Don‘t worry, Honeyvon Herr_Kees | Permalink |
Nach einem schweren Autounfall hat Diana ihr Gedächtnis verloren. Ihr Partner Homer begleitet sie daher in die neurologische Klinik „Retrouvaille“, von deren neuartiger Behandlung sie sich viel versprechen. Diana hat bald den Verdacht, dass hier nicht alles mit rechten Dingen zugeht. Aber vielleicht sind ihre merkwürdigen Erscheinungen ja auch ein Zeichen dafür, dass die Behandlung funktioniert? Das Regiepaar Madeleine Sims-Fewer und Dusty Mancinelli hat bereits in ihrem Debut VIOLATION aus einem eigentlich abgegrasten Thema einen richtig spannenden und ungewöhnlichen Genrebeitrag erschaffen. Dies gelingt ihnen hier erneut, wenn auch ganz anders. Ihr neuester Film atmet das gediegene Genrekino der 70er-Jahre, der Film sieht stellenweise aus, als hätten ihn auch Roeg oder de Palma drehen können, der Soundtrack klingt wie ein Frühwerk von Pino Donaggio und die Hauptrollen könnten auch mit Donald Sutherland und Mia Farrow besetzt sein. Lediglich mit Einsetzen des „Twists“ finden wir uns eher im Schlock-Kino der 80er-Jahre, beziehungsweise doch im Verschwörungsfilm der Jetztzeit. Die Dialoge zwischen Homer und Diana sind ebenfalls sehr „heutig“ und spiegeln wahrscheinlich die etwas kranke, jedoch sehr innige Romantikvorstellung der Macher wider. In jedem Fall ist HONEY BUNCH eine spannende Reise mit überraschendem Ausgang, verstörend romantisch und wunderschön gemacht. Ein echtes cineastisches Vergnügen. | |
sah diesen Film im das Metropol, Stuttgart | 18.09.2025, 00:14 |
A Cure For Helpless(ly in Love)von Leimbacher-Mario | Permalink |
„Honey Bunch“ kann ein ziemliches Mysterium und Überraschungsei sein, wenn man vorher noch möglichst wenig über ihn weiß. Und wenn er bei euch besser ankommt und wirkt und nach vorne geht als bei mir… Zur Handlung nur so viel: Ein Pärchen geht nach einem schweren Autounfall in eine Art experimentelle Rehaklinik, da besonders die Frau starke körperliche wie erinnungstechnische Lücken und Traumata überwinden soll. Doch schnell platzen ihr in dieser rustikalen Villa trotz liebevoller Pflege ihres Mannes seltsame Dinge und Erinnerungsbruchstücke in die Heilung… Liebe oder Egoismus? Im Gewand von 70er-Horror-Mystery und mit etlichen Fragen, möglichen Wegen und einer glaubhaften Romance zu Beginn, hat „Honey Bunch“ eigentlich einige Möglichkeiten einen am Ball zu halten. Allein die Beleuchtung, die Ausstattung, der Nebel, die Textur des Bildes… exquisit! Doch leider schafft es „Honey Bunch“ eben nicht mich durchgängig bei Laune und am Rätseln zu halten - zumindest bis es die ersten handfesteren Antworten und Auflösungen gibt. Dann machen Konzept und Kokolores zuvor Sinn. Doch bis dahin ist’s hartes Brot. Beide Hauptfiguren haben zwar eine authentische Beziehung und sind lobenswert mal keine Supermodels, haben zudem noch ein paar knackscharfe Sprüche und Dialoge auf Lager - und trotzdem habe ich schneller das Interesse an ihnen und ihren Schicksalen verloren als mir lieb ist. Mindestens eine etwas fragwürdige Nebenstory noch mit ins Getümmel. Die ersten zwei Drittel von „Honey Bunch“ hätten entweder schnitttechnisch eine Straffung oder eben mehr Highlights (egal ob freaky oder spooky oder emotional) benötigt. Das Finnish entschädigt etwas. Der Look ebenso. Doch so richtig will ich mich da nicht nochmal hin durchbeißen… Fazit: für mich zäher als er sein müsste. Die moody 70er-Tapete, das endlich aufklärende wie aufdrehende letzte Drittel und einige pikante Paardynamiken stimmen mich aber versöhnlich. Umso handfester und konkreter das Geschehen wird desto besser. Ein Genreliebling des Jahres ist das aber nicht von mir. Aber vielleicht der weird-romantischste Curveball?! | |
sah diesen Film im Residenz, Köln | 25.09.2025, 02:16 |
Schicker Schein, blasses Seinvon D.S. | Permalink |
Für fast einhellige Begeisterung beim Publikum sorgte dieses Jahr der „Fresh Blood“-Beitrag HONEY BUNCH, der in einigen Städten den Wettbewerb gar gewann und auch bei f3a.net derzeit knapp vor dem bundesweiten Sieger SLANTED liegt. Wenn ich ehrlich bin, wundert mich das ein wenig. Sehr. Denn wenngleich der zweite Spielfilm von Dusty Mancinelli und Madeleine Sims-Fewer (VIOLATION) insbesondere filmtechnisch zweifellos einiges auf der Habenseite zu verbuchen hat, erzählt er doch nichts, was wir nicht schon x-mal zuvor gesehen haben. Dabei fokussiert er extrem auf einen Story-Twist bzw. eine „interessante“ Erklärung des Geschehens, den/die man schon lange vorher kommen sieht. Und nachdem er sich endlich entsprechend offenbart hat, erklärt er seine Geschichte im letzten Drittel so dermaßen überdeutlich, dass man sich als Zuschauer fast ein wenig veralbert fühlen kann. Im Zentrum der Handlung steht Diana (Grace Glowicki, derzeit als Regisseurin von DEAD LOVER selbst im Festival-Circuit unterwegs), die nach einem schweren Unfall das Gedächtnis verloren hat und nicht mehr eigenständig laufen kann. Um sie buchstäblich wieder auf die Beine zu bringen, hat ihr Ehemann Homer (Ben Petrie, BLACKBERRY) - nicht Joseph (Jason Isaacs), wie im Programmheft behauptet - sie in eine innovative, regenerative Klinik tief in den Wäldern Kanadas verbracht, wo man sich aufopferungsvoll um sie kümmert. Doch je länger sie vor Ort ist, desto häufiger leidet sie unter seltsamen Flashbacks/Halluzinationen/Visionen, die sie zunächst überhaupt nicht einordnen kann, die jedoch zunehmend beängstigend wirken. Wer sind die Beschäftigten, wer die anderen Patienten in der Klinik? Warum ertappt sie ihren Mann immer wieder bei versteckten Unterhaltungen mit der Leiterin der Klinik (Kate Dickie, TIMESTALKER)? Welche Rolle spielt deren Mann, der offenkundig geistig beschädigte Delwyn (großartig, aber auch schwer unterfordert: Julian Richings, BEAU IS AFRAID)? Wie erwähnt, ab einem gewissen, nicht zu späten Punkt kann man sich ziemlich klar zusammenreimen, worauf die Erzählung hinausläuft. Ob man die offensiv ausführliche Aufklärung aller zuvor potenziell erzeugten Unklarheiten dann dankenswert erleuchtend oder beschämend plump findet, hängt vermutlich stark von der eigenen Erwartungshaltung und Twist-Freudigkeit ab. Auf neue Bahnen führt sie jedenfalls absolut nicht, was mich persönlich dann schon ein Stück weit enttäuscht hat. Andere offensichtlich weniger. Aber vielleicht ist die übergreifende Begeisterung für diesen Film eben auch weniger in seiner Story und ihrer Auflösung begründet als in ihrer Umsetzung. Die beiden Hauptfiguren sind überaus sympathisch besetzt und lebensnah gespielt. Das Setdesign ist bis ins Detail 70er-Jahre-verzaubernd. Die Kameraarbeit fängt den geradezu verwunschenen, zwischen den Dimensionen scheinenden Handlungsort kongenial beeindruckend ein. HONEY BUNCH ist ein Film, den man sich gerne ansieht, und von dessen Welt man gerne noch sehr viel mehr sehen möchte. Spannend oder gar überraschend ist er aber leider nicht. Deshalb von mir nur 6 von 10 Punkten. | |
sah diesen Film im Harmonie, Frankfurt | 30.09.2025, 23:44 |
Love is stronger than deathvon Alexander | Permalink |
Ich liebe verrätselte, langsame Filme aus dem „Mystery“ Genre. Es werden nur leider nicht mehr viele davon gemacht. „Honey Bunch“ ist ein Fest für Freunde des Genres, wirkt in seiner ersten Hälfte wie aus der Zeit gefallen, und die von anderen Rezensenten genannten Parallelen zum 70er-Kino bieten sich angesichts der eigentümlichen Farbgestaltung, der Kamera, des Lichts und der Erzählstruktur nahezu an. Der Film weckt Erinnerungen an Brian de Palma's „Obesession“ oder Nicolas Roeg's „Wenn die Gondeln Trauer tragen“. Geduldige Zuschauer, die sich auf das langsame Erzähltempo einlassen, werden mit einer eindrucksvollen, dichten Atmosphäre in einer wahrlich unheimlichen Geschichte belohnt. Der Kopf schlägt Kapriolen, beim Versuch herauszufinden, was genau hier eigentlich passiert. Dabei liefert „Honey Bunch“ bis zur eigentlichen Auflösung des Rätsels nicht wirklich viele Hinweise, und perfider Weise verbirgt sich ein kleiner „clue“ bereits im Titel des Films. So macht es eine lange Zeit lang wirklich Freude, sich in das nahezu gotische Labyrinth einer enorm immersiven Welt hineinziehen zu lassen, bis der Film im letzten Drittel dann plötzlich das Tempo wechselt und dabei leider auch seiner bisherigen Erzählstruktur untreu wird. Das zuvor bis in das kleinste Detail liebevoll aufgebaute Gebilde aus Atmosphäre, Rätsel und Mysterium, reißen die Regisseure Madeleine Sims-Fewer und Dusty Mancinelli unerwartet abrupt ein, und schockieren mit einigen sowohl harten als auch unappetitlichen Momenten, die man so nicht erwartet hatte. Ein ebenso verstörender wie auch tragischer Twist, den zumindest ich nicht so habe kommen sehen, der mir aber in seiner brachialen Umsetzung mit zu viel unnötiger und stellenweise auch ungelenk wirkender „Action“ im letzten Drittel zum einen zu früh kam, zum anderen nicht so recht zum Rest des wunderbaren Films passen wollte, sonst hätte ich noch höher bewertet. „The poet's voice lingers on His words hang in the air The ground you walk upon My death will not be there I take you through my dreams Out into the darkest morning Past the bloodfilled stream In the willow's shade Don't lie to hear it weep For its tears of gold and jade Will drown you as you sleep“ The Garden of Jane Delawney | |
15.02.2026, 12:40 | |
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