Im Wald, da sind die Seelenräubervon D.S. | Permalink |
Ländliches Familienidyll als seelenzerfetzende Terrorvision: Die junge Nawojka lebt mit ihrem Vater und zwei dumpfen Brüdern auf einem Bauernhof in der französischen Provinz. Und fühlt sich wie eingesperrt. Die aus Polen Zugezogenen halten sich mehr schlecht als recht mit Rinderzucht über Wasser, doch plötzlich gerät ihre Lebensgrundlage in Gefahr: Ihre Kühe scheinen mit einem mysteriösen Virus infiziert zu sein, der sie zum Absondern einer unbekannten, gallertartigen Substanz bringt und schließlich tötet. Der einzige Lichtblick für Naw ist das Auftauchen der freigeistigen Sandra, die vom Dorf als Hure und Hexe beschimpft wird, bei Naw aber sexuelles Verlangen auslöst – das jedoch in beängstigenden, tranceähnlichen Anfällen mündet. Was steckt dahinter? Ist sie vielleicht vom Bösen besessen, so wie ihre Mutter, die sich einst selbst in Brand gesetzt hat? HERR WILL BE DONE ist ein filmischer Kampfruf für Selbstbestimmtheit und persönliche Freiheit, gegen das Patriarchat und die verklemmte Enge von Glaubens- bzw. Dorfgemeinschaften. Was emotional feurig aufgeladen klingt, benötigt jedoch eine nicht zu knapp bemessene Zeit, um zu entflammen: Zunächst wirkt hier alles weitestgehend trist und deprimierend, ein Genrebezug ist kaum zu erkennen. Dranbleiben lohnt sich allerdings allemal, denn spätestens im letzten Drittel wird es nicht nur inhaltlich mitreißend, sondern auch visuell geradezu rauschhaft. Ein insgesamt, trotz anfänglicher Längen, extrem kraftvolles Stück Kunst, ein echter Unwohlfühlfilm zwischen Coming-of-Age und dem Horror konservativen Wahns. Der nirgendwo brutaler wütet als auf dem Dorf. Starke 6,5 Punkte. | |
sah diesen Film im Harmonie, Frankfurt | 20.09.2025, 02:15 |
(Horror…) There Will Be Nonevon Leimbacher-Mario | Permalink |
„Her Will Be Done“ erinnert an „The VVitch“ genauso wie an „Carrie“, „Wake in Fright“ oder „Straw Dogs“ - nur auf polnisch-feministisch-arthousige Art, schleppend und anstrengend. Erzählt wird von einer jungen Frau in einem abgelegenen Dorf, die womöglich durch einen alten Fluch im Kreuzfeuer steht und von dem dort vorherrschenden Patriarchat (auch ihrer Brüder) unterdrückt wird, jedoch durch eine sexy Nachbarin neue Leidenschaft geweckt fühlt… Die mit dem Kalb tanzt Wieder mal „Female Empowerment“! Diesmal zwischen Schlamm, Kuh und Scheunenhochzeit. Jippih! … Spaß beiseite. „Her Will Be Done“ hat ein paar fiese und nette Einzelmomente und vor allem die junge Hauptdarstellerin macht das komplett furchtlos. Eine ihrer Szenen im Bett, wenn sie früh gegen ihren inneren „Schweinehund“ kämpft, erinnert gar fast etwas an Frau Adjani im legendären „Possession“. Eine größere Adelung geht kaum. Doch solche intensiven Momente bleiben rare, kurze Lichtblicke in einer insgesamt müden Scheunensause. Unbefriedigend, eher Zitatekino als Eigengewächs, nie mit der Kraftübertragung auf den Zuschauer, die man sich als Filmemacher(in) glaube ich wünscht. Rurale Rituale. „Her Will Be Done“ bleibt fauler Hüttenzauber und zieht immer, wenn das Genre dann mal lauter frohlockt, den (Pferde-)Schwanz ein… Fazit: Behäbiger und in seinen Themen schon oft besser gesehener Okkult-Bauernhof-Slowburn, der dem polnischen Arthouse näher steht als dem englischen Terrorkino… Matschige Angelegenheit. Versumpft in seiner eigenen Mutlosigkeit. | |
sah diesen Film im Residenz, Köln | 20.09.2025, 02:50 |
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