Love hurts. Like hell.von D.S. | Permalink |
Was würdest du tun, wenn dein größter Wunschtraum wahr wird – und zum Albtraum mutiert? Für den jungen Bear klingt Selbstmord nach einer verdammt guten Idee. Dabei sollte er doch eigentlich glücklich sein: Schließlich hat sich sein ewiger Schwarm, seine süße Kollegin Nikki, endlich in ihn verliebt. Dumm nur, dass sie das nicht freiwillig getan hat. Und sie in ihrer Liebe zu ihm schnell gar nicht mehr süß ist. Im Gegenteil, sie entwickelt sich zu einem furchterregenden Monster. Woran Bear selbst schuld ist. Hat er doch einen scheinbar albernen Scherzartikel benutzt, der versprach, seinen Wunsch zur Realität zu machen: Nikki soll nichts auf der Welt so sehr lieben wie ihn. Voilà: Sie kennt fortan keinen anderen Lebenssinn mehr als Bear. Und das führt beide bald in eine gewalttätige Hölle … aus der es kein Kalenderspruch-Entkommen gibt. Obwohl er auf den ersten Blick als pechschwarze Satire daherkommt, ist OBSESSION einer der schmerzhaftesten Horrorfilme seit Langem. Curry Barker, bekannt durch seinen bösartigen YouTube-Hit MILK & SERIAL, liefert mit seinem Langfilm-Debüt einen der größten, gefeierten Hits der laufenden Festivalsaison ab. Ein auf den Kopf gestellter Liebesfilm, bei dem man sich wirklich unwohl fühlt und der mit ein paar gut platzierten, harten Splatter-Effekten glänzt; eine absurd komische Groteske, bei der einem der Mund offen bleibt – und ein fies treffender Kommentar auf die Incel-Kultur. Der klare Gewinner von Publikumspreis und Special Jury Award in Sitges 2025, für mich persönlich einer der besten Genrefilme des letzten Jahres. Der übrigens sehr von einer Festivalatmosphäre profitiert. In Sitges jedenfalls haben die Zuschauerreaktionen einen echten „Running Commentary“ zur Handlung erzeugt. 8 von 10 Punkten. | |
21.03.2026, 17:48 | |
Love Potion #Nein!von Leimbacher-Mario | Permalink |
„Obsession“ - Hollywoodstudiodebüt von YouTube-Sensation Curry Barker, womöglich größter Hype der Genresaison und verdammt starker Beziehungsschocker über einen schüchternen jungen Mann, der seinem großen Schwarm und dem gemeinsamen „Glück“ durch einen teuflischen Liebesgimmick auf die emotionalen Sprünge hilft. Und sich dabei eine liebestolle und höllisch hartnäckige Verfolgerin, Partnerin, Freundin anlacht, die in Zukunft sicher nicht nur seine Alpträume säumen wird… I Was (Not) Made For Loving You, Baby Natürlich merkt man auch „Obsession“ seine Einflüsse und sogar kleinen Hommagen an, von modernen Hits („It Follows“, „Smile“, „Talk To Me“) bis zu großen Klassikern („Der Exorzist“). Es gibt sogar eine klassische, empfehlenswerte „Twilight Zone“-Folge die inhaltlich grob deckungsgleich ist, selbstredend jedoch zahmer und klassischer. Doch trotzdem steht „Obsession“ kräftig, knochentrocken und konsequent genug auf eigenen Beinen, um in Zukunft vielleicht neben solchen Inspirationen auf Augenhöhe zu sein. Ja, so stark finde ich ihn! Die Gesichter sind frisch, vor allem Inde Navarrette spielt bizarr gut, creepy af und immer unangenehm offbeat. Manche ihrer Bewegungen müssen rückwärts laufen, anders kann ich mir das nicht erklären. Böses Mädchen! Die Schocks sitzen brutal, es gibt jetzt schon einen der rigorosesten Kills des Jahres. Die allgemeine Aura ist unheimlich ungemütlich, das Spiel mit Schatten und verdeckten Wahrheiten, sowohl haptisch wie metaphorisch, ist besonders gut und durchgehend spitzenklasse. Im Hintergrund bleibt minimales Worldbuilding dezent (rund um den „Make a Wish“-Riegel) und schielt lobenswert heutzutage fast überhaupt nicht auf Sequels. Der Humor ist tiefschwarz und das auf dem Papier eigentlich vorhersehbar-generische Thema „Sei vorsichtig was du dir wünschst!“ wird effektiv auf eine garstige Beziehungskiste ausgeweitet, die unbedingt dahin geht, wo es weh tut. Schicksal, Liebe, Glück kann man nicht erzwingen. Und wenn man es tut, wird es schmerzhaft. Und genau das ist „Obsession“. Absolut on point. Bitter und bissig. Obendrauf mit etwas zu sagen (Machtmissbrauch, Enge, Wunschdenken, Fremdbestimmung, Selbstbewusstsein). Und das mit Nachdruck. Dabei nie zu verkopft oder prätentiös. Man kann sich vielleicht an der Luschigkeit des Protagonisten stören bis aufhängen. Vielleicht hätten's auch 95 Minuten getan. Und in vielen „Schreiszenen“ versteht man vom ansonsten sensationellen Soundmix (beabsichtigt?) kaum etwas. Aber zum Großteil unterstützen selbst diese kleineren Kritikpunkte die akuten Themen und wunden Druckstellen, die Barker hier ganz bewusst setzt. „Obsession“ hat auch mich sehr weit in seinen Bann geschlagen. Gedrückt. Gezwungen. Gehämmert. Ich hab' dich zum Fressen gern! Fazit: Ein brillanter Beziehungsschocker. Gruselige Göttergattin. Verstörende Fremdbestimmung. Saftige Schicksalsstörung. Macht das für gewünschte Beziehungen und Schwärmereien, was „Jaws“ für Wasser gemacht hat. Einer der Horrortipps des Jahres und nach meiner bescheidenen Meinung ein zukünftiger Klassiker! | |
sah diesen Film im Residenz, Köln | 17.04.2026, 01:26 |
She followsvon Herr_Kees | Permalink |
Ian, Bear, Nikki und Sarah sind Arbeitskollegen und beste Freunde. Der schüchterne Bear (Michael Johnston, der hier ähnliche Vibes verströmt wie der kürzlich verstorbene „Xander“-Darsteller Nicholas Brandon aus BUFFY, nur mit breiterer schauspielerischer Range) ist verschossen in Nikki (bezaubernd: Inde Navarrette), traut sich aber nicht, es ihr zu gestehen und ggf. die Freundschaft zu riskieren. Halb im Spaß bricht er ein Wunschhölzchen entzwei, das er im örtlichen Eso-Spiri-Laden gekauft hat. Sein Wunsch: Nikki möge ihn so sehr lieben wie keinen anderen Menschen auf der Welt. Seit William W. Jacobs legendärer Horrorstory „The Monkey's Paw“ ist klar, dass ein solcher Wunsch in einem solchen Film nicht einfach in Erfüllung geht, sondern schreckliche Konsequenzen haben wird. Wie diese Konsequenzen aussehen können, wenn sie wirklich in die schlimmstmögliche Richtung gehen, zelebriert OBSESSION meisterhaft. Denn Nikki (ungeheuer creepy: Inde Navarrette) geht in ihrer Hingabe für Bear nun wirklich in die Vollen – der Weg von der „Obsession“ zur „Possession“ ist nicht weit. Autor, Regisseur, Produzent und gelegentlich (hier nicht) auch Schauspieler Curry Barker hat mit seinen Kurzfilmen auf Youtube einige Achtungserfolge hingelegt. Das Besondere an Barkers Genrearbeiten ist jedoch nicht der Shock Value, es sind die Charaktere, die er meist mit einem im Kern gleichbleibenden Ensemble von Freunden/Schauspielern besetzt. Barker-Regular Cooper Tomlinson ist als Ian auch wieder mit von der Partie. Auch in seinem Langfilmdebut schafft es Barker, eine glaubhafte Clique einzuführen, echte Typen mit einem gewinnenden Meta-Humor, die man sofort sympathisch findet, oder zumindest „echt“. Zuletzt gelangen solche Figuren wohl Kevin Smith in seinem Debut CLERKS. Das ist ein bedeutender Unterschied zu den Hollywoodstandards, insbesondere im Genrebereich, in dem die handelnden Figuren meist lediglich Klischees erfüllen und als Opfer dienen. Hier haben wir es mit Personen zu tun, für die man sich wirklich interessieren kann – und deren Schicksal daher um so schwerer schmerzt. Ein Vehikel wie das „One Wish Willow“-Stöckchen ist nichts anderes als der WISHMASTER oder die WHISTLE. Aber was Barker daraus macht und allein schon, wie er uns auf seine ganz spezielle Weise mit einem beiläufig geführten Telefonat Einblick in die „Mythologie“ dahinter gibt, das ist wirklich erfrischend – und beängstigend. Neuentdeckung Inde Navarrette liefert hier etwas ab, was man wohl „breakthrough role“ nennt. Auch wenn OBSESSION sehr von seinem Ensemble und seinen Dialogen lebt, entwickelt er sich bald zu einem richtig heftigen Horrorfilm, der nicht nur wirklich creepy, sondern auch psychologisch beunruhigend ist. Irgendwann ist man so gefesselt und verstört, dass einen selbst ein plötzlich aufleuchtendes und brummendes Handy im Film fast das Popcorn verschütten lässt. Vielen Dank an das extrem wirksame Sounddesign mit seinen dissonanten Synthietönen! Fazit: Indie-Slowburner auf Augenhöhe mit IT FOLLOWS, SMILE, TALK TO ME oder BRING HER BACK, der mit seinem Psycho-Horror aber nochmal deutlich tiefer geht, als man das von Hollywoodproduktionen gewohnt ist. | |
sah diesen Film im das Metropol, Stuttgart | 24.04.2026, 11:14 |
Spark in the middle and break in halfvon die_Lachsschaumspeise | Permalink |
"You are an obsession (You are an obsession) I cannot sleep (I cannot sleep) I am a possession (I am your possession) Unopened at your feet There’s no balance (There is no balance) No equality (No equality) Be still, I will not accept defeat (Be still, I will not accept defeat) I will have you, yes, I will have you I will find a way, and I will have you Like a butterfly, a wild butterfly I will collect you and capture you You are an obsession, you’re my obsession Who do you want me to be to make you sleep with me? You are an obsession, you’re my obsession Who do you want me to be to make you sleep with me?" (Animotion, "Obsession") "I’m the one without a soul I’m the one with this big fucking hole No new tale to tell / Twenty-six years, On my way to hell Gotta listen to your Big-time, Hard-line, Bad luck, Fist fuck Don’t think you’re having all the fun You know me, I hate everyone Wish there was something real / Wish there was something true Wish there was something real / In this world full of you" (Nine Inch Nails, "Wish" ) "Life was a willow and it bent right to your wind (Uuuh-Oooh) Head on the pillow, I could feel you sneaking in As if you were a mythical thing Like you were a trophy or a champion ring And there was one prize I’d cheat to win The more that you say / The less I know Wherever you stray / I follow I’m begging for you to take my hand Wreck my plans / That’s my man You know that my train could take you home Anywhere else is hollow I’m begging for you to take my hand Wreck my plans / That’s my man" (Taylor Swift, "Willow" ) "Remember how it used to be When the sun would fill up the sky Remember how we used to feel / Those days would never end Those days would never end Remember how it used to be / When the stars would fill the sky Remember how we used to dream Those nights would never end Those nights would never end It was the sweetness of your skin It was the hope of all we might have been That filled me with the hope to wish Impossible things To wish Impossible things / To wish Impossible things But now the sun shines cold / And all the sky is grey The stars are dimmed by clouds and tears And all I wish / Is gone away All I wish / Is gone away" (The Cure, "To Wish Impossible Things") Der schluffig-waschlappige, priemelig-introvertierte, mauerblümchenhaft-schüchterne Plattenladen-Angestellte Bear hat’s wirklich nicht leicht: Erst krepiert seine Katze Candy an einer Überdosis versehentlich gefressener, eigentlich ihm verschriebener Schlafmittel, dann ist er auch noch insgeheim in seine coole und bildschöne Arbeitskollegin Nikki verknallt, und bekommt es aber zu allem Überdruss doch partout nicht hin, irgendwie mit ihr anzubändeln oder ihr seine Zuneigung zu gestehen. Doch als er eines Abends auf der Suche nach einem Ersatz für Nikkis in den Abfluss gefallene Kristallkette einen Eso-Hippie-Laden betritt und dort ein obskures Kinderspielzeug aus den 1960ern namens "One Wish Willow" findet, welches den beim Zerbrechen des Weidenzweigs geäußerten Wunsch in Erfüllung zu gehen verspricht, da scheint sich urplötzlich Alles zu ändern. Denn kaum hat Bear den Wunsch getätigt, Nikki möge ihn doch fortan mehr lieben als Alles, und Alle, auf der Welt, da will ihm seine bis dahin so unerreichbar scheinende Angebetete auf einmal gar nicht mehr von der Seite weichen, und ist ihm von da an mit Haut und Haaren, Sein und Seele verfallen. Aber wie heißt es doch so schön: "Be careful what you wish for - It might just come true, and be too much for you…" Curry Barkers toxisch-traumatische, zwangsgesteuert-stalkerhafte Heteronomie-Beziehungs-Hölle und darkly humorous harassing horror dramedy "Obsession" war als Auftakt der diesjährigen FantasyFilmFest Nights perfekt gewählt… Ein mit jeder Menge (verdienter) Vorschusslorbeeren bedachter, sowohl von der Kritik als auch vom Publikum gleichermaßen wohlwollend aufgenommener crowdpleaser mit (leider immer noch) aktueller zeitgenössischer Thematik, der gerade auch im Kino ganz hervorragend funktioniert(e), und am besten auch genau da und dort gesehen werden sollte, mit seiner universell nachvollziehbaren Allerwelts-Ausgangslage und schlüssig-stringent erzählten Geschichte Niemande:n überforderte, in der Komplexität seiner Schlussfolgerungen und der narrativen Ausdifferenzierung seines Sujets aber hervorragend zum Weiterdenken und -diskutieren einlädt. Wobei aber weder Ausgangslage noch Narrativ des Streifens nun besonders originell, sondern im Gegenteil altbekannt, und schon oft gesehen sind. Was Barkers sophomore effort aber auszeichnet, und von seinen vielen Vorgänger:Innen unterscheidet und absetzt, sind seine effektiv-selbstbewusste, prägnant-pointierte Machart, und sein punktgenau-wirkungsvoller Inszenierungs-Stil. Stellt Euch die männlichen Allmachts-Phantasien aus Miike Takashis "Audition", garniert mit dem wish fulfillment ending in a hell of your own making aus Woody Allens "Match Point" und immer wieder aufgebrochen von den grausam-rücksichtslosen Gewaltakten aus dem bösen Zombie-Vergewaltigungs-Reißer "Deadgirl" vor. Ich weiß, wie verwegen-unausgegoren sich das lesen mag… Der Punkt ist aber: Es funktioniert dennoch ganz blendend! Oder besser geschrieben, eher schemenhaft in den Schatten liegend… Denn wie gekonnt-genial Barker und seine best boy- / lighting technician crew Evan Aurelio, Richer Barmada, Amir Ghani, Michael Maske und Jack Vazquez hier mit Licht und Schatten, Hell und Dunkel, Schemen, Schummerigkeit und Silhouetten spielen, und dadurch eine oft unglaublich dichte Atmosphäre und sinister-creepy Stimmung erzeugen, das ist schon die halbe Miete für die nervenzerrend-beklemmende Spannung und verängstigend-verstörende Unheimlichkeit, welche "Obsession" in seinen besten Augenblicken zu generieren vermag. Ein weiterer Gutteil davon geht dann wiederum aufs Konto des heftig-immersiven, dröhnend-donnernden Sound Designs, welches Dich selbst in Momenten, wo Du schon kurz vorher ganz genau weißt, was gleich kommen wird, dennoch bis ins Mark erschüttert, und Dir die Haare zu Berge stehen lässt. Was schon zu Beginn des Streifens sich einschleicht, und mir das In-den-Film-Finden in der ersten halben Stunde doch reichlich erschwerte, sodass ich schon befürchtete, dass ich an und mit "Obsession" wohl kaum wirklich Freude haben könnte. Wenn selbst an Stellen, die completely off sein sollen, die eingespielte Musik dann aber immer noch ein bisschen zu sehr off ist. Nach einer Weile gaben sich all diese leichten Eingewöhnungs-Schwierigkeiten dann aber, als ich nämlich realisierte, dass genau dieses Immer-Komplett-Neben-Der-Spur-Sein zum Programm des Films gehört. Wobei das oben angesprochene "Freude Haben" hier wohl ohnehin der falsche Ausdruck ist - denn trotz all seines bitterbösen, hundsgemeinen Humors und seiner total überkandidelt-übertriebenen Situationskomik lachte mensch hier die meiste Zeit nicht wegen, sondern oftmals trotz der dargestellten hanebüchen-wahnwitzigen Sachverhalte und durchgedreht-abstrusen "Liebes"-Verhältnisse. Denn selbstverständlich schildert diese Geschichte nicht etwa bloß "ein ganz normales alltägliches Problem", bzw. ist zwar die anfängliche Ausgangslage erst durchaus ein ebensolches … aber was "Obsession" und sein gemeingefährlich-unverantwortlich handelnder, egoman-selbstbezogener Protagonist daraus machen, das ist selbstschreibend lupenreine männliche Toxizität bis ins beinahe Unendliche multipliziert, beschreibt treffsicher-zielgenau das gemütskranke kindisch-unreife Wunschdenken (viel zu) vieler Incels und beziehungsunfähiger Männer, in deren Fantasien und Projektionen eine Frau sich ganz ihrem Willen unterzuordnen, zuvorderst und ausschließlich an ihren Wünschen und Bedürfnissen sich auszurichten und zu orientieren hat … um den unmöglich zu erbringenden Preis der permanenten Selbstverleugnung, der Aufgabe ihrer Autonomie, Selbstbestimmung und Individualität. Welch hohen Tribut diese fatalistisch-kapitulative Selbst-Negation de facto erfordert, und in welche Martyriums-gleiche Beziehungs-Tortur diese pseudo-romantische Pein letztendlich führt, schildert Barker ebenso folgerichtig, wie drastisch. Wenn Nikki autoaggressiv sich selbst schadet, so wie Bear ihr die ganze Zeit über psychisch schadet. Wenn sie abrupt schockhaft zu schreien, hemmungslos zu weinen, selbstvergessen-selbstverloren auf den Teppich zu pissen und zu scheißen beginnt. Wenn sie ihren Lover und Peiniger in Personal-Union eines Nachts anfleht, sie doch bitte zu töten, und somit aus diesem endlos scheinenden Leiden zu erlösen, er dafür aber, aller mittlerweile auch beim ihm vollzogenen Realisation der vollkommenen Untragbarkeit der gesamten Situation, dann einerseits zu willensschwach, und andererseits auch viel zu selbstbezogen ist. Wenn beinahe das gesamte soziale Umfeld der Beiden zwar mitbekommt, das hier etwas ganz und gar im Argen liegt, aber dennoch keine weiteren Schritte unternimmt, helfend zu intervenieren. Sondern bloß befremdet irritiert zum Großteil sich abwendet, und das Problem in seiner ganzen Tragweite, und die Misere in all ihrem Leid, Tragik und Schmerz verursachenden Wahn nicht wahrhaben will. Inde Navarrette ist einfach grandios als in psychische Fesseln geschlagene, unfreiwillig in Beziehungsketten gelegte, hilflos-verzweifelte, wahnhaft-irrlichternde Nikki, und switcht bravourös-fulminant zwischen zitternd-verängstigter Ohnmacht, schutzlos-willensgebrochenem Ausgeliefertsein, einschüchternd-manischer Verrücktheit und aufgekratzt-angriffslustigem Besessensein hin und her. Eine spektakuläre schauspielerische Glanzleistung, hinter welcher der ebenfalls toll agierende Michael Johnston als narzisstisch-gekränkter, möchtegern-omnipotenter, selbstsüchtig-unsicherer Schluffi Bear und die auch apart-beeindruckende Megan Lawless als Freundin mit secret crush on Bear dann doch etwas zurückstehen (müssen). "Obsession" spielt bei aller deutlich erkennbaren Limitiertheit seines Budgets und seiner Produktion(sumstände) seine Stärken gekonnt aus, weiß die wenigen vorhandenen Schwächen gekonnt zu kaschieren, bzw. sogar in Stärken umzumünzen, und geht unbeirrt seinen schmerzhaft-verstörenden Weg bis zum völlig vorhersehbaren, aber ebenso völlig konsequenten Ende. Welches traurig-folgerichtiger nicht sein könnte. Ganzgroßee Seh-Empfehlung, und geht möglichst nicht allein da rein. Sondern nehmt Euch Jemande:n mit, mit der:dem Ihr danach über das Gesehene diskutieren könnt. Es sei denn, Ihr habt selbst einen secret crush in Bezug auf diese Person. Und ich für meinen Teil bin heilfroh, dass es am Hamburger Steindamm keine Eso-Hippie-Läden gibt, die obskure Spielzeuge aus den 60ern verkaufen… Denn werweißs, vielleicht wäre ich am Ende doch noch der Versuchung erlegen, und hätte mir beim Brechen eines Weidenzweigs gewünscht, dass diese Fantasy FilmFest Nights niemals enden mögen. Und wäre dann wohl nie wieder aus dem "Savoy"-Kino herausgekommen… | |
sah diesen Film im Savoy, Hamburg | 26.04.2026, 15:19 |
Eine Leidenschaft die Leiden schafftvon Alexander | Permalink |
Ein Film der beginnt, wie ein harmloses Beziehungs-Dramödchen, sich nach relativ kurzer Laufzeit aber zu einer beinharten und bizarren Horror Tour-de-Force entwickelt, die einen überrascht und unter die Haut geht. Wie sich Hauptdarstellerin, Inde Navarette, hier die Seele aus dem Leib spielt, muss man gesehen haben. Ich habe selten eine Schauspielerin erlebt, die sich so komplett verausgabt und emotional auskotzt. Das war schon sehr einmalig. Ein ungewöhnlicher Film. Eine Art von subtiler, diabolischer Seelen-Vergewaltigung, wie man sie so wahrscheinlich noch nicht zuvor gesehen hat. Und einen Extra-Punkt gibt es dann noch für die wirklich neue, innovative, und ganz böse Idee. Was für eine herbe Überraschung dieser Film doch ist. Ein ultrabrutaler Knaller der auf einer nie dargesehener Schiene abfährt und dabei ein noch nie zuvor gesehenes, extrem scharfes Schwert direkt in das Hirn des überraschten Zuschauers sticht. Und das tat auch richtig weh. Denn dieser Film haut einem die Raupen aus der Nuss, tut weh, macht einen fertig. So muss guter Horror sein. Ich war sehr dankbar dafür. „Ich war einmal dem Atem des Drachen ausgesetzt, damit ein Mann eines Nachts mit einer Frau liegen konnte. Ich brauchte neun Monde, um mich zu erholen. Und das alles für diesen Wahnsinn namens "Liebe", diese verrückte Staupe, die Bettler und König gleichermaßen erschlägt. Nie wieder. Niemals.“ "Zauberer Merlin", in Excalibur (1981) „You are an obsession, you're my obsession Who do you want me to be to make you sleep with me? You are an obsession, you're my obsession Who do you want me to be to make you sleep with me?“ "OBSESSION", Animotion. 1983 | |
18.06.2026, 21:59 | |
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