Ein mörderischer Spätsommervon Herr_Kees | Permalink |
Die Schauspielerin Nina kehrt nach rund 30 Jahren aus Madrid in ihren Heimatort zurück. Im Gepäck hat sie eine Schrotflinte. Schnell wird klar, dass es einen Vorfall gab, unklar bleibt längere Zeit, was genau passierte und wer daran beteiligt war. Das Setting weckt unmittelbare Erinnerungen an den Isabelle Adjani-Thriller L‘ETE MEURTRIER von 1983, der Film basiert allerdings lose auf Tschechows „Die Möwe“. Dementsprechend ist NINA kein Rachethriller, nicht einmal ein „Slow Burner“, sondern eher ein tragisches Drama mit potenziell fatalem Ausgang. Auch ist Nina keine eiskalte Rächerin, sie ist spürbar traumatisiert von den Ereignissen, einzelne Orte und Personen triggern schreckliche Erinnerungen. In der Tat sind die Rückblenden in Ninas Vergangenheit äußerst unangenehm und lösen durch ihre realistische Darstellung mehr Unbehagen aus als so manche Schock- oder Gruselszene in anderen Filmen. Wer ein paar Spanisch-Grundkenntnisse hat, weiß, dass „niña“ eben auch Kind oder Mädchen heißt. Kurz vor dem Finale hat der Film einige Längen, wenn wir alle Puzzlestücke zusammengesetzt haben und nun auf die filmische Auflösung warten müssen. Das Ende jedoch ist emotional nochmal richtig stark – und so abrupt, dass es noch eine Weile nachwirkt. | |
sah diesen Film im das Metropol, Stuttgart | 17.09.2025, 12:08 |
Die Senora mit der Shotgunvon Leimbacher-Mario | Permalink |
„Nina“ ist ein klassischer europäischer, stilvoller, femininer Revenger über eine Frau, die nach Jahrzehnten aus Madrid zurückkehrt in ihr Kaff, um mit dem viel älteren Verehrer und Vergewaltiger aus ihrer Jugend im besten Fall den Boden aufzuwischen… Aber Rache bleibt ein kompliziertes Gericht - egal ob kalt oder heiß serviert… Eine Frau siebt rot Fiese, feine Thriller kann Spanien. Immer noch. Selbst wenn es in den letzten Jahren etwas stiller in und aus dieser Richtung geworden ist. Doch „Nina“ geht eh mehr in die Richtung exploitativer, dreckiger Rachethriller aus dem Euro-Grindhouse-Sud der 70er („Thriller - En grym film“), verleiht dieser schmutzigen Richtung jedoch ungemein mehr Stil, Ruhe und moralisches Dilemma denn je. Und auch mehr Entschleunigung, Exposition, Realismus. Das wird vielen - mir inklusive - etwas zu trocken, zu langsam, zu simpel sein. Er erzählt rein gar nichts Neues. Seine Sache bringt „Nina“ aber schon auf den Punkt. Mit einer intensiven Leading Lady, mit viel Wut im Bauch, mit einem echt fiesen Pedo, ungemütlicher Aura und einigen intensiven Parallelmontagen durch die Zeitepochen, da Schmerz und Trauma kein Alter kennen. Ich hätte mir jedoch nicht nur eine finale Richtungsentscheidung, ein Statement, einen Ausbruch gewünscht, sondern insgesamt einfach mehr Taten und weniger Brodeln. Aber diese Befriedigung gibt’s in der Realität wahrscheinlich auch leider viel zu selten… Daher: Thema getroffen. Umsetzung jedoch super nüchtern. Die Farbe der Liebe … der Triebe … der Hiebe Fazit: kompakter, kleiner, intimer Revenger. Sehr on point, sehr intensiv, sehr trocken. Mir zu minimalistisch. Ich bleibe lieber bei Exploitation à la „Ms .45“, wenn's um solche ekligen Themen geht. | |
sah diesen Film im Residenz, Köln | 24.09.2025, 01:31 |
Rache ist bittervon D.S. | Permalink |
Gerade mal 16 Jahre alt ist Nina, als sie Hals über Kopf ihre beschauliche Heimatstadt verlässt. Inzwischen erfolgreiche Schauspielerin in Madrid, kehrt sie drei Jahrzehnte später zurück. Angeblich nur, um das Grab ihres vor Kurzem verstorbenen Vaters zu besuchen. Doch das Jagdgewehr, mit dem sie zu Beginn des Films im strömenden Regen auf den Hinterkopf eines alten Mannes zielt, spricht eine andere Sprache … Während die Atmosphäre ab dem ersten Moment angespannt ist, erschließt sich der Plot von NINA erst nach und nach. Untermalt von einem herausragenden, düster dräuenden Score, kommt hier eine dunkle, mithilfe zahlreicher Rückblenden erzählte Rachegeschichte zum Vorschein, die es in sich hat. Insbesondere, da sie das Augenmerk nicht nur auf die Tat und den Täter lenkt, sondern auch darauf, was die Tat mit dem Opfer angerichtet hat - und darauf, inwieweit sich Mitwissende mitschuldig gemacht haben. In vielerlei Hinsicht inhaltlich also eher ein tiefschürfendes, bitteres Drama als ein klassischer Genrefilm, sorgt die spannungsvolle und stilsichere, manchmal fast ein wenig an Hitchcock erinnernde Inszenierung dafür, dass der Film auch als Thriller funktioniert. Und über den größten Teil seiner Laufzeit fesselt. 6,5 von 10 Punkten. | |
27.09.2025, 20:47 | |
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