crazy

Imposters

Ein GameChangeling?

von Leimbacher-Mario
Permalink
„Imposters“ ist die fast schon klassische Mysterybox der diesjährigen Fantasy Filmfests Nights und einer der wenigen Filme, die auch vor 20 Jahren zwischen „Triangle“, „Coherence“ oder „Timecrimes“ genau dort hätten laufen können und ihre Frau gestanden hätten. Nehmt das als Positives oder Negatives, wie euch gedüngt. Jedenfalls hat mich diese verzwickte Wechselbalgmär mit modernem Anstrich sehr ordentlich unterhalten. Jessica Roth wieder voll in ihrem Element und teils auch Subgenre, wenn sie und ihr filmischer Ehemann aus der „heilen Welt“ herausgerissen werden, wenn plötzlich und ankündigungslos während der Einweihungsfeier des neuen Hauses ihr kleiner Babyjunge spurlos verschwindet…

Du bist dein neues Feindbild

Jessica Rothe ist und bleibt ein Fixpunkt, das Tempo von „Imposters“ passt und die Ausgangslage, dass dein Kind plötzlich weg ist, zieht bei Eltern immer, egal wie simpel bis plump diese zuerst erscheinen mag. Ich hoffe nicht nur bei Eltern. Doch zum Glück dreht „Imposters“ noch ein paar Extrarunden und ruht sich auf diesen eher instinktiven Attributen nicht zu sehr aus. Zu viel kann man und will ich nicht verraten, aber Vergleiche zu „Dark“ (Netflixserie) oder Peeles „Us“ drängen sich nahezu auf. Hochwertig produziert. Technisch versiert. Gehobene Stangenware, mehr als das in Gesamtbetrachtung. Am Ende bleiben doch einige Fragen und Nebenhandlungen etwas auf der Strecke. Vielleicht dreht sich da die Kinderkirmes etwas zu wild und der Überblick, ja schlimmer noch, vielleicht sogar jegliche Empathieankerpunkte gehen flöten. Doch insgesamt ist „Imposter“ lean und mean genug, um aus dem Teufelskreis der Mittelmäßigkeit im Genrebereich auszubrechen.

Fazit: Schönes Mysterykarussell - kurzweilig, kompetent, knackig. Wenn auch mit großer Freiheit was Sinn, Erklärungen und Logik (auch interne) angeht. Aber das konnte ich verkraften.
Leimbacher-Mario
sah diesen Film im Residenz, Köln

19.04.2026, 18:00


„Good lies keep us together“

von Herr_Kees
Permalink
Die Ehe von Marie und Paul ist brüchig. Paul betrügt seine Frau. Und dann verschwindet auch noch ihr kleiner Sohn Theo. Aus einem Prolog wissen wir bereits, dass sich im Haus der beiden eine mysteriöse Geschichte zugetragen hat, bei der womöglich eine Doppelgängerin im Spiel war. Ein alter Sonderling rät dem Paar, eine nahegelegene Höhle aufzusuchen, um ihren Sohn zurückzubekommen. Dann wird es wirklich seltsam.

Als Genrekenner ziehen einem hier schon zu Filmbeginn zahlreiche Klassiker und Geheimtipps vor dem geistigen Auge vorbei: INVASION OF THE BODY SNATCHERS, PET SEMETARY, TIMECRIMES, DARK MATTER oder auch COHERENCE. Doch IMPOSTERS gelingt es mit seiner Auflösung des Mysteriums doch, etwas Eigenständiges zu schaffen. Die zweite Hälfte des Films gerät so zu einem gehirnverknotenden Besuch in der TWILIGHT ZONE mit emotionalen wie physischen Punches. Dabei leistet Jessica Rothe (HAPPY DEATH DAY) in mehrfacher Hinsicht ganze Arbeit.

Trotz einiger Längen im ersten Teil macht IMPOSTERS Spaß, wenn man auf High Concept Thriller steht, die auch mit wenig Budget große Ideen umsetzen können. Gerne mehr davon. Und warum nicht sogar ein Sequel und ein Prequel?
Herr_Kees
sah diesen Film im das Metropol, Stuttgart

26.04.2026, 23:41


Things will be different

von Alexander
Permalink
Nicht erst seit Filmen wie „Coherence“ oder „Primer“ gibt es auf dem Fantasy Filmfest immer wieder so großartige Mystery-Beiträge wie „Imposters“, über die man nach dem Filmende so hervorragend mit Freunden diskutieren und sich den Knoten im Kopf langsam wieder entwirren lassen kann.

„Imposters“ nimmt sich sehr viel Zeit, seine unheimliche Atmosphäre und Spannung nur ganz allmählich aufzubauen, und zieht das berühmte Kaninchen glücklicherweise erst sehr spät aus dem Zylinder, so das der Knobelfreund lange rätseln darf, was hier eigentlich abgeht.

Viel darf man wegen einer eindeutigen Spoiler-Gefahr nicht verraten und am besten geht man in den Film auch vollkommen ahnungslos. Jedenfalls bietet die Ausgangssituation eines Paares, das in eine abgeschiedene Kommune am Rande eines großen Waldes gezogen ist, so viele Möglichkeiten für Gedankenexperimente, das es eine Freude ist sich hier überraschen zu lassen. Ich hatte aus irgendeinem Grund viel weniger erwartet und war zum Ende der Geschichte emotional ziemlich mitgenommen. Für Fans von Filmen wie z. B. „Things Will Be Different“ eine unbedingte Empfehlung.

Ein wahrhaftiges Fest für Mystery-Thriller-Freunde wie mich, und sicherlich wird es irgendwann im Netz auch zu diesem Film irgendwo eine von einem Fan hingebungsvoll gemalte „Erklärbär“-Zeichnung geben, auf der das zuvor gesehene entwirrt wird.
Alexander

01.05.2026, 13:10




Alle Bewertungen im Überblick:
Leimbacher-Mario
Review zeigen
cthulhu314
BARROCK
Wishbringer
MrRossi
Torsten Ketelsen
Yavannah
Mercy-Sky
Acrylamid
Hondo
Seoulraider
lazy_beanies
Herr_Kees
Review zeigen
Alexander
Review zeigen

Weitere Informationen (externe Links):
Unterstütze f3a.net durch eine(n) Leihe/Kauf bei unseren Partnern. #VerdientProvisionen