Good Boy – Wir wollen nur dein Bestes

Kette dich frei

von Leimbacher-Mario
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Dummer- und lustigerweise schon gefühlt der fünfte Film mit dem Titel "Good Boy" in wenigen Jahren, mittlerweile auch unter dem Namen "Heel" international vertrieben, erzählt diese europäische Koproduktion von einem aufmüpfigen, krankhaft feiernden Jugendlichen, der von einem mysteriösen Mann, womöglich seinem Vater, entführt, im Keller angekettet und "umerzogen" wird...

The Stockholm Syndrome Family

Stephen Graham ist immer ein Biest und eine Sensation, das ist hier nicht anders. Er kann auch mittelmäßige Filme tragen. Und leider ist genau das hier der Fall. "Good Boy" aka" Heel" ist ein freaky, schwarzhumoriger Kidnapthriller, der weder freaky noch spannend noch speziell genug ist, um bei abgefuckteren Genrefans wirklich hohe Wellen zu schlagen. Vielleicht hat man Ähnliches in den letzten Jahren auch einfach zu oft und auch extremer gesehen. Und total mies ist "Heel" nie. Aber er geht für mich nie genug dort hin, wo es weh tun könnte. Weird aber nicht wirklich wundervoll. Und einfach nicht böse genug, tut mir leid. Da erwarte ich mehr. Damit schockiert man nicht mal mehr meine Oma heutzutage. Philosophische und gesellschaftliche Fragen (z. B. rund um schwelende Generationenkonflikte) werden nur angeschnitten, genretechnische Perversitäten stehen gefühlt wie gesagt immer arg auf der Bremse, jegliche Fragen und Mysterien haben es mir wenig angetan. Ich hatte schmerzhaft wenig Aktien im Spiel. Fertig ist ein "Umerziehungsthriller", der mich vollkommen kaltgelassen hat und sich einfach halbgar anfühlt.

Fazit: Creepy-freaky Idee - zahm-öde Umsetzung. "Heel" aka "Good Boy" fehlt es komplett an Biss. Kurzfilmmaterial.
Leimbacher-Mario

09.03.2026, 11:09


Ludovico Therapie 2.0

von Herr_Kees
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Einen Menschen im Keller angekettet zu haben, ist im Horror- und Thrillergenre keine Seltenheit. So offensiv und gleichzeitig freundlich wie Chris (Stephen Graham mit „seriösem“ Toupet) ist damit jedoch noch niemand umgegangen. Der Familienvater führt die neue Haushaltshilfe Rina bereitwillig durch das gesamte Haus, inklusive Keller, in dem „Tommy“ gefangen gehalten wird. Natürlich hat er Rina vorher eine Verschwiegenheitserklärung unterzeichnen lassen und gewisse Druckmittel gegen sie in der Hand. Aber Chris ist kein Monster, er legt Wert auf Pünktlichkeit, unterhält einen „Zero Waste“ Haushalt und stattet Rina mit einem Elektroschocker und Pfefferspray aus, „falls sie sich bedroht fühlen sollte“.

Was Chris und seine Frau Kathryn (leichenblass und zurückhaltend: Andrea Riseborough) mit Tommy vorhaben, ist eine Umerziehungsmaßnahme. Sie füttern ihn mit klassischer Musik und Literatur und konfrontieren ihn wie einst Alex in A CLOCKWORK ORANGE mit seinen eigenen Social Media Reels – ein „Worst of“ von Gewalt, Bullying, Alkohol- und Drogenmissbrauch.

Aufgrund der Namensgleichheit mit dem Hundegruselfilm GOOD BOY wurde dem Film kurzfristig der internationale Titel HEEL verpasst – „to heel“ bedeutet, einen Hund zur Räson zu bringen. Je mehr Fortschritte Tommy macht, um so enger wird er in die Familie integriert. So wird aus dem Thrillerplot zunächst eine Farce – und dann wirklich noch ein unkonventioneller „Familienfilm“.

Regisseur Jan Komasa (CORPUS CHRISTI) schielt mit seinen Stoffen offensichtlich in die Richtung von Michael Haneke und dessen sozialen Versuchsanordnungen. Doch sowohl sein letztjähriger ANNIVERSARY als auch dieser Film lassen die Konsequenz vermissen. Zwar schaut man dem Geschehen durchaus interessiert zu und der Film verfügt auch über eine gewisse Dynamik, jedoch löst er keine wirklichen Reaktionen aus, regt weder zum Lachen noch zum Nachdenken oder Kopfschütteln an, schockiert nicht und rührt nicht. Trotz seines nicht gerade konventionellen Endes bleibt letztlich nur ein Schulterzucken.
Herr_Kees

27.03.2026, 17:26


Kettenhund ohne Biss

von Alexander
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Ein zugedrogter, waschechter badass-boy, Meister des Mischkonsums, rotzige Arschloch-Attitüde und East-London Akzent quasi in Dauerschleife, soll stubenrein domestiziert werden und wird in einem Kellerloch an die Wand gekettet und fortan wie der kleine Alex in „Uhrwerk Orange“ diszipliniert. Diese nun wirklich nicht neue Idee funktioniert eine Weile ganz gut, wird aber irgendwann öde und war mir bereits nach einer halben Stunde zu langweilig.

Ich mache es heute mal kurz und schließe mich meinen Vor-Rezensenten an: Dem Film fehlt es einfach am „gewissen Etwas“, er polarisiert nicht, ist weder verstörend genug noch besonders emotional, sondern spult sein sehr vorhersehbares Konzept einfach nur stringent, spannungsarm und ohne nennenswerte Überraschungen ab, zumal in einer sich recht streckenden Länge von 140 Minuten. Mit etwas mehr Härte und Straffung hätte daraus vielleicht noch etwas werden können.

Dabei hat der Film durchaus auch seine Momente, am besten davon haben mir noch „Boys“ Exzesse zu Beginn der Geschichte gefallen. Der gesamte Rest war leider recht vorhersehbar. Ich mag halt lieber Filme die mich überraschen. Aber vielleicht liegt es auch einfach daran das ich Movies, in denen irgendeine arme Sau stunden- oder tagelang an einen Stuhl oder eine Wand gefesselt ist, nicht besonders gut goutiere, ganz einerlei, ob es sich dabei um die „Crazy Old Lady“ oder „Serious Moonlight“ mit Meg Ryan handelt (kleiner Scherz). Ich finde solche Settings in der Regel wenig aufregend und das Beste an so einem Kammerspiel ist dann leider häufig auch einfach nur die Kammer.
Alexander

29.03.2026, 16:04


Willkommen bei Familie „durch“

von PinkyHH
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In diesem Film ist echt einer „durcher“ als die andere, und niemand wird in meinen Augen während des Films sympathisch genug gezeichnet, dass es sich lohnt, mitzufiebern, wie es wohl enden mag.

Dennoch ist der Film handwerklich solide gemacht, wird nicht langweilig zwischendrin, da unser „Held“ hier eine sehr zügige Verhaltensentwicklung durchmacht, welches an den durchaus speziellen Erziehungsmethoden liegen dürfte. Ob Gelehrte im Fach Psychologie an diesem Film ihre Freude haben oder sich mit Grausen abwenden würden, wäre vielleicht noch interessant zu klären - insbesondere in Anbetracht des Filmendes.

Darüber hinaus bleiben einige Dinge unbeantwortet. Die Hintergrund-Geschichte zu unserer „durchen“ Familie kann man nur erahnen. Und auch wenn der Film teilweise etwas stark Slang-artige Sprache hat, das mit dem „I am here to take my lump“ konnte ich selbst mit Hilfe eines Wörterbuchs nicht ganz entschlüsseln.

Aber sei's drum. Schaubarer Film auf jeden Fall.
PinkyHH

01.04.2026, 00:02




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