"Hotel Incontinental"von Herr_Kees | Permalink |
Monikas Tag beginnt mit einem Alptraum: Ihr Sohn hat ein Umzugsunternehmen beauftragt, das alle ihre liebsten Sachen abtransportiert. Dann fährt Joel sie ins Heim – ab sofort ihr neues Zuhause. Kein Wunder, dass die alte Dame sich merkwürdig verhält, aggressiv wird, sich Verletzungen zufügt und Heiminsassen wie Pflegerinnen terrorisiert. Joel findet das jedoch alles andere als normal. Er erkennt im Verhalten seiner Mutter den gewalttätigen Vater Bengt wieder. Doch der ist schon schon eine Weile tot. HEMMET ist einer dieser Horrorfilme, die sich so nah an der Realität bewegen, dass sie um so mehr schockieren, wenn dann das Übernatürliche zuschlägt. Wobei dieser Film seinen Horror auch ohne übersinnliche Phänomene verbreiten würde – insbesondere bei Menschen in einem Alter, das die Krankheit und Pflege der eigenen Eltern zum persönlichen Thema macht. So braucht der Film nicht viel, um eine Atmosphäre von Unbehagen, Bedrohung und auch Verzweiflung sowie Trauer zu erzeugen. Die wenigen Jumpscares sitzen tief, die Emotionen, die der Film auslöst, sitzen jedoch noch tiefer. | |
sah diesen Film im das Metropol, Stuttgart | 18.09.2025, 00:14 |
Hinter schwedischen Gardinenvon Leimbacher-Mario | Permalink |
Der zweite Film (allein diesen September!) auf dem Fantasy Filmfest über Altersheime, Pflegeprobleme und den damit zusammenhängenden familiären Horror. Ein Thema, das nicht nur nahezu uns alle irgendwann betrifft, sondern scheinbar auch die komplette westliche Welt bewegt (s. „Old People“, „The Home“ (US), „The Rule of Jenny Pen“, „The Manor“ u.v.m.). „Hemmet“ aka „The Home“ ist die schwedische Filmwortmeldung dazu und erzählt von einem Mann, dessen Mutter fast gestorben wäre und nun ums Altersheim (trotz Widerwillen) nicht mehr herumkommt. Doch ihre Nahtoderfahrung hat die alte Dame verändert und deutlich boshafter gemacht… Im Heim hört dich niemand schrei'n! Ich glaube, wenn meine italienische Oma nicht gerade ins Pflegeheim gekommen wäre, hätte ich mit „Hemmet“ doch eine noch wesentlich gelangweiltere und unberührtere Zeit gehabt. So habe ich aber viele Muster - manche lustig, manche traurig, manche gruselig - aus aktuellstem Anlass wiedererkannt. Dadurch gewinnt dieser Altersheimschocker für mich ganz persönlich an Gewicht, Tragik, Tiefe. Ziehe ich das jedoch ab, bleibt ein solider Grusler auf gehobenem TV-Niveau. Der Hauptdarsteller erinnert mich sympathisch an David Dastmalchian. Die vielen alten Damen und Herren versprühen mehr Mitleid als Grusel. Und das Setting wirkt sehr steril und grau in grau, was aber natürlich auch mit dem gesellschaftskritischen Thema und den Zuständen solcher Einrichtungen zu tun hat. Sicher heruntergekurbelt, auf nordisch-europäische Art an spooky Mustern abgearbeitet. Die Traumata der häuslichen Gewalt und Homophobie im Hintergrund sind unübersehbar. Richtig entscheiden kann sich „Hemmet“ jetzt nicht, voll ins Genre einzudringen. Für einmal sehen reicht's. Längen gibt’s kaum. Fazit: In seinen besten Momenten creepy, sogar mit J-Horror- und „Nachtwache“-Vibes. Zudem auch mit tragischen sowie schwarzhumorigen Untertönen. Insgesamt jedoch eher TV-Gruselstunde. Aber warum nicht. | |
sah diesen Film im Residenz, Köln | 20.09.2025, 22:35 |
Heim-Wehvon D.S. | Permalink |
Joel hat einen Scheißtag - und es ist noch der beste in seiner näheren Zukunft: Nachdem seine an Demenz leidende Mutter einen Schlaganfall erlitten hat, muss er die widerstrebende alte Frau ins Pflegeheim verfrachten und ihr beizubringen versuchen, dass ihr halbwegs normales Leben im gewohnten Umfeld vorbei ist. Dabei erkennt sie ihn nicht mal wieder und spricht ihn andauernd mit dem Namen seines Bruders an. Der ist erfolgreich, leitet sein eigenes Unternehmen (mit 15 Angestellten!) und wurde von allen immer geliebt. Anders als Joel, der sich jetzt aber um die unangenehmen Familienangelegenheiten kümmern darf. Immerhin hat er dadurch einen Anlass, wieder mal in die Heimat zurückzukehren. Wo man ihn nicht vergessen hat: Nicht nur die örtliche Zuhälterin und Drogendealerin heißt ihn herzlich willkommen, auch seine frühere beste Freundin Nina. Die, wie es der Zufall will, als Pflegerin in dem Heim beschäftigt ist, welches das neue Zuhause seiner Mutter darstellen soll. Trotzdem will er am liebsten so schnell wie möglich wieder weg, aber daraus wird nichts. Denn seine Mutter zeigt plötzlich äußerst seltsame Symptome, die sich auch durch fortgeschrittene Demenz nicht befriedigend erklären lassen. Nachdem sie in ihrer ersten Nacht im Heim aus dem Bett gefallen ist (wirklich?) und am ganzen Körper Blutergüsse aufweist, die Joel an die Folgen ihrer Beziehung zu seinem gewalttätigen, längst verstorbenen Vater Bengt erinnern, benimmt sie sich immer mehr wie jener. Äußert verletzende, zynische, mitunter glatt menschenverachtende Dinge. Und damit nicht genug: Ihre gleichfalls senilen Mitbewohner:innen zeigen sich verängstigt von dem, was sie nachts aus ihrem Zimmer vernehmen … genau wie die junge Pflegerin Olivia, die nach einem schockierenden Zwischenfall sogar ihr Arbeitsverhältnis auflöst. Dem Zuschauer wird schon relativ früh ziemlich deutlich gemacht, was wohl hinter dem beängstigenden Verhalten von Joels Mutter steckt - und, welche Gefahr dem Protagonisten sowie seinen Lieben droht. Die Suspense hält sich hier somit in Grenzen, was aber nichts an der Intensität des Geschehens und seiner beklemmenden Atmosphäre ändert. Um in Sachen Gruselfaktor auf Nummer Sicher zu gehen, streut HEMMET zusätzlich ein paar Jump-Scares ein. Die sind zwar nicht wirklich notwendig und fühlen sich teilweise ein wenig billig an, sind aber durch die Bank höchst effektiv umgesetzt. Wer selbst jemals das Unvergnügen hatte, eine:n Angehörige:n an Alzheimer (oder anderweitig an ein Pflegeheim) zu verlieren, leidet hier sicher noch ein gutes Stück extremer mit. Aber auch „unbetroffenem“ Publikum dürfte die Zeichnung einer solchen hoffnungslosen Aufbewahrungsanstalt, in der die Insassen einem kaum fassbaren Übel ausgeliefert sind, unbedingt nahegehen. Was nicht zuletzt an der Abbildung der Figuren liegt, die sich äußerst echt anfühlen. Kein Vergleich zur klischeehaften Horrorshow des anderen THE HOME im FFF-Programm. Hier wird echte Verzweiflung spürbar. Und kein Ausweg sichtbar. Wie der Regisseur beim Screening in Frankfurt erläuterte, handelt es sich um die Verfilmung eines in Skandinavien sehr populären Romans, für die der Autor selbst am Drehbuch mitgewirkt hat. Einige Storydetails bleiben unklar bzw. in ihrer Bedeutung der Interpretation des Publikums überlassen. Wesentlich ist aber, dass sie Wirkung erzielt. Was nicht zuletzt an der Leistung der Darsteller:innen liegt, von denen ein Großteil um die 90 Jahre alte Laien sind, die noch nie zuvor vor einer Kamera standen. Beeindruckend - genau wie die Kraft dieses kleinen, unspektakulären, aber nachhaltig nahegehenden Films über den realen Horror des Lebens und des Altwerdens. 7 Punkte. | |
sah diesen Film im Harmonie, Frankfurt | 21.09.2025, 00:46 |
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