The Larkin Incidentsvon Herr_Kees | Permalink |
Wir sind mit dem Found Footage-Subgenre inzwischen schon so weit, dass man darin mehrere Ebenen einbeziehen kann. So ist MAN FINDS TAPE im Grunde eine Mockumentary, die Found Footage-Material ebenso integriert wie Onlinereaktionen und Videocalls. Lynn Page ist von den „Creepy Pasta Tapes“ (Zitat Lynn) ihres Bruders Lucas genervt. Als dieser ein mysteriöses Video mit seinem Namen findet und ausstrahlt, geht sein Kanal viral. Auf dem Tape ist zu sehen, wie Lucas als Kind nachts im Schlaf ominösen Besuch bekam. Darüber hinaus kursieren in der Kleinstadt Videos, die alle Bewohner in einen katatonischen Zustand versetzen. Lynn hat eine Videoproduktionsfirma und die Geschwister beginnen gemeinsam, der Sache in ihrer Heimatstadt Larkin auf den Grund zu gehen und sie zu dokumentieren. Der Film, der von den beiden Oberschwurblern Justin Benson & Aaron Moorhead (THE ENDLESS, SYNCHRONIC) produziert wurde, nimmt sich Zeit, seine Fährten auszulegen – und überrascht dann auf brutale Weise mit einer Auflösung kosmischen Ausmaßes, die so bestimmt niemand hat kommen sehen. Dabei werden die unterschiedlichen Aufnahmequalitäten der verschiedenen eingesetzten Kameras geschickt genutzt – manches sehen wir in High Definition, manches nur unscharf verpixelt, was das Gehirn nur um so mehr anregt. Wer also bei den Nachforschungen der beiden Geschwister dranbleibt, wird mit einer wirklich interessanten Auflösung und einem irren Finale belohnt. Spannenderweise weist der Film einige Parallelen zu Zach Greggers aktuellem Horror-Hit WEAPONS auf – allerdings in der Low-Fi-Variante. | |
sah diesen Film im das Metropol, Stuttgart | 14.09.2025, 12:06 |
You‘ll want to believe.von D.S. | Permalink |
Found Footage wurde schon oft totgesagt. Das Langfilmdebüt von Paul Gandersman und Peter Hall, die zuvor etwa an der Gross-out-Anthologie SCARE PACKAGE beteiligt waren, beweist jedoch, dass sich mithilfe dieses erzählerischen Devices immer noch sehr innovative Werke erschaffen lassen: wenn es nicht als bloßes Gimmick oder gar Mittel zur Verschleierung mangelnden Budgets dient. Hier ist es essenzieller Bestandteil der Geschichte. Die dreht sich um das merkwürdige Geschehen in Larkin, Texas, wo immer wieder Menschen scheinbar anlasslos in Trance fallen – insbesondere beim Betrachten von Filmaufnahmen –, und sich im Anschluss nicht mehr daran erinnern. So wie Lucas, der seiner Schwester Lynn in einem Zoom-Call ein Video eines schockierenden Unfalls vorspielt. Sie hält das erst für Show-Gehabe ihres Bruders, der seit Kurzem Erfolge bei YouTube feiert: mit Clips über ein seltsames altes Videoband, das er in seiner Wohnung gefunden hat. Doch als sie ihn in der alten Heimat besucht, stellt sie fest, dass das Phänomen nur allzu real ist. Und einen bösartigen Hintergrund hat, in den der örtliche Reverend verwickelt zu sein scheint … Der Plot schlägt absolut unvorhersehbare Haken – und steuert radikal auf mit Paranoia-Vibes getränkten Cosmic Horror zu. Überaus stimmig, dass auf ständig wechselndes Bildmaterial aus verschiedensten Quellen zurückgegriffen wird, um die verschlungene Story zu erzählen. Damit nicht genug, wird sie im Gewand eines typischen True-Crime-Thrillers präsentiert. Auf der Metaebene geht es dabei um große Fragen: Ist die Realität, die wir im Zeitalter von Social Media und KI zu sehen bekommen, tatsächlich die Realität? Und wie viel von der tatsächlichen Realität nehmen wir vielleicht gar nicht mehr wahr? Produziert nicht zuletzt von den Mindfuck-Meistern Justin Benson und Aaron Moorhead, ist MAN FINDS TAPE für Fans des Found-Footage-Genres im Geiste von V/H/S ein unbedingtes Highlight. 7,5 Punkte. | |
18.09.2025, 01:49 | |
What's Larkin in the Shadows…von Leimbacher-Mario | Permalink |
„Man Finds Tape“ ist ein (anfangs) einigermaßen kreativer Mockumentary-Found Footage-Mix und geht dem Mysterium einer US-Kleinstadt auf den Grund, in der ein junger Mann ein seltsames Videotape aus seiner Kindheit findet und außerdem die Bewohner regelmäßig einem ausgiebigen Sekundenschlaf darlegen. Alle gleichzeitig. Immer wieder. Ohne Erinnerung oder klaren Grund… Ein Hasenloch, in das es sich lohnt abzutauchen? K(l)eine Aussetzer Aus dem Dunstkreis von Benson/Moorhead, die ja mit ihren mumblecore'igen Mysterien schon eine Fangemeinde aufbauen konnten, fusioniert „Man Finds Tape“ diese kopfkratzigen Ansätze eben mit Found Footage, mit Mockumantary, mit Metakommentaren, Darknetmythen, menschlichen Abgründen und kosmischem Horror. Herausgekommen ist dadurch ein teils ambitionierter, versierter und faszinierender Trip, der jedoch immer weiter in sich zusammensackt desto mehr Antworten er liefern oder zumindest andeuten sollte. In etwa „The Sacrament“ meets „Mächte des Wahnsinns“. Etwas TikTok, etwas Reddit, etwas Paranoia, etwas Verschwörung, etwas Lovecraft. Immer nur Ansätze. Leider haben mich weder die Figuren noch Mysterien wirklich gefesselt. Und wie gesagt, wenn diese dann greifbarer werden, kam ich mir manchmal unpassend eher vor wie in einer „Supernatural“-Folge. Obwohl, wahrscheinlich nehme ich dann sogar lieber die Winchester-Brüder… Fazit: fängt faszinierend an, bricht umso konkreter und kosmischer er wird, aber immer mehr ein. Fast bis zum Kopfschütteln, bis zur Lächerlichkeit… Der Benson/Moorhead-Einfluss ist deutlich. Wirkt wie eine aufgeblasene, schwache, sogar etwas selbstverliebte „V/H/S“-Epidode… Schade. | |
sah diesen Film im Residenz, Köln | 25.09.2025, 01:55 |
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