Des Menschen bester Freundvon Giallorossa | Permalink |
Der Eröffnungsfilm dieses Jahr überrascht: Hauptdarsteller dieses Films ist der Hund Indy! Der Film wird vorwiegend aus seiner Perspektive erzählt. Leider ist die Story doch nicht so einfach zu durchschauen durch die vielen Sprünge und daher nicht sehr stringent, insbesondere wenn der Hund träumt! Daher leider keine Höchstwertung. Aber der Hund ist toll! Gute Unterhaltung, in jedem Fall eine Sichtung wert. | |
sah diesen Film im Cinecitta', Nürnberg | 11.09.2025, 00:48 |
Mein Leben als Hundvon Herr_Kees | Permalink |
Todd ist schwer krank, vermutlich ist es Krebs. Er zieht sich in das alte abgelegene Haus der Familie zurück, ganz alleine, nein, fast alleine, denn da ist ja noch Indy. Der Retriever ist auch der eigentliche Hauptprotagonist des Films. Wir sehen die Welt durch seine Augen, nicht wörtlich, als POV, sondern filmisch. Und Indy sieht mehr als Todd. Er sieht Schatten, wo eigentlich keine sind, schemenhafte Figuren, schlammige Fußabdrücke. GOOD BOY eilt ein gewisser Hype voraus, der Trailer war ein kleines Klickereignis, das Konzept klang vielversprechend, der Hund sah sagenhaft süß aus. Und „Indy“ ist auch das absolute Highlight des Films, ein Hund, in den sich auch Katzenfreunde verlieben können. Wie es Autor und Regisseur Ben Leonberg gelang, in geduldiger Kleinarbeit an rund 400 Drehtagen die gewünschten Reaktionen seines eigenen Hundes zu erzielen, um diese dann im Schnitt passend zum Drehbuch einzusetzen, ist bewundernswert. Der Film selbst gestaltet sich jedoch eher als Geduldsprobe: Wir sehen sehr lange sehr wenig, was wir nicht schon aus unzähligen anderen Spukfilmen kennen. Insofern erinnert GOOD BOY in Teilen an David Lowerys A GHOST STORY, Steven Soderberghs PRESENCE und bisweilen gar an den unerträglich langsamen SKINAMARINK. Der ungewöhnliche Blickwinkel, ebenfalls Gimmick der genannten Filme, macht hier dann wirklich den einzigen Reiz aus. Die Gesichter der Menschen bleiben schemenhaft, verdeckt, im Schatten oder im Gegenlicht, es ist ein bisschen wie bei den Peanuts, nur, dass man die Menschen hier reden hört. Das nutzt der Film gut aus: Als Todd beginnt, sich immer merkwürdiger zu verhalten, haben wir durch die Hundeperspektive keinen wirklichen Anhaltspunkt: Ist es die Krankheit, die von ihm Besitz ergreift, oder sind es dunkle Mächte? Leider bleibt es nicht bei dieser Uneigentlichkeit – am Ende driftet der Film in eine etwas esoterische Metaphorik ab, die zusammen mit ein paar eher billig aussehenden Effekten der Gesamtwirkung des Films eher abträglich ist. | |
sah diesen Film im das Metropol, Stuttgart | 11.09.2025, 12:23 |
Show Don't Bellvon Leimbacher-Mario | Permalink |
Ich habe aktuell zwar „nur“ zwei tolle Katzen, keinen Hund, aber ich glaube fast jeder Tierbesitzer kennt das: Euer geliebter Mitbewohner guckt konzentriert, fasziniert, neugierig, angespannt in eine Ecke, an die Decke, ins Nichts, in die Schatten. Da ist nichts, zumindest nichts, was wir Menschen sehen. Wahrscheinlich (hoffentlich!) sieht er/sie nur Licht, Staub, Reflektionen oder tierische Hirngespinste. Aber trotzdem bleibt ein seltsames bis ungutes Gefühl… Und genau dieses Konzept, dass da doch noch etwas sein könnte, dass Tiere ein Gespür für „mehr“ als wir Menschen haben, nimmt sich der herzlich sympathische, gelungene Konzeptgrusler „Good Boy“ und erzählt eine klassische Ghost Story bzw. Haunted House-Geschichte komplett (!) aus der Perspektive des besten Freundes des Menschen… Probiert mal eine andere Sichtweise Eigentlich ein kleines Wunder, dass das scheinbar noch niemand so durchgezogen und gemacht hat, da es ja etliche Studien gibt, die belegen, wie sehr wir Menschen mit Filmtieren mitleiden, mitgehen, mitbangen. Aber einen kompletten „Hundehorrorfilm“? Das scheint neu und innovativ und meiner Meinung nach ziemlich genial. Vielleicht liegt’s an den aufwändigen Drehs mit Tieren. Vielleicht ist die Idee im Grunde eher eine für Kurzfilme (wo es sowas meine ich auch schon ähnlich gab). Aber es muss noch mehr Gründe geben, warum „Good Boy“ jetzt als Erster dieses Konzept stur und stabil durchzieht - und damit gleich zum Eröffnungsfilm des diesjährigen Fantasy Filmfests geworden ist! Qualitativ für mich zurecht, will ich betonen, obwohl „Good Boy“ im Grunde eine sehr kleine, intime und kurze (!) Angelegenheit ist, für die das Prädikat „FFF-Opener“ eventuell zu schwer auf den zarten Schultern lasten könnte. Wer weiß. Jedenfalls zieht er sein Ding durch, macht Spaß wie Angst, hat eine sehr dichte, fast gotische Atmosphäre und vor allem einen genialen Hund als dicksten Pluspunkt - und ist somit für tierliebe Horrorfans glasklares Pflichtprogramm! Selbst wenn das Konzept sicher nicht für jeden gänzlich aufgehen wird, wenn manche das zu simpel und eintönig finden, als Gimmick abtun könnten. Aber ich persönlich hing von Anfang bis Ende, in jeder Minute, in jedem Wuff, mit jedem Heulen und mit jedem Schmatz, an den treuen Augen dieses haarigen Dämonentrotzers! Selbst wenn sich einige Muster (auch leider viele Jumpscares) wiederholen, selbst wenn sich die 72 Minuten länger anfühlen, selbst wenn die meisten das wohl wirklich eher in Kurzfilmterritorium sehen werden. Ich habe auf jeden Fall höchsten Respekt, dass und wie das realisiert wurde (über Monate Drehzeit!). Und ich habe selten bis nie ein Tier aufgrund seiner Blicke so gut verstanden. Von mir gibt’s ’nen Extrapunkt von Herzen. Und der Tieroscar geht an… Fazit: Die konsequent, kreativ und über weite Teile ziemlich genial durchgezogene Perspektive lässt einen im Grunde generischen Grusler weit über sich hinauswachsen… Das Konzept geht auf! Awuffityville Horror. Und der Hundehauptdarsteller ist ja wohl eine süße Sensation! Indy hat sich hiermit definitiv unsterblich gemacht. | |
sah diesen Film im Residenz, Köln | 17.09.2025, 21:33 |
He’s a VERY good Boy.von D.S. | Permalink |
Dieser Indy jagt keine verlorenen Schätze. Wohl aber bedrohliche Mächte, die seinem Herrchen Böses wollen! Es handelt sich bei ihm um einen wirklich sympathisch daherkommenden Vertreter der Rasse Nova Scotia Duck Tolling Retriever, in der echten Welt gleichnamiger Vierbeiner von Regisseur Ben Leonberg – der in seinem Langfilmdebüt Außergewöhnliches wagt: Er fokussiert die Erzählung konsequent auf das Erleben eines Hundes, platziert die Kamera auf der Höhe seines Kopfes oder nimmt sogar gleich seine Perspektive ein. Das hat einerseits zur Folge, dass Menschen hier eher als Randfiguren in Erscheinung treten, als nahezu abstrakte Formen, die oft nur bis ungefähr zur Hüfte zu sehen sind. Andererseits nehmen wir auch die Umgebung in einer Weise wahr, die Hundesinnen nachempfunden ist. Das sorgt für eine durch und durch ungewohnte Filmerfahrung, bei der auch altbekannte Genre-Versatzstücke durch die Form ihrer Präsentation und ihrer Rezeption durch den tierischen Protagonisten eine neue Intensität erlangen. Die Handlung dreht sich dabei um den offenkundig an Krebs erkrankten Todd, der mit Indy kurzentschlossen in das abgelegene Haus seines auf ungeklärte Weise verstorbenen Opas (Larry Fessenden, BROOKLYN 45) zieht – allen Warnungen seiner fürsorglichen Schwester Vera zum Trotz, dass es dort nicht mit rechten Dinge zugehe und bösartig Übernatürliches am Werk sei. Todd will davon nichts wissen, Indy erschnüffelt, erspäht und erspürt es jedoch in kürzester Zeit: Etwas Dunkles will seinen Menschen, seinen besten Freund, mit aller Macht ins Jenseits hinüberziehen. Er nimmt die Präsenz überall im Haus in den Schatten und in nur fürs menschliche Auge leeren Ecken wahr, verfolgt sie in den Keller, aus dem beängstigende Geräusche klingen, und wird von Visionen über den grausamen Tod des Großvaters heimgesucht. So loyal und mutig er auch ist: Wird er Todd vor dem gleichen Schicksal bewahren können? Im Storykern ist GOOD BOY eigentlich nur ein typischer Haunted-House-Grusler, wie man ihn schon viele Dutzend Male gesehen hat. Für Gänsehaut sorgen kann er deshalb bei halbwegs erfahrenem Publikum eher nicht. Aber dafür hat er einen derart sympathischen und charismatischen Hauptdarsteller und nimmt eben eine derart ungewöhnliche Perspektive ein, dass man kaum anders kann, als ihm Applaus zu zollen. Zumal er emotional dann doch auch ein gutes Stück weit berührt. Gute 7 Punkte von mir. | |
sah diesen Film im Harmonie, Frankfurt | 18.09.2025, 01:26 |
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