Feels Like Home

Home is where the Heart dies

von D.S.
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Die junge Rita wird von einem Mann gekidnappt, der ihr erklärt, er sei ihr Bruder. Und sie in Wirklichkeit gar nicht Rita, sondern Szilvia, die nun endlich zurück im Schoß ihrer liebenden Familie sei. Der Situation so fassungs- wie hilflos ausgeliefert, entdeckt sie bald, dass der Irrsinn tiefgreifende Methode hat …

FEELS LIKE HOME beginnt als fassungslos machender Einblick in eine hochgradig gestörte Familie, für die das Befolgen von (selbst aufgestellten) Regeln das Wichtigste auf der Welt ist. Was nicht passt, wird passend gemacht; wer sich nicht benimmt, wird umerzogen, bis er seinen Platz in der Hackordnung endlich akzeptiert. Beklemmend inszeniert und behutsam erzählt, stellt sich schnell ein verstörtes Gefühl beim Betrachter ein.

Ab einem gewissen Punkt wird jedoch deutlich, dass die Handlung nicht nur für sich selbst steht: Der Film entpuppt sich als bitterböse, toll gespielte Analogie auf das Leben unter einem totalitären Regime und darauf, was das mit seinen Bürgern macht. Oder auch: welche Konsequenzen es hat, ob sich der Einzelne für Freiheit oder (soziale) Sicherheit entscheidet.

Eine hintergründige Polit-Parabel mit gelegentlichen Pacing-Problemen, insgesamt aber hohem Unterhaltungswert: knappe 7 Punkte.
D.S.

21.03.2026, 18:29


Das Gulaschkanonensyndrom

von Leimbacher-Mario
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Der ungewöhnliche Genrehit der ungarischen Kinosaison erzählt von einer unscheinbaren Frau, die in eine weirde Familie gekidnappt wird, die behauptet, sie hätte schon immer dazugehört. Und nach anfänglicher Folter fangen die „Umerziehungsmassnahmen“ an zu fruchten - und zu bluten…

Familienfest in Budapest

Erstaunlich, zumindest auf den ersten Blick, dass dieses garstige Kammerspiel in Ungarn zum absoluten Kinoerfolg mutiert ist und durch alle Altersklassen und Gesellschaftsschichten sensationell ankommt. Vielleicht liegt's auch etwas an den gänzlich ungarischen Feinheiten, Eigenheiten, Gemeinheiten. Ich finde ihn aus internationalerer Sicht weitaus weniger reizend. Aber auch nie schlecht. Unsere Hauptdarstellerin spielt aufopferungsvoll und facettenreich, der grau-kargen Wohnung als hauptsächlichen Schauplatz werden zumindest ein paar nette Winkel und Klaustrophobien entlockt. Aber vor allem die gesellschaftskritischen Parallelen und Metaphern zu Ungarn im Moment sind massiv und mutig. Und trotzdem mäandert „Feels Like Home“ für meinen Geschmack über die ambitionierte Laufzeit doch arg im Kreis - und wirkt höchst vorhersehbar auf mich. Das ist sehr subjektiv, vielleicht kann ich persönlich solche Kidnapkrimis à la „Good Boy“, „Berlin Syndrome“ oder „Prisoners“ einfach auch nicht mehr sehen, sie ähneln sich alle sehr. Und „Feels Like Home“ müsste da dann doch mit etwas weniger Mainstream und etwas mehr Boshaftigkeit um die Ecke kommen, um mich abzugreifen. Seine menschliche, freiheitliche und politische Bewandtnis und Daseinsberechtigung hat er aber gerade aktuell absolut.

Mord im No-Rent-Express

Fazit: Kidnapkammerspiel mit ungarischer Kante, top Hauptdarstellerin und unangenehmen Momenten. Trotzdem recht lang, recht dröge, schon recht oft ähnlich gesehen.
Leimbacher-Mario
sah diesen Film im Residenz, Köln

17.04.2026, 17:58


Patriarchat macht Staat

von Herr_Kees
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Die Familie Árpád möchte ihre Szilvia wiederhaben, die geliebte Schwester, Schwägerin, Tante und Papas Liebling. Dass die gerade gekündigte Schuhverkäuferin Rita gar nicht aussieht wie Szilvia, stört niemanden. Isoliert in einem kleinen Zimmer und mit Szilvias „Tagebuch“ ausgestattet, kann sie sich in Ruhe auf ihre neue Rolle vorbereiten – unterstützt von Essensentzug und Fesselfolter. Nach quälenden Tagen ist „Szilvia“ soweit, „ihre“ Familie kennenzulernen. Wird sie das Spiel mitspielen? Und was wird überhaupt gespielt?

Regisseur Gábor Holtai meinte in seinem Grußwort auf den Fantasy Filmfest Nights sinngemäß, der Film würde von manchen als psychologischer Thriller eingeordnet, dabei sei das einfach die Art, wie man in Ungarn Familienkomödien dreht. Ein nur leicht ironischer Hinweis auf die politische Situation seines Heimatlandes. Auch wenn das autokratische Regime Viktor Orbáns quasi zeitgleich mit Erscheinen des Films abgewählt wurde, ist FEELS LIKE HOME eine unverhohlene Politparabel unter dem Deckmantel eines Kidnappingthrillers.

Der Papa, der die Familie zusammenhält, jeder hat seine klar zugeschriebene Rolle, die Fassade, die um jeden Preis aufrechterhalten wird, der massive Einfluss des Regimes und die beugsame Bevölkerung, die für die versprochene Sicherheit bereit ist, die eigene Identität aufzugeben – das ist alles wenig subtil. Aber die Metapher funktioniert, der Film ist atmosphärisch inszeniert und gut gespielt bis ans konsequente Ende. Mit seinen 124 Minuten, seinem doch wenig abwechslungsreichen Setting und der in weiten Teilen vorhersehbaren Entwicklung ist er nur etwas zu lang geraten.
Herr_Kees
sah diesen Film im das Metropol, Stuttgart

25.04.2026, 00:40




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D.S.
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cthulhu314
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Michaela

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