was übrigens an jeder Stelle des Spiels passieren konnte, was dann aber leider an keiner Stelle des FILMS passiert. Was schade ist. Denn, was hätte ich mich über diese kleine Erfrischung so sehr gefreut. Und genau diese Spritzer fehlen dem Film halt. Aber ihr könnt es im Kino ja mal ausprobieren. Vielleicht klappt es ja. Aber hinterher bitte nicht enttäuscht sein. Zumindest Fans von sog. „Loop“-Filmen dürften ihren Fetisch in diesem seltsamen Beitrag allerdings mehr als nur befriedigen können, nein regelrecht ausleben dürfen. Denn mehr als das endlose Ablaufen des immer selben Flurs (mit ganz doll vielen weißen Kacheln!) gibt es hier eigentlich nicht. Warum Exit 8 im Vorfeld dann so wahnsinnig gehyped wurde, entzieht sich ein mal mehr meinem Verständnis. Und obwohl ich ein absoluter Fan sog. „Mystery“ Filme auf dem FFF bin, blieb ich hier irgendwie extrem underwhelmed auf dem gefliesten Boden eines unnatürlich blank geputzten Metrogangs zurück. Da mag man eigentlich von seinem Glauben abfallen … ABER! „Danke Gott“ entfuhr es mir dann doch, als ich nach sehr langen 90+ Minuten aus dem weiß gekachelten Tunnel des Grauens wieder entlassen wurde. Halleluja! Denn nach diesem Film sind sogar die versifften U-Bahn-Tunnel Frankfurts, Berlins und Hamburgs wieder ein wohlfeiler Genuss. Bieten sie doch bereits nach wenigen Metern mehr optische Abwechslung als dieses in weiße Endlosigkeit gekleidete Folterinstrument des filmischen Fliesen-Grauens in monochromem Elend. Den achten Ausgang kann man sich natürlich antun. Es gibt bestimmt schlechtere Filme. Man kann sich aber auch ein Klavier an die Backe flicken, um zu sehen, wie schwer Musik ist. Wirklich brauchen tut man beides nicht. | |
24.08.2025, 02:17 | |
Du kommst hier nicht rausvon D.S. | Permalink |
Das diesjährige Centerpiece ist ein wirkliches Highlight für alle, die auf Mindfuck stehen, gekreuzt mit purer Paranoia und Klaustrophobie. Es handelt sich hierbei um die Verfilmung eines recht aktuellen Computerspiels aus Japan, das ich allerdings nie gespielt habe, weshalb ich nichts zur „Werktreue“ sagen kann. Im Internet ist aber zu lesen, die filmische Umsetzung habe sich eng an die Vorlage gehalten, und der zentrale Handlungsort – ein endloses Fußgängertunnel- bzw. Gang-System in einem U-Bahnhof, das im Spiel wohl seinerseits klar inspiriert von einigen spezifischen Bahnhöfen in Tokyo ist – sei eins zu eins nachgebaut worden. Die Handlung dreht sich um einen mittelalten „Salary Man“, der am Anfang des Films in der U-Bahn beobachtet, wie ein aggressiver Mann eine junge Mutter wegen ihres schreienden Babys rabiat angeht – aber, wie alle Mitreisenden, nicht einschreitet, sondern sich bloß beschämt abwendet. Als er schließlich an einer Station ausgestiegen ist, telefoniert er mit seiner Freundin, die große Neuigkeiten hat. Deshalb achtet er nicht weiter auf seine Umgebung und bemerkt irgendwann nur, dass er in einem Gang steht, der zu einem „Exit 8“ führen soll, als das Gespräch abbricht und er feststellt, dass er hier ganz alleine ist. Ohne sich weiter etwas dabei zu denken, folgt er den Schildern, die Richtung Ausgang weisen. Nur um bald den Eindruck zu gewinnen, dass sich seine Umgebung überhaupt nicht verändert, sondern tatsächlich hinter jeder Ecke immer wieder genau dieselbe ist: ein langer Gang, an dessen Wänden Werbeposter angebracht sind und in dem ihm ein Geschäftsmann mit Tasche entgegenkommt, ein kurzer Gang mit Schließfächern und einem Fotoautomaten, ein weiterer kurzer Gang mit einem Metallschild, das zum Exit 8 und den dort in der Nähe gelegenen Sehenswürdigkeiten weist. Und: auf dem eine Zahl erläutert, in welcher „Runde“ er sich befindet. Am Anfang steht dort die Null. Falls er sich nun „richtig“ verhält (mehr dazu gleich), lautet die Zahl beim nächsten Durchgang Eins. Beim nächsten Zwei. Und so weiter – bis er bei der Acht das fiese Loop-Setting vielleicht endlich wird verlassen können. Begeht er jedoch einen Fehler, wird er zum Anfang zurückgestuft, wie sich zeigt: die Zahl lautet wieder Null, er muss noch mal ganz von vorne beginnen. Worum es geht, ist, sogenannte Anomalien zu bemerken. Falls er auf eine trifft, heißt es umdrehen. Falls nicht, weitergehen. Was genau allerdings eine solche Anomalie ist, wird nicht erläutert … und muss von ihm selbst herausgefunden werden. Als Zuschauer bekommt man hier eine gewaltige Bandbreite an Anomalie-Optionen geboten, die manchmal aber gar keine solchen sind, was sich oft erst später erschließt. Insbesondere im Zusammenhang mit den wenigen anderen Figuren, auf die unser Protagonist trifft. EXIT 8 holt das Maximum aus seinem eher kleinwüchsigen Budget heraus. Insbesondere, da er hervorragend gecastet ist, speziell in Gestalt seines Protagonisten, der eine ideale Projektionsfläche abgibt. Was meine Begeisterung ein klein bisschen schmälert, sind die etwas plump geratene Auflösung und die schon vorher spürbare eher schlichte Moral von der Geschicht‘, die uns auch noch überaus druckvoll unter die Nase gerieben wird. Frei von Kitsch ist der Film in seinem Finale dabei leider ebenfalls nicht. Insgesamt aber ist das Szenario hier derart fies albtraumhaft und spannend, dass ich das Werk den geschätzten Kreisen der hier Mitlesenden unbedingt empfehlen kann. Klaustrophobie par excellence: 7,5/10 Punkten (gesehen beim NIFFF 2025) | |
28.08.2025, 16:44 | |
Single Player Coop Escape Roomvon Herr_Kees | Permalink |
Ein Mann sucht einen Ausweg. Der U-Bahn-Gang will einfach kein Ende nehmen. Nach jeder Abzweigung dasselbe Bild: links die Werbeplakate, rechts die Türen und der Feueralarm, oben das verheißungsvolle Schild „Exit 8“. Der Weg zurück zeigt dasselbe Szenario. Nach einigen Runden entdeckt der „Lost Man“ ein Informationsschild – die „Spielregeln“. Bei jeder „Anomalie“ gilt es, umzudrehen, zeigt sich keine Abweichung, einfach weitergehen. Und siehe da: schon rückt das Ziel näher, hinter der nächsten Ecke zeigt die Hinweistafel statt der „0“ die „1“. Das erste Level ist geschafft. EXIT 8 basiert auf dem gleichnamigen Puzzle Adventure, ist zumindest visuell sehr werkgetreu umgesetzt und wie das bei Computerspielen so ist – jedes Level ist etwas herausfordernder als das vorige. Dem Film gelingt es recht gut, das an sich sterile und repetitive Szenario über anderthalb Stunden mit Leben zu füllen – durch Überraschungen, Begegnungen und Perspektivwechsel. Ganz so einfallsreich, clever und spannend wie der Meilenstein dieses Mini-Subgenres, CUBE, ist er allerdings bei weitem nicht. Und er begeht einen schweren Fehler: Er lädt das Mysterium mit Bedeutung auf. Denn unser Protagonist erhält zu Beginn einen Anruf seiner Ex, sie sei schwanger und brauche eine Entscheidung. So wird aus einem metaphysischen Mysterythriller ein plattes Gewissensdrama, das uns in nahezu jeder Szene Interpretationen aufdrängt und als simples Moralstück endet. Verschenktes Potenzial, dann doch lieber selber zocken. | |
sah diesen Film im das Metropol, Stuttgart | 15.09.2025, 00:23 |
Kreatives Kachelkorridorkennenlernenvon Leimbacher-Mario | Permalink |
Das Videospiel (am ehesten noch auf den Spuren von „P.T.“) war eine kleine Indie- und Influencer-Sensation in den letzten zwei Jahren und ist vielleicht nicht sehr lang (ca. 60-120 Minuten; kommt ganz auf Glück und Beobachtungsgabe an), aber für den schmalen Taler immer noch spielenswert, minimalistisch, spannend. So vertreibt sich jeder Gamer gerne den Abend - einfach mal durch gekachelte Gänge laufen. Immer und immer wieder. Die Kachelmänner und -frauen der neuen Generation. Finde den Fehler! Und nun kommt der gleichnamige Film aus Japan - der die Vorlage würdig umsetzt, teils konzentriert erweitert und ebenso einen rätselnden, verlorenen Mann durch den (fast) immer gleichen U-Bahn-Korridor „entkommen“ lässt… Nexus, Vorhölle, Alptraum „Exit 8“ ist Wimmelbild und Einbildung, Prüfung und Prank, Labyrinth und Milchmädchenrechnung, Walking Simulator und Schreckensvision. Dabei immer kreativ und unberechenbar - selbst wenn man das Game vorher schon gespielt hat. Es gibt genug Neuheiten! Über den ein oder anderen Schlenker samt Dehnung der Handlung (und Protagonisten!) kann man diskutieren. Aber insgesamt gibt’s hier sehr wenige Verschlimmbesserungen. „Exit 8“ ist eine kompakte Kinoversion, eine gelungene Umsetzung des Gimmicks. Die paar neuen moralischen Abzweigungen, Erweiterungen und Themen (Zivilcourage; Abtreibung bzw. Vaterschaft) sind sinnvoll. Ein paar besonders creepy Anomalien aus dem Spiel haben mir gefehlt. Der Mittelteil kann sich ziehen. Das Asthma des Protagonisten kann mit den vielen Hustern und Räuspern etwas nerven, verstärkt aber auch Enge, Panik und Klaustrophobie. Allgemein zeigt sich unsere Hauptfigur sehr zögerlich, luschig, dumm, was Teil des Konzepts ist, aber natürlich zu Frust bei uns Zuschauern führen kann. Dabei dachte ich, dass ich das Game schon recht langsam gespielt hätte. Aber scheinbar geht da noch was… Insgesamt hatte ich jedoch mit dem ausgebufften „Exit 8“ meinen Spaß - und viele Mitgucker, denen Spiel und Konzept komplett fremd waren, fast sogar noch mehr beim Entdecken und Erschrecken. Ein geniales Loop-Konzept bleibt eben ein geniales Loop-Konzept. Scheidewege brauchen Chuzpe. Doomstrolling Fazit: Tolle, versierte, verspielte und über weite Teile knackige Umsetzung der ebenfalls empfehlenswerten Videospielsensation. Geht die richtigen Wege! | |
sah diesen Film im Residenz, Köln | 22.09.2025, 01:32 |
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