crazy

In Darkness

Fokus, bitte!

von Herr_Kees
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Eine Blinde als Mordzeugin – eine Konstellation, die schon ein paar echte Klassiker (WAIT UNTIL DARK, SEE NO EVIL) sowie solide Thriller (BLINK, JULIA’S EYES) hervorgebracht hat. IN DARKNESS verfehlt die zweite Kategorie ganz knapp.

Nach einem heutzutage schon ungewöhnlich schön zu nennenden Vorspann und einem interessant mysteriösen Beginn, nimmt die Geschichte schon bald immer abstrusere Züge an, "Twists" wäre eine Untertreibung. Natalie Dormers Blindendarstellung ist – höflich gesagt – unspektakulär, während die Bösewichte lieber zu dick auftragen, als wirkliches Charisma zu entwickeln (Ed Skrein war ja schon in DEADPOOL ein sehr blasser Baddie). Und hat man anfangs noch das Gefühl, Autor/Regisseur Anthony Byrne wolle dem Subgenre eine neue Komponente hinzufügen, indem er dem Ton eine besondere Rolle zuschreibt, wird dieses Stilmittel bald wieder fallengelassen und man gewinnt eher den Eindruck, Byrne, der sonst vor allem TV-Ware inszeniert, habe sich auf dem Regiestuhl mal so richtig austoben wollen: ein Film-in-Film-Übergang hier, harte Bild- und Tonschnitte da, eine (unsinnig motivierte) hitchcockhafte Suspense-Sequenz hier, ein Action-Onetake da, eine Szene wird als Schattenspiel inszeniert, eine andere im grellen Neonlicht. Viele Versatzstücke, die leider kein harmonisches Ganzes ergeben.

Durchaus denkbar, dass es sich hier um ein Vanity-Projekt von Natalie GOT Dormer handelt, die den Film auch mitschrieb und -produzierte. Hätte man mehr Wert auf ein stimmiges Skript als auf inszenatorische Mätzchen gelegt, wäre etwas mehr drin gewesen – zumindest ein solider Thriller.
Herr_Kees

25.08.2018, 01:09


Review

von Lovecraft
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Blinde Pianistin wird Zeugin des gewaltsamen Todes ihrer Nachbarin und hat in der Folge diverse dunkle Gestalten an den Hacken.

Tolle One-Woman-Show von Natalie Dormer, hier nicht nur Hauptdarstellerin, sondern gleichzeitig auch Drehbuchautorin und Produzentin. Daß sich der Film weitestgehend auf ihre Figur konzentriert und den Zuschauer viele Szenen aus ihrer Perspektive erleben läßt, ist technisch oftmals sehr gelungen gelöst und bringt einem die Protagonistin emotional noch erheblich näher. Aus dem weiteren Cast sticht die genial-durchtriebene Joely Richardson heraus, und auch die London-Locations gefallen sehr. Einige Überraschungen hat die Handlung zu bieten, nur (mindestens) der letzte Twist war dann doch deutlich zu viel.

Mainstream, sicher, aber aus der Güteklasse 1-2.
Lovecraft
sah diesen Film im Cinestar, Berlin

07.09.2018, 11:18


Review

von PinkyHH
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Schaut man diesen Film sehr aufmerksam, ist ein Teil der Wendung am Ende nicht mehr ganz so überraschend. Andere Teile jedoch wirken, wie meine Vorredner hier schon angemerkt haben, etwas doll konstruiert.

Dennoch finde ich den Film sehr gut in Szene gesetzt. Man muss sich sehr konzentrieren, da die Handlung und Verstrickungen aus der Vergangenheit durchaus komplex konstruiert, aber irgendwie immer nur angerissen sind. Vielleicht muss man den zweimal gucken. Mir hat der Film auf jeden Fall Spaß gemacht.
PinkyHH

18.09.2018, 19:48


Unter den Blinden ist die Rachsüchtige am planlosesten

von Leimbacher-Mario
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"In Darkness" hatte mich zu Beginn schon. Der ausgeprägte Rätselaspekt, der oldschoolige Hitchcock-Vibe, die bezaubernde Dormer als blinde Blondine inmitten eines Mordrätsels, ein effektvoller und eleganter Style - eigentlich war alles auf den Teller. Doch mit zunehmender Laufzeit und einer Verwandlung in Richtung Rachedrama verlor ich etwas das Interesse und die Konzentration. Viel lieber hätte ich einen Mysterythriller à la DePalma oder Polanski gesehen und dann kam ein Twist nach dem nächsten und ich dachte mir nur so: "Halt. Stop. Das sollte anders laufen!".

Natalie Dormer hat sich das wirre Ding selbst an den hübschen Hals geschrieben. Verschrieben, möchte man fast sagen. Spielen und scharf aussehen kann sie. Beim Schreiben hat sie sich etwas verfranzt. Immerhin stilsicher bleibt’s bis zum Schluss, selbst wenn er auch da seine Höhen zu Beginn hat. Ed Skrein mal wieder blass, der Soundtrack reiht sich dafür zu den zahllosen klasse Stücken des diesjährigen Fantasy Filmfests ein und gut unterhalten wird man. Ich persönlich hatte mir nach dem starken Beginn nur mehr versprochen. Er rollt dann unspektakulär aus und den letzten Twist kriegt man eh nur noch halb mit einem Augenzwinkern mit. Oder nimmt ihn kaum wahr, geschweige denn ernst. Mindestens ein Haken zu viel. Egal. Die Dormer ist Feuer. Egal ob blind, mit Brille, nackt oder vermöbelt.

Fazit: Natalie Dormer ist wunderschön, kraftvoll, kostbar. Der DePalma/Hitchcock-Vibe zu Beginn verspricht viel. Doch hinten raus überschlägt sich der Thriller dann mit abstrusen Wendungen und wird generisch bis ratlos. Er fischt sozusagen passend zum Thema im Dunkeln. Für einen verregneten Sonntag auf der Couch dennoch eine solide Wahl, hochwertig produziert und ambitioniert gedacht.
Leimbacher-Mario
sah diesen Film im Residenz, Köln

19.09.2018, 03:27


Augen zu und durch

von D.S.
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Filmisch auf Hochglanz polierter, aber mit Drehbuchschwächen geschlagener Thriller, der nach einem audiovisuell beeindruckenden Auftakt und einem fesselnd erzählten ersten Drittel kontinuierlich an Kraft verliert. Mit fortschreitender Laufzeit wirkt die Handlung immer konstruierter und in mancher Hinsicht sogar völlig unglaubwürdig. Storywendungen, die vermutlich überraschend wirken sollen, sind häufig schon Kilometer im Voraus abzusehen – und schlimmer noch, teilweise machen sie die Logik von allem, was zuvor erzählt wurde, zunichte. Gegen Ende des außerdem um gut 10 Minuten zu lang geratenen Streifens tendiert der Gesamteindruck deshalb fast schon Richtung ärgerlich.

Das ist schade, denn zunächst wirkt IN DARKNESS wie ein wirklich spannender, temporeicher, kunstvoll inszenierter Krimi aus der Ersten Liga. Gerade stilistisch kann er anfangs begeistern – etwa durch seinen cleveren Umgang mit diegetischem und non-diegetischem Ton, mit dem er uns die Wahrnehmungs-Welt der blinden Hauptfigur Sofia (Natalie Dormer, GAME OF THRONES, hier auch als Co-Autorin und -Produzentin involviert) näherbringt. Diese Gestaltungsidee wird leider nicht lange verfolgt, Kamera und Schnitt haben aber auch im weiteren Verlauf immer wieder kreative Momente zu bieten – die sich allerdings meist eher als für sich stehende Kabinettstückchen entpuppen. Spätestens ab der Hälfte des Films ist jedenfalls kein originäres Gestaltungsmuster mehr zu erkennen, die Inszenierung findet sich auf äußerst konventionellem Niveau wieder. Tatsächlich gibt es einige qualitativ unschöne Ausreißer nach unten, wie etwa ein missglücktes Zitat aus VERTIGO oder auch reichlich kitschig wirkende Rückblenden in Zeitlupe.

Das wahre Ärgernis ist aber der Weg, den die Story einschlägt – oder umfassender: das Drehbuch, das so gerne intelligent erscheinen möchte, den Zuschauer dabei aber für dumm zu verkaufen versucht. Das sorgt bei mir für eine herbe Abwertung des schick anzusehenden, über einen gewissen Zeitraum auch durchaus sehr spannenden Films und gibt in Summe nur 5,5 Punkte – mit Tendenz zu 6.
D.S.
sah diesen Film im Harmonie, Frankfurt

26.09.2018, 03:13


Die Mutter aller Twists

von Alexander
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Ich mag Filme, die mich überraschen. Geschichten, die nicht vorhersehbar sind, Charaktere die sich, gleich einer Metamorphose, im Film gleich mehrfach wandeln und häuten wie eine Schlange. Kurz: Ich mag „In Darkness“ - Da hat sich Natalie Dormer mal einen richtig coolen Film quasi auf den Leib maßgeschneidert, Ehre wem Ehre gebührt. Ein Film voller Eleganz, guter Schauspieler, brillanter Ideen und Atmosphäre. Alleine schon das wunderbar britische Englisch zu hören erfreut.

Der wirklich kraftvolle und inszenatorisch sowohl auf optischer Ebene als auch durch seinen innovativen Score immer wieder auf das Neue überraschende Film hat mich begeistert. Was beginnt wie ein stylisher „Whodunnit?“, der an seinen besten Stellen wohlige Schauer in Erinnerung an Meisterwerke wie Brian de Palmas „Dressed To Kill“ oder „Blow Out“ weckt und fast schon rüberkommt wie eine Verbeugung an die großen Psychothriller der 70er und 80er Jahre, wandelt sich sehr bald zu einem doppelbödigen, vielschichtigen Thriller, der permanent die Stellschraube für Tempo und Spannung anzieht und sich dabei im Laufe seiner überraschungsreichen Handlung zu einem düsteren Melodram wandelt.

Durch das Einstreuen kleinster Puzzleteile und sehr kurzer Rückblenden wird eine Spur ausgelegt, der zu folgen zwar eine erhöhte Aufmerksamkeit vom Zuschauer abverlangt, einen letztlich wahrscheinlich aber doch aufs Glatteis führen wird. Dass entsprechende Geistesakrobatik dann nicht zwangsläufig belohnt wird, sondern „In Darkness“ einem am Ende eine lange Nase zieht, mag wohl den ein oder anderen Zuschauer in seinem cineastischen Stolz getroffen haben, anders kann ich mir die stellenweise für mich etwas unfairen Bewertungen nicht erklären.

Mir hat es trotzdem gefallen, wie der Film immer noch einen oben drauf setzt und die Heldin mit voller „Fuck You!“-Attitüde am Ende einfach in der „Darkness“ verschwinden lässt. Ätsch! Und die wirkliche Genialität einer Schlüsselszene gleich zu Beginn des Films offenbart sich eigentlich auch erst im Nachhinein, wenn man noch einmal ganz in Ruhe über die Geschichte nachdenkt. Super.
Alexander

20.10.2018, 09:36




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