Never gonna give you upvon D.S. | Permalink |
Der koreanische HI-FIVE ist eine Superhero-Komödie, wie man sie so noch nicht gesehen hat. Das liegt vor allem an ihrem Humor, der anders als etwa bei THE BOYS nicht schwarz bis zynisch oder meta-clever daherkommt, sondern fröhlich, verspielt, teils gar charmant naiv. Und an ihren fünf Hauptfiguren: ganz normale, etwas nerdige Leute, von der scheuen Teenagerin bis zum pflichtbewussten Bauleiter. Sie alle haben eine Organspende von einem Unbekannten erhalten, der augenscheinlich über Superkräfte verfügte. Die zeigt nun Auswirkungen: Sie gesunden nicht bloß binnen kürzester Zeit, sie entdecken, dass sie außergewöhnliche Fähigkeiten haben. Im Fall der jungen Wan-seo (Lee Jae-in, HARD HIT) wirken diese im Genrekontext eher konventionell, denn mit ihrem Spenderherzen im Leib legt sie auf einmal Bärenkräfte an den Tag und sprintet wie der Rote Blitz durch die Gegend. Bei den anderen zeigen sich jedoch ungewöhnlichere Talente: Ji-sung etwa kann dank seiner neuen Lungen buchstäblich Orkane erzeugen – oder, viel schöner: eine meterweit entfernte Flöte spielen. Augenhornhaut-Empfänger Ki-dong (Yoo Ah-in, BURNING) wiederum ist jetzt in der Lage, per Fingerschnippen elektromagnetische Wellen zu kontrollieren. Nachdem unsere glorreichen Fünf zusammengefunden und sich feine Kampf-Namen wie BLUETOOTH MAN verliehen haben, wird ihnen eines klar: Wo es Superheld:innen gibt, gibt es auch einen Superschurken. Hier ist das Seo Young-chun, Führer einer mächtigen Sekte. Seiner gespendeten Bauchspeicheldrüse sei Dank, hat er Appetit darauf, die Welt zu beherrschen. Nicht mit den HI-FIVE! Der Film ist farbenfroher Feelgood pur, nimmt sich nie zu ernst und besticht vom Start weg durch einen sympathischen, zurückgenommenen Tonfall. Außerdem gibt‘s nicht zuletzt die vielleicht verrückteste, Rick Astley (!) einbindende Verfolgungsjagd aller Zeiten zu bewundern – und generell ein paar wirklich coole Soundtrack-Ideen. Vielleicht einen Tick zu lang und im letzten Drittel irgendwann fast schon zu „normal“. Ansonsten aber in meinen Augen ein nahezu perfekter, in jedem Fall jedoch überaus charmanter Abschluss fürs Festival. Gute 7 Punkte. | |
18.09.2025, 01:59 | |
K-Pop Organ Huntersvon Herr_Kees | Permalink |
Ein Superheld hat Suizid begangen und sechs Organe gespendet (Warum? Egal!). Diese werden relativ wahllos an Personen verteilt, die dem Drehbuchautor und Regisseur Kang Hyoung-chul gerade recht kamen: ein Teenagermädchen, ein Drehbuchautor slash Superheldenspezialist, ein Arschloch, eine schüchterne Joghurtverkäuferin, ein pedantischer Werkschützer und schließlich ein übergeschnappter Sektenführer. Durch die neuen Organe haben alle Superkräfte erhalten, manche nützlich (Superkraft-/geschwindigkeit, Technikeinfluss per Fingerschnippen, Heilung), andere fraglich (Superpuste) und eine bis zum Finale noch unentdeckt. Wie die Drehbuchautorfigur im Film schon nach wenigen Minuten metaebnet, will der Bösewicht natürlich alle Superkräfte an sich reißen, womit auch schon die gesamte „Story“ des Films erzählt wäre. Die geschlagenen zwei Filmstunden werden dann mit all dem gefüllt, was wir in unzähligen Superheldenfilmen und vor allem -serien schon extrem viel besser, interessanter, witziger und kurzweiliger gesehen haben, ob in MISFITS, EXTRAORDINARY oder THE UMBRELLA ACADEMY. Auf Kangs koreanischem Kindergeburtstag sind anders als in den genannten Serien jedoch nur Karikaturen statt Charaktere unterwegs, die cartoonhaften Kämpfe haben keinerlei Konsequenzen, keine Schwerkraft, keinen Impact. Es ist alles eine beliebige CGI-Show. Die Verfolgungsjagden, die alle sichtbar vor Greenscreen aufgezeichnet wurden, laufen sogar im Zeitraffer ab wie zu seligen „Benny Hill“-Zeiten. Die wenigen Gags, die funktionieren, werden sicherheitshalber gleich mehrmals wiederholt. Der Humor des Films ist ungefähr so plakativ wie die Musikauswahl: Zu Ki-dongs fingerschnipsender Elektromanipulation ertönt Snap’s „I’ve got the power“, betritt er mit Sonnenbrille eine Bar, lässt er – was? – natürlich „I wear my sunglasses at night“ laufen. Einzig der Finalkampf zu den Smashing Pumpkins ist mal weniger klischeehaft. Ansonsten ist aber nichts an diesem Film in irgendeiner Weise neu, interessant oder involvierend. Außer natürlich für 12-Jährige und Fans von K-Pop-Star Park Jin-young, der hier auch zielgruppengerecht mit nacktem Oberkörper posieren darf. Danke, aber ich bin beim koreanischen Kino dann gerne wieder dabei, wenn sie wieder Filme für Erwachsene machen. | |
sah diesen Film im das Metropol, Stuttgart | 18.09.2025, 15:31 |
Klatscht, flitzt, hat noch Luft!von Leimbacher-Mario | Permalink |
„Hi-Five“ war der diesjährige Abschlussfilm des Fantasy Filmfestivals und erzählt von fünf ziemlich normalen Menschen wie du und ich, durch alle Alters- und Gesellschaftsschichten, die durch Organspenden jeweils an unterschiedliche (teils sehr lustige) Superkräfte kommen - und diese beherrschen lernen und sich vor allem zusammenschließen müssen, um einen mächtigen Superbösewicht zu stoppen… „Turtles“ treffen auf „Kung Fu Hustle“ Anfangs war mir „Hi-Five“ etwas zu wild und hektisch, zu hässlich und oberflächlich, zu unoriginell und billig. Doch umso länger diese Alltagssuperheldennummer ging, desto mehr sind mir diese Fünf ans Herz gewachsen und desto mehr musste ich auch staunen. Die Effekte bleiben ziemlich augenkrebsig und nicht jeder wird mit dem Tempo und teilweise Blödelei zurechtkommen. Von der platten Hitparade westlicher Pophits ganz zu schweigen (ich mag „Sunglasses At Night“ und Co. allerdings sehr). Für mich kommt „Hi-Five“ im Verlauf seiner (vielleicht etwas zu langen) Laufdauer jedoch immer besser in den Tritt, in den Groove, in sein Wir-Gefühl. Und am Ende artet das Ganze komplett in dragonball'ige Gefilde ab - mit einem gehörigen Augenzwinkern versteht sich. Immer kreativ, immer herzlich, immer exotisch genug für uns Westler. Daher verzeihe ich „Hi-Five“ seinen Stotterstart und seine tollpatschigen Unzulänglichkeiten easy. Und bin am Ende voll drin im Geschehen und mit dem Herzen bei der Sache, bei den Figuren, werde fetzig unterhalten und komme auf meine Kosten! Spätestens die Fluchtsequenz zu „Never Gonna Give You Up“ hat mich überzeugt und sehr laut lachen lassen - selbst wenn sie von Hollywood (James Gunn oder Edgar Wright vielleicht) sicher noch mehr auf den Takt und hübscher anzusehen inszeniert worden wäre. Aber wer weiß, wahrscheinlich machen gerade dieser unperfekte Charme und einige koreanische Kleinigkeiten „Hi-Five“ aus… Fazit: rasante bis überdrehte, im Endeffekt aber erstaunlich herzliche Superheldenhatz zwischen hässlichsten Effekten, lustigsten Momenten und echtem Teamgefühl. In etwa wie wenn Bully Herbigs koreanischer Cousin „Dragon Ball“ ohne Rechte mit massig Mainstreamappeal verfilmen würde. Gar nicht übel - findet auch Rick Astley! | |
sah diesen Film im Residenz, Köln | 25.09.2025, 03:01 |
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