Nightborn

Baumbart ist eifersüchtig auf Ron Weasley

von Leimbacher-Mario
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Irgendwo zwischen Larry Cohens „It's Alive“-Trilogie, „Border“ und „Szenen einer Ehe“ hat mich „Nightborn“ erstaunlich abgeholt - vielleicht weil ich auch noch gar nicht so lang Vater bin und man viele Dinge (selbstredend enorm überspitzt) doch wiedererkennt?! Jedenfalls dreht sich Hanna „Hatching“ Bergholms neuester Streich um ein Ehepaar und neue Eltern, die an ein sehr waldnahes Haus ziehen und dort ihren kleinen Babyjungen großziehen wollen - doch dies erweist sich als haarige Angelegenheit und zeigt von Geburt an ganz spezielle Eigenarten und Bedürfnisse…

Nordisch By Nature

Man merkt auch bei „Nightborn“, dass Bergholm weibliche Themen massiv am Herzen liegen. Und zum Glück kauft sie dem Thema nach „Babadook“ und „Nightbitch“ doch noch ein paar köstliche Gemeinheiten ab. Aber auch die „Papaseite“ kommt nicht zu kurz, wenn Rupert Grint zusammen mit seiner aufopferungsvollen Schauspielehefrau über die ein oder andere Grenze geht. Doch vor allem hat mich der Humor von „Nightborn“ positiv überrascht. Trocken, nordisch, düster. Auch mal trashig. Aber immer bewusst und mit Hintergedanken. Mal augenzwinkernd, mal bitter, mal böse, mal hysterisch lustig. Meistens irgendetwas entlarvend. Das hat mir gefallen, das bietet Abwechslung, das hat viele persönliche Druckpunkte gefunden, das muss man für seine Ehrlichkeit, Offenheit, Intimität, sein gelungenes Augenzwinkern größtenteils loben. Und das kann man als Elternteil erstaunlich nachvollziehen. Natürlich köstlich auf 11 gedreht. Die „Geschöpfe des Waldes“ sind weitere Highlights. Und allgemein wie hier mit Mutterschaft, Liebe, Ehe und Selbstlosigkeit umgegangen wird, wie tonal das alles doch irgendwie die Waage hält, ist schon klasse. Wer als Neueltern über diese verrückte Zeit also auch mal anders und freakiger lachen will, der ist hier richtig. Ich könnte mir aber schon vorstellen, dass der auch den ein oder anderen auf dem falschen Fuß erwischt.

Fazit: Spaßige, schwarzhumorige Elternsatire mit genug Erfahrung auf der Zunge und Wut im Bauch. Hat unterhalten und berührt!
Leimbacher-Mario
sah diesen Film im Residenz, Köln

18.04.2026, 20:44


Does he look like a Christian to you?

von die_Lachsschaumspeise
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"You think I’ll come over / I’ll give you my number
You love her, support her / Then give me a mother
You come take me home and / Take me to your doctor
You think you’ll come over / I think I’m a mother"

(PJ Harvey, "I Think I’m A Mother")

"Make me a mother!" haucht die junge Saga ihrem Ehemann Jon, der die Heimatstadt London verlassen hat, um gemeinsam mit ihr in das Holzhaus ihrer verstorbenen Großmutter inmitten der grünbeschatteten finnischen Wälder zu ziehen, eines Tages bei einem Waldspaziergang ins Ohr. Gesagt, getan. Doch wie mensch in den Wald hineinruft, so ruft es auch hinaus. Und hat Saga, nachdem schon der Geburtsvorgang nicht so ganz planmäßig und harmonisch verlief, alsbald heftige Probleme damit, den eigenen Nachwuchs anzunehmen, und aufzuziehen…

Anna Bergholms Zweitwerk "Yön Lapsi" (aka "Nightborn") handelt von den dunklen Seiten der Mutterschaft - Jenen problematisch belasteten Momenten, Empfindungen und Situationen, die allzu oft verschwiegen werden, wenn von angeblich ach so unbeschwertem Eltern- und Mutterglück die Rede ist, das nicht selten Fremdelnde, Schwierige, Unzumutbare, teilweise kaum Auszuhaltende beim Finden und Annehmen dieser neuen, nicht immer einfachen Rolle als Mütter und Väter, ja gelegentlich sogar Monströse und Schrecken verheißende, aber nur allzu gerne unterschlagen, und eben nicht thematisiert wird. Denn wer würde sich schon gerne als Rabenmutter, oder, vielleicht noch schlimmer, als Trollmutter, bezeichnen, und abstempeln lassen? Dass man / frau auch zum eigenen Kind erst einmal ein Verhältnis finden, und aufbauen muss, und die eigene Akzeptanz des fortan auch und oft genug zuallererst für den eigenen Sprössling Dasein-Müssens eben nicht einfach mal eben so vom Himmel fällt, sondern auch erarbeitet werden muss, und will, passt meist nicht in die Diskurse von der ach so glücklichen Familie. Und macht es jungen Müttern (und auch Vätern), die eben so empfinden, allzu oft viel zu schwer, mit ihren Problemen Gehör zu finden, und Hilfe zu erfahren. Aber auch die Figur des Monster-Babys ist natürlich (pun not intended, but gratefully taken) ein Topos, der beinahe schon so alt ist, wie das Horror-Kino selbst. Von "Rosemary’s Baby" und "It’s Alive", über "Eraserhead" und "The Brood", bis hin zu "Braindead", "Grace" und "Splice" - Die Idee von einem nimmersatten, immer quengelnden, vollkommen in Abhängigkeit begriffenen, aber darum auch beständig fordernden Wesen wie einem Kleinkind als einer Art Monstrosität ist eben auch eine durchaus naheliegende. Nun ließe sich ja nur allzu leicht einwenden, dass ebendieses Motiv längst schon bis aufs allerletzte i-Tüpfelchen auserzählt, und dem altbekannt-abgenudelten Narrativ nach Jahrzehnten der filmischen Auseinandersetzung damit kaum noch, bis eigentlich gar keine neuen Facetten abzugewinnen sind. Und in der Tat tut "Nightborn" das auch nicht, in keiner einzigen Sekunde. Im Gegenteil zitiert er seine offensichtlichen Vorbilder ein ums andere Mal - Cronenbergs "The Brood" und Polanskis "Rosemary’s Baby" ebenso, wie manche Bebilderungen des Natur-Horrors auch an Ali Abbasis "Border" und Lucky McKees tollen und zu Unrecht fast in Vergessenheit geratenen "The Woods" erinnern. Was den Streifen aber von vielen anderen "Monster-/-Mutter"-Epigon:Innen unterscheidet, und positiv hervorhebt, das sind seine selbstbewusste Chuzpe, sein unerschrockener Mut, seine energische Souveränität, sein lebensnaher Inszenierungs-Stil, und vor allem auch sein oftmals trocken-treffsicherer deadpan absurdist humour. Dazu hat er mit der furchtlos-phänomenal agierenden Seidi Haarla als ablehnend-mutterliebender Saga eine kongenial aufspielende Hauptdarstellerin, welche hier eine wahre tour de force an wirbelnd-widerstreitenden Emotionen und haarsträubend-abstrusen Situationen, durchleben, und darstellen muss … und das unfassbar bravourös-gekonnt, und unerschrocken-anrührend absolviert! Für mich nur ganz knapp hinter Imogen Poots' powerhouse performance in "The Chronology Of Water" die bislang beste von mir erlebte Leistung einer Schauspielerin in diesem bisherigen Kinojahr. Was Haarla hier für eine diverse Bandbreite an Gefühlen allein mit ihrer Mimik und Stimme abrufen, und ausstellen kann, das ist eigentlich gar nicht genug zu würdigen. Und ist allein fast schon das Eintrittsgeld für diesen horribel-Hämogobin-getränkten, entfremdend-eskalierenden, energisch-enervierenden, distanziert-deprimierenden Mutterschafts-Parcours wert. Aber auch Rupert Grint als hilfsbereit-bevormundender, hilflos-gefrusteter Ehegemahl ist ganz glanzvoll dabei, und mit Wonne bei seinem schauspielerischen Handwerk anzusehen. Kleine Spitzen, beklemmende Momente, trist-traurige Augenblicke, und verzweifelt-verlorene Konstellationen runden das Geschehen derart gut ab, dass ich tief angerührt war, Rotz und Wasser geheult habe, und nach dem Film bloß noch ein emotionales Wrack war. Mein absoluter Höhepunkt der diesjährigen Fantasy Filmfest Nights! Und jetzt schon einer der besten (Nicht nur-)Genre-Filme des Jahres für mich. Ein Streifen, nach dessen bewegend-berührendem Ende mensch am liebsten sogleich die eigene Mutter anrufen, und sie fragen möchte: "Du, sag mal … wie war das damals eigentlich bei mir, als ich noch ein kleines Baby war?"

Leider kann ich das meine eigene Mutter nicht mehr fragen, denn sie ist vor dreieinhalb Jahren schon nach einer schweren Krebs-Erkrankung verstorben.

Ich habe sie, IIRC, nie so wirklich nach den schweren Zeiten ihrer eigenen Mutterschaft gefragt. Wobei sie hier und da durchaus mal die eine oder andere Andeutung gemacht hat… aber nicht so, dass ich mir jetzt großartig Sorgen machen müsste. Zumal ich als Kind den Geschmack von Blut zwar durchaus "mochte". Den rubinroten Lebenssaft heute aber nicht mehr auf der Zunge schmecken mag, und mir inzwischen auch ein wenig schlecht davon wird. Immerhin…

Ansonsten gilt: Auf "Nightborn" und seinen ganz eigenen, unverwechselbar skandinavischen Touch von tiefdunklen Forsten voll knorrig-sinistrer Bäume, einsam verfallenden Holzhütten, aus deren Bodendielen unausrottbare Bäume wachsen, sowie seinen unbestimmbar-unentrinnbaren Charme von zu laut schreienden, zu stark behaarten Brutalo-Babies, und irrsinnig-getriebenen Müttern mit viel zu vielen eigenen Problemen, und seinen look von Tiefrot über Meergrün bis hin zu Borken-Graubraun und Nachtblau, muss mensch sich einlassen, und sich dem Film ganz und gar hingeben, mit Haut und Haaren, mit Herz und Verstand, mit Leib und Seele, und ihn vorbehaltlos universell so annehmen und lieben, wie er eben ist.

So, wie eine Mutter irgendwann eben auch ihr eigenes Kind.
die_Lachsschaumspeise
sah diesen Film im Savoy, Hamburg
 
26.04.2026, 16:05


Mutter werden ist (meist) nicht schwer, Mutter sein dagegen sehr!

von EleNoir
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Eigentlich überfliege ich die Filmbeschreibungen immer, gehe dann eben nur danach, ob mich die interessiert, oder nach den Untertiteln! Ist es ein sehr komplexer Film ohne engl. Untertitel, dann warte ich meist, da ich mit gesprochenem (ami-)englisch doch Probleme habe. Dass es hier auch dt. Untertitel gab, ist an mir vorbei. Das war ein "Zuckerl", aber nicht zwingend nötig. Für Nightborn hatte ich mir schon eine Karte gekauft, bis ich mitbekommen habe, dass es ein Film von Hanna Bergholm ist, deren "Hatching" mich damals wirklich vom Hocker gehauen hat! Jetzt hieß es für mich natürlich: Sich besonders drauf freuen, aber auch keine "Erwartungen" stellen...

Unnötig! Von Anfang an hat mich der Film gefesselt, und damit meine ich sogar die Videobotschaft von Frau Bergholm selber! Es fängt schon mit der "Hütte"?! an, ich war schockverliebt! Ob Hütte oder Wald, es zieht einen in den Bann.

Problem-Kinder kennt man ja schon zur Genüge, auch "Schrei-Kinder", Babadook, und: hier drängte sich bei mir anfangs ein Vergleich mit "We Need to Talk About Kevin" auf (der sicherlich nicht falsch liegt!) nur: Nightborn macht es dennoch total "anders"! Mir schoss auch "Border" in den Kopf, aber: alles "falsch"! Hanna schafft eine eigene Welt, eine die sicherlich viele Mütter kennen, verleugnen, daran wachsen oder halt auch mal nicht! Dazu immer wieder Szenen, bei denen ich echt von Herzen lachen musste! (so ist halt auch das Leben!).

Bei den Schauspielern gibt es nicht viel zu sagen: Durch die Bank klasse besetzt! Rupert Grint (!) meine Güte: bin ich schon alt, dass "er" jetzt erwachsen ist! Und definitiv seiner Potter-Rolle ENTwachsen. Super Leistung.

Der Film lebt u. a. auch von Situationskomik, die nie übertrieben ist, die sogar viele persönlich kennen! Und selbst wenn die Thematik ja eher Frauen betrifft, fanden auch männliche Festivalbesucher (mit denen ich immer rede) den Film einfach nur klasse!

Mein persönlicher "Liebling" ist allerdings die "Oma"! Derbe, fies und doch ... AUCH eine Mama!
Ich könnte hier noch Romane tippen, was hier alles "richtig" war, mache es aber kurz und knapp: Der Film ist einfach "rund"! Hier passt alles zusammen, fügt sich nahezu perfekt ineinander ob Schauspieler, Story, Set, Dialoge, Witz!

Und spontan einen "Klatscher" musste ich loslassen beim (evtl. Spoiler) "Ableben" des Mähroboters.
EleNoir
sah diesen Film im City, München

26.04.2026, 23:02


Nature versus Nurture

von Herr_Kees
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Geburt, Mutterschaft und postnatale Depression waren in den letzten Jahren beliebte Genrethemen, von SERVANT über NIGHTBITCH bis zu DIE MY LOVE. Hanna Bergholm, deren äußerst gelungenes Regiedebut HATCHING ebenfalls schon eine Art Mutterschafts-Creature Feature war, fügt dem Thema jetzt noch Motive aus dem finnischen Folkhorror hinzu: Wer sein Kind in den verwunschenen Wäldern Finnlands zeugt, braucht sich nicht wundern, wenn nach neun Monaten kein gewöhnliches Baby auf die Welt bringt, sondern eben – Kura, ein „Kind der Nacht“, so der Originaltitel.

Es kommt, wie es kommen muss, der Teufelsbraten schreit und schreit, will nachts nicht schlafen, verträgt kein Sonnenlicht und nuckelt beim Stillen, bis köstliches Blut kommt. Die Eltern kommen an den Rand der Verzweiflung und auch darüber hinaus. Mutter Saga wird von einer tollen, famos aufspielenden Seidi Haarla verkörpert, die bei uns noch weitgehend unbekannt ist, Papa Jon wird gespielt vom armen Rupert Grint, der es nach dem Wechselbalg in SERVANT jetzt schon wieder mit einer schwierigen Kindersituation zu tun bekommt und dieser auch hier nicht wirklich gewachsen ist.

Wie in jedem guten Horrorfilm wird das „Monster“ zunächst kaum gezeigt, je mehr man von „Kura“ sieht, desto mehr fallen leider die schlechten Computereffekte ins Gewicht, die auch im Finale nochmal massiv eingesetzt werden und immer wie Fremdkörper in einem ja eigentlich sehr naturbetonten Film wirken.

So ist NIGHTBORN ein solider Eintrag in einem Subgenre, zu dem er leider nur wenig Neues beizutragen hat. Es wäre wünschenswert, die Regisseurin würde sich für ihr nächstes Projekt wieder ein unverbrauchteres Thema vornehmen.
Herr_Kees
sah diesen Film im das Metropol, Stuttgart

26.04.2026, 23:49




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