Marrowbone

Familien Geheimnis

von Frank
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Fresh Blood Kandidat MARROWBONE sieht gar nicht nach einem Erstlingswerk aus, so routiniert wie ästhetisch ansprechend fängt die Kamera das Geschehen ein. Mit dem Effekt, dass der Zuschauer sich schnell mit dem Setting heimisch fühlt und Bezug zu den Charakteren entwickelt. Das einsame Haus auf der Anhöhe bietet eine großartige Kulisse für die mysteriöse Spukgeschichte, die uns lange im unklaren darüber lässt mit welchem Mysterium wir es hier zu tun haben. Die tollen Landschaftsaufnahmen am Wasser, in Baum-, Gras-, und Steinlandschaft mit einigen wohldosierten Kameratotalen und der Soundtrack aus Blasinstrumenten wie Oboe oder Klarinette schaffen einen friedvollen Rahmen und deuten an was im Verlauf des Horror-Dramas am wichtigsten für die aus vier Geschwistern bestehende Familie sein wird: Zusammenhalt. Das hat sich wohl auch auf die Schauspieler übertragen. MARROWBONE bietet absolut hochwertiges Schauspiel von allen Beteiligten. Dies ist noch vor der tollen Kameraarbeit die größte Stärke des Films. Das Familiengefüge fühlt sich authentisch an, es bleibt trotz Harmonie Platz für Spannungen innerhalb der Familie. Hier hätte ich mir zeitweise noch ein bisschen intensivere Reibereien zwischen den älteren Brüdern gewünscht, mit Hinsicht auf den weiteren Verlauf waren die Emotionen allerdings gut ausbalanciert.

Drehbuchseitig ist die Story sicher nicht das Non plus Ultra an Erfindungsreichtum. Inszenierung und Schauspiel holen aber sehr viel aus dem Stoff heraus und lassen den Zuschauer mit zunehmender Laufzeit schaudern und Mitfiebern. Definitiv kein Jump Scare Film. Spannung erzeugen Atmosphäre und der psychologische Charakter der Story, die letztlich mit einem Finale punktet, das überrascht und Nahe geht. Unterm Strich mehr (Familien) Drama als Horror und trotz Ähnlichkeiten im Überbau ganz anders als ein Film wie z. B. AWAKENING. Knappe 8 Punkte durch kleinen Fresh Blood und Sympathie Bonus.
Frank
sah diesen Film im Savoy, Hamburg

19.09.2018, 13:04


Wir sind eins!

von Leimbacher-Mario
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"Marrowbone" steht in der Tradition von spanischen und britischen Gruslern - "The Others", "The Innocents" oder "The Orphanage" fallen einem da schnell ein - doch er fährt für mich noch ein Stück mehr auf der Straße der Dramen, Familientragödien. Und das ist keineswegs böse gemeint. Es soll einfach helfen ihn richtiger einzuschätzen. Denn der Trailer kann da falsch leiten. Es geht um eine Familie in den späten 60ern und ihr düsteres Geheimnis, ihr neues, altes Haus in Amerika, ihre traurige Vergangenheit und eine vielleicht hoffnungsvollere Zukunft...

Atmosphärisch, gefühlvoll, hervorragend gespielt und intelligent aufgebaut - "Marrowbone" überhebt sich an seinen sorgfältig verflochtenen Themen nicht, er wächst sogar noch an ihnen. Die mittlerweile schon größtenteils allseits bekannten Jungdarsteller sticheln sich gegenseitig an und spielen ihre Talente sehenswert aus. Zudem ist die Ausstattung von der Kleidung bis zum alten Haus der Familie exquisit und glaubhaft. Selbst wenn man Wendungen kommen sieht, funktioniert der sensible Grusler und manch eine Szene hat mir sogar eine leichte Gänsehaut verpasst. Mal auf Grund der Spannung, mal wegen der Überraschung und mal sogar wegen der überwältigenden Emotionen. Das passt alles zusammen wie in einem malerischen Puzzle. Klassisch und äußerst edel.

Fazit: Nahezu alles was "Marrowbone" anfasst, gelingt ihm - das Familiendrama genauso wie die (spärlich aber effektiv gesetzten) Gruselelemente. Ganz starke, nuancierte Fusion aus Emotionen und Spannung, Trauer und Horror, Spanien und Hollywood. Ein Tipp!
Leimbacher-Mario
sah diesen Film im Residenz, Köln

24.09.2018, 23:33


Die Stille nach dem Schuss

von Herr_Kees
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Wovor ist die Familie Marrowbone geflüchtet? Warum haben die Kinder solche Angst vor Spiegeln? Und wer oder was haust im zugemauerten Dachboden?

Der Mysterythriller macht lange ein Geheimnis um die wahre Familiengeschichte – und auch darum, ob es sich hier um einen echten Geisterfilm handelt. Nach einem einschneidenden Ereignis wird eine Zeitspanne von sechs Monaten einfach ausgeblendet – bis die Geschichte am Ende in einer spannenden Parallelmontage aufgelöst wird.

Die Ungewissheit macht einen großen Reiz des Films aus, der von einem großartigen jungen Ensemble getragen wird und vor allem durch seine Atmosphäre überzeugt. Aber keine Angst: Der wahre Schrecken kommt noch.
Herr_Kees
sah diesen Film im Metropol, Stuttgart

28.09.2018, 00:37


Spieglein, Spieglein, an der Wand...

von Alexander
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Das Erstlingswerk von Regisseur Sergio G. Sánchez hätte es meiner Meinung nach verdient gehabt, den Fresh-Blood Wettbewerb zu gewinnen, oder wenigstens auf einen der vorderen Plätze gewählt zu werden, fügt es doch dem „Geister“ und Mystery – Genre eine vorher so noch nicht erlebte Facette hinzu, die mich mehr als nur beeindruckt hat.

Dass man über einen Film im Vorfeld möglichst wenig wissen sollte, um sich nicht um Spaß und Überraschung zu bringen gilt für „Marrowbone“ doppelt. In diesem speziellen Fall war ich überglücklich wirklich nichts vom Film gehört oder gesehen zu haben, die Erwartungen waren nicht allzu hoch, die Überraschung über einen so guten Film dafür dann umso größer.

Was hat es damit auf sich, das im ganzen Haus „Marrowbone“ alle Spiegel entweder abgehängt oder verdeckt wurden? Warum ist eine Tür zugemauert? Was für eine Bedeutung hat der Fleck an der Decke? Wer Marrowbone schaut, wird mit vielen Fragen konfrontiert, aber auch mit einer fast märchenhaft anmutenden Geschichte über 4 Geschwister die abgeschieden der Zivilisation in einem einsamen, großen alten Haus leben und nicht gerne mit Menschen über ihre Vergangenheit zu sprechen scheinen.

Dass in diese Idylle der Ruhe und des Friedens doch vielleicht das Unheil einbrechen könnte wird immer wieder angedeutet, eine Spannung nur sehr langsam aufgebaut. Die Bedrohung des Friedens, die förmlich immer greifbarer wird, vermag auch durch die herrlichen Bilder weiter Landschaften, Wälder und Küstenstriche nicht zerstreut werden zu können.

Die Geschichte lebt aber nicht nur von ihren großartigen Bildern, sondern insbesondere den jungen Darstellern, die die von ihnen sehr unterschiedlich charakterisierten Kinder sehr feinstofflich und emotional darstellen.

Und auch wenn sich der Film sehr viel Zeit lässt seine Geschichte zu erzählen und die Kinder zu charakterisieren, so sind die Momente echter Spannung so grausig in Szene gesetzt, das man auch als abgebrühter Genrefan regelrecht zusammenzuckt. Dazu kommt eine hochemotionale Ebene, die einem einiges abverlangt. Ein noch erfahrener Regisseur hätte hier evtl. noch die ein oder andere Träne mehr beim Publikum herausgepresst, aber für sein Erstlingswerk hat Sánchez hier wirklich alles gegeben.
Alexander

27.10.2018, 14:51




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