Live and let livevon Herr_Kees | Permalink |
Natasha hat Schulden und Zahnschmerzen, ist permanent gereizt, kokst, trinkt, mag keine Hunde und arbeitet als Immobilienmaklerin. Nicht gerade die ideale Sympathieträgerin für einen Film. Aber da Natasha bei der Kreditaufnahme nicht gerade wählerisch war, trifft sie bald mit Typen zusammen, die noch größere Arschlöcher sind als sie. Und die zwingen sie nun, Babysitterin für ein Kidnappingopfer zu spielen – auch noch ausgerechnet ein Wettbewerber auf dem Immobilienmarkt. Als ihr die Situation über den Kopf wächst, macht sie sich in Londons Unterwelt auf die Suche nach einem alten Bekannten – dem „Viking“ (Mikael Persbrandt, der freundliche Klempner aus SEX EDUCATION). Gerard Johnsons Filme (TONY, HYENA) sind kleine dreckige Thriller, grobkörnig, aber visuell interessant, musikalisch untermalt von den düsteren Soundscapes seines Bruders Matt (aka The The). ODYSSEY reiht sich hier organisch ein. Polly Maberlys Performance ist sehr intensiv, die Kamera bleibt die meiste Zeit ganz eng an ihr, insbesondere die nervöse erste Hälfte mit ihren improvisiert wirkenden Dialogen und dem semi-dokumentarischen Stil ist so wirklich fesselnd, obwohl gar nicht viel passiert. Interessanterweise wird der Film deutlich schwächer, als seine Crimestory überhandnimmt. Es ist schlichtweg nicht nachvollziehbar, zu welchem Zweck die Entführung dienen soll, der Kipp-Punkt, zu dem sich Natasha veranlasst sieht, den Wikinger ins Spiel zu bringen, ist überhaupt nicht ausreichend motiviert und das unangemessen brutale Finale einfach nur unnötig und selbstzweckhaft. So verrückt es klingt, ODYSSEY wäre als reines Real Estate-Drama der bessere Film geworden. | |
sah diesen Film im das Metropol, Stuttgart | 12.09.2025, 00:06 |
Gepflegte Langeweile mit heftigem Endevon Giallorossa | Permalink |
Der Film kommt leider nur sehr langsam in die Gänge. Bis wirklich etwas passiert, sind 2/3 des Films vorüber. Leider ist die Protagonistin so unsympathisch, dass einem als Zuschauer kein Mitempfinden möglich ist. Der ominöse Wikinger wird erst von ihr nicht gefunden, dann liegt plötzlich ein Brief in ihrem Büro. Neben einigen Logiklöchern fehlt einfach auch das Tempo. Der Schlusskampf ist sehr blutig, reißt dann aber das Endergebnis nicht mehr raus. Daher leider nur unterdurchschnittlich. | |
sah diesen Film im Cinecitta', Nürnberg | 12.09.2025, 01:03 |
Ein trojanisches Pferdvon Leimbacher-Mario | Permalink |
Gerard Johnson ist ein stylischer, aber doch eigensinniger und betonharter Thrillerregisseur. Britisch, bitter, böse. Und auch mit seinem neuesten Unterweltkrimi macht er kaum Kompromisse oder Eingeständnisse Richtung Mainstream. „Odyssey“ erzählt von einer gebeutelten und recht unterkühlten, unsympathischen Immobilienmaklerin in London, die in die dortige Unterwelt abrutscht und diese (in einem unerwartet und etwas unverdienten Blutbad im Finale) quasi von innen filetiert… Viel Koks, wenig Genre „Odyssey“ wirkt teilweise wie eine bemühte Mischung aus sowas wie „American Psycho“, „Kill List“ und Johnsons sonstigem Output - die sich nur leider arg zieht und schwer aus dem Quark kommt. Da reißt's ein Massaker im Finish auch nicht mehr raus. Stylisch? Ohne Frage. Britisch? Yes! Bitter? Definitiv. Alles Merkmale von Johnson. Aber es nutzt sich in „Odyssey“ doch sehr schnell ab. Einen Film mit unsympathischen Figuren zu machen ist eben eine besondere Herausforderung, die hier oft nicht bestanden wird. Man leidet nicht wirklich mit. Man taucht nur mit, nie ein. Es ist moody, aber auch manisch. Man versteht das Genuschel oft schwer (auch durch eine absichtlich miese Tonmischung), die Befriedigung der Figuren am Ende wirkt unbefriedigend für den Zuschauer. Daher kann ich „Odyssey“ nicht empfehlen. Obwohl ich solche neo-noir'ischen, neongetränkten Teufelskreise eigentlich mag. „Odyssey“ verhält sich jedoch wie eine verstopfte Ketchupflasche direkt in deinen Schoß… Und so ließ sich noch nie gut Pommes essen! Flynn, die Unprofessionelle Fazit: Stilvoll und doch lange Zeit sehr redundant, trocken, kalt. Nuschelnd und unnahbar. Das hat mir Zugang und das letzte Fünkchen Sympathie geraubt. Mehr „Viking“ hätte es gebraucht… | |
sah diesen Film im Residenz, Köln | 20.09.2025, 22:21 |
Panic on the Streets of Londonvon D.S. | Permalink |
Du hattest einen schlechten Tag? Natasha Flynn hat eine Albtraum-Woche. Die fängt mit einem miesen Montag an, an dem ihr ein Weisheitszahn wohl nicht ganz fachgerecht gezogen, ihre Kreditkarte nicht zur Bezahlung der Folter akzeptiert, die Anzeige der aktuellen Immobilienangebote durch ihren Angestellten im tollen Makler-„Team“ ihrer Flynn Real Estate Agency nicht rechtzeitig aktualisiert wird. Und das ist erst der absolute Anfang einer Odyssey durch menschliche Abgründe … sowie einer Reise zu dem, worauf es im Leben wirklich ankommt. Oder im Sterben. Der Seele. Schon mit TONY und HYENA konnte Gerard Johnson beim FFF beeindrucken – sein neuer Film erweist sich als wieder dezidiert britischer, neongetünchter und von reichlich Kokain befeuerter Abstieg in die Londoner Unterwelt. Dabei will das zunächst gar nicht so wirken, ist Hauptfigur Natasha doch eine vordergründig gut integrierte, erfolgreiche Maklerin. Spätestens aber, als sie im Fußboden einer Schrottimmobilie ein riesiges Pentagramm entdeckt und in eine obskure Entführung hineingezogen wird, gleitet ihr Leben heftig ab … und eskaliert in ein extrem blutiges WTF?!-Finale. Auf den ersten Blick wirkt hier manches nicht ganz nachvollziehbar. Wenn Natasha eine so kontrollsüchtige Person ist, wie es durch die Handlung nahegelegt wird, warum leidet sie dann unter offensichtlich so großen Geldproblemen? Ist es nur die Lust am Kokain und Online-Pokern, die sie in die Bredouille gebracht hat? Oder lebt sie vielleicht viel eher ein Scheindasein, gaukelt ganz grundsätzlich allen ein erfolgreiches Business vor, das in Wirklichkeit längst zum Scheitern verdammt ist? Und was ist der Hintergrund ihrer Beziehung zum mythischen „The Viking“, nach dem sie in einer surrealen Sequenz in den verkommensten Spelunken von Camden Town sucht? ODYSSEY lässt vieles offen, gibt uns damit aber auch viel Freiraum zum Eintauchen in und Spekulieren über die Geschichte des Absturzes einer Person aus der gesicherten, gehobenen Mittelklasse in die Schattenseite des „schönen Lebens“, in den Ausguss des Alltags, in den hysterischen Zustand einer Existenz, in der man nichts mehr zu verlieren hat. Eine filmgewordene Panikattacke. Fesselnd inszeniert, hypnotisierend, bedrückend. „Nur“ 7 Punkte – der etwas zu ausufernden Einleitung wegen. | |
sah diesen Film im Harmonie, Frankfurt | 21.09.2025, 01:34 |
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