„Who you‘re gonna call…?“von Herr_Kees | Permalink |
Airi arbeitet nachts nicht. Da hätten die Geister zu viel Macht, sagt sie. Gemeinsam mit ihrer Schwester Miku ist sie als reisende Geisterbeschwörerin unterwegs und ermöglicht spukenden Toten den Durchgang in die nächste Welt. Ach ja, Miku ist ebenfalls schon ein paar Jahre tot. Nur Airi kann sie sehen und mit ihr sprechen. In dem alten, geerbten Hotel von Teiko und ihrem Sohn Gunji treffen die beiden auf einen Spuk, der aus dem Muster fällt. Ihre routinierten Methoden funktionieren nicht und plötzlich müssen alle um ihr Leben fürchten. Dabei droht die größte Gefahr gar nicht aus dem Jenseits… Nimm das, INSIDIOUS! Dieser kleine, feine japanische Geisterfilm vom amerikanischen (!) Regisseur Dave Boyle zeigt, wie man einen wirklich unheimlichen Film hinbekommt, der einen zudem noch berührt. NEVER AFTER DARK beginnt leichtfüßig als Feelgood-Ghoststory, wird aber zunehmend bedrohlich, bis er schließlich sogar noch bei fiesem Bodyhorror ankommt. Dabei bleibt der Film trotz vertrautem Setting stets ungewöhnlich und kreativ. Allein das Ritual, mit dem Airi in die Geisterwelt abtaucht, ist ebenso simpel wie faszinierend. Eine echte Genreperle, die vom Mainstreamjumpscarespuk meilenweit entfernt ist und stattdessen mit einem intelligenten Script, echten Charakteren, spürbarer Atmosphäre und unheimlichem Horror durch langsame Kamerafahrten und Reveal Shots be-geistert. Wer Ti Wests THE INNKEEPERS mochte, sollte sich diesen Film nicht entgehen lassen. | |
sah diesen Film im Gloria 2, Stuttgart | 12.09.2026, 00:35 |
Die zauderhafte Zahnfeevon Leimbacher-Mario | Permalink |
„Never After Dark“ ist J-Horror mit einem westlicheren Vibe, wenn eine übernatürlich begabte Frau versucht, einer abgelegenen Pension zu helfen, die von einem creepy Geist heimgesucht scheint. Doch was sich dann kreuzt, verschachtelt und verspinnt, damit hatte selbst die engagierte Geisterjägerin nicht gerechnet… Ain't Afraid of mo' Ghosts Eine der positiven Überraschungen des bisherigen Festivaljahrgangs! „Never After Dark“ macht Spaß, macht Sinn, macht Angst. Und das alles in einer exzellenten Balance. Die westlichen Einflüsse des Regisseurs und Teilen des Produktionsteams sind nicht zu leugnen, gehen mit dem traditionellen J-Horror-Thema/-Setting aber außergewöhnlich gut Hand in Hand. Man spürt „Ju-On“ genauso wie „Insidious“, man merkt „Fatal Frame“ genauso wie „Shining“. Die Hauptfigur ist mutig und süß. Es gibt auch einen emotionalen Aufhänger, der zumindest nicht in's Leere läuft. Und das Ergebnis hat keine Längen, kaum Abnutzungserscheinungen und genug Wumms für jeden gelungenen Gruselabend. Eine Ausnahmeerscheinung! Da bleibt dir der Mund sperrangelweit offen stehen… Fazit: Rundum gelungene Geisterjägerfusion aus Ost und West. Spannend und versiert! | |
sah diesen Film im Residenz, Köln | 12.09.2026, 00:56 |
Geistreichvon D.S. | Permalink |
Airi ist berühmt. Zumindest in bestimmten Kreisen. Gemeinsam mit ihrer Schwester Miku zieht sie durch die japanischen Lande und macht überall Halt, wo Geister Menschen heimsuchen – um ihnen so empathisch wie resolut den Weg ins Jenseits zu weisen. Das Geheimnis ihres Erfolgs? Sie kann Geister sehen. Nicht zuletzt den, genau, ihrer Schwester, die schon lange tot ist. Und deshalb ganz besonderen Zugang zur Jenseitswelt und ihren Bewohner*innen hat. Der neueste „Fall“ stellt das ungleiche Schwesternpaar jedoch vor ungeahnte Probleme. Ein ehemaliges Hotel wird von einer besonders aggressiven, unzugänglichen Erscheinung belagert, die sich auf die bewährte Weise – ein Eintreten Airis in die Dimension der Geister, das jedoch niemals nach Einbruch der Dunkelheit geschehen darf! – nicht einmal ansprechen, geschweige denn vertreiben lässt. Als keine Maßnahme Wirkung zeigt, machen sich langsam Verzweiflung und schließlich Panik breit. Könnte dieser Geist am Ende zu stark, zu bösartig, zu bewusst unterwegs sein, um sich bezwingen zu lassen? Abgesehen von seiner gleichermaßen tempo- und spannungsreichen wie auch einfühlsamen Inszenierung, die ausreichend Zeit darauf verwendet, uns die Charaktere näherzubringen, besticht der mitunter wirklich gruselige Film durch einige ungewöhnliche Storyideen. Ohne zu spoilern lässt sich nur sagen, dass es NEVER AFTER DARK gelingt, dem mehr als bloß vertrauten Geister-/Geisterhaus-Genre ein paar tatsächlich originelle Ideen hinzuzufügen – darunter eine, die man als geradezu innovativ bezeichnen muss, da sie tradierte Erzählnormen sprengt. So mitreißend wie auch beängstigend und ungewöhnlich: Dave Boyles zunächst ausnehmend harmlos daherkommender Spukfilm erweist sich als äußerst effektiver, intensiver, auf ausgeleierte Klischees verzichtender Horrorfilm, dem ein großes Publikum zu wünschen ist. Definitiv eins der Highlights des diesjährigen Festivals. 7,5 von 10 Punkten. | |
sah diesen Film im Harmonie, Frankfurt | 02.10.2026, 00:41 |
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