Die unendliche Geschichtevon Herr_Kees | Permalink |
Es ist kompliziert: Göttliche „Constellations“, filmisch repräsentiert durch bunte Fleckenansammlungen im Universum, bestrafen aus unspezifischen Gründen die Menschheit, indem sie ihnen SQUID GAME-artige Überlebensaufgaben stellen (töte ein lebendes Wesen im Raum o. ä.). Die gottgleichen Wesen kommunizieren über „Dokkaebi“-Goblins mit den Menschen, kleine schwebende animierte Figürchen mit Bubbletea-Bäuchen, die als Moderatoren der Spiele fungieren und auch über Shops verfügen, in denen die „Spieler“ für erlangte Credits Upgrades, Waffen und Zeugs erwerben können – In-Game-Käufe möglich. Ziel des „Spiels“ ist es, alle „Szenarien“ zu klären und die entsprechenden Endbosse zu besiegen. Rundenbasiertes RPG als göttliche Strafe. Und gar nicht mal so besonders neu: Neben der erwähnten Netflixshow zeigt die Story deutliche Parallelen zu Takashi Miikes AS THE GODS WILL von 2014 auf. Nun findet diese komplette Welt jedoch nicht in einem Game, sondern in einer Webnovel statt (auf einer solchen basiert auch der Film). Kim Dok-ja ist der letzte verbliebene Leser dieser Story und kritisiert den (anonymen) Autoren, woraufhin dieser ihm die Gelegenheit gibt, die Geschichte umzuschreiben – Dok-ja wird in die Fantasiewelt katapultiert. Der „allwissende Leser“ besitzt dabei quasi die Superkraft der „Prophecy“ (daher der Titel): Da er als einziger den kompletten Roman gelesen hat, weiß er, was passieren wird und wie man einzelne Szenarien lösen kann (siehe auch SQUID GAME Staffel 3). Das klingt etwas nach Michael Ende, sieht aber eher aus wie Zack Snyder: Alles sehr dramatisch, alles sehr over the top, einiges in Zeitlupe. Der Film gibt von Anfang an Vollgas, wirft uns mit dem Protagonisten in das Spiel/den Roman und konfrontiert uns gleich mit den tödlichen Runden, in denen Kim Dok-ja und seine anwachsende Truppe von Mitspielern (natürlich alle mit Spezialfähigkeiten) gegen die immergleichen mittelgroßen sowie ein paar ausgewachsene Boss-Monster bestehen und sich auch gegen ihre bösartigen und raffgierigen Mitmenschen behaupten müssen. Wer stirbt, verliert Coins, mit Coins kann man sich Fähigkeiten kaufen, mit Fähigkeiten überlebt man länger. Bitte werfen Sie eine Münze ein. Die Kämpfe sind teilweise schön spektakulär inszeniert, lassen sich jedoch nur genießen, wenn man keine ausgeprägte CGI-Aversion hat, denn hier ist alles durch und durch künstlich. Aber im Gegensatz zu vielen anderen ähnlich gelagerten Werken funktioniert der Eye-Candy hier ganz gut, dafür sorgen immer neue Level und Einfälle, Gamer kommen auf ihre Kosten, wenn Kim Dok-ja beispielsweise Coins grinden muss, um die entscheidende Waffe für den Endgegner kaufen zu können. Und manchmal, ganz manchmal, entwickelt dieses Gaga-CGI-Spektakel auch den Charme des frühen Hongkong-Superheldenkinos der Marke HEROIC TRIO oder SAVIOUR OF THE SOUL. Obwohl die zweistündige Fantasyexplosion reichlich ermüdend wirkt, würde man am Ende glatt nochmal ein paar Credits spendieren, um eine Fortsetzung zu sehen. Die steht allerdings aktuell noch in den Sternen (bei den „Constellations“), weil wohl die Fans der Vorlage mal wieder nicht happy mit den kreativen Freiheiten der Filmemacher waren. Aber vielleicht lässt sich ein Sequel ja bald kostengünstig mit KI erstellen. | |
sah diesen Film im das Metropol, Stuttgart | 11.09.2025, 12:27 |
Koreanisches Popcorn, aufgeblasenvon D.S. | Permalink |
Kim Dokja weiß Bescheid – als Einziger. Und ohne zu ahnen, dass sein Wissen ihn zum potenziellen Retter der Erde machen soll. Der junge Mann hat seit dem Erscheinungstag jede Folge der Web-Novel „Three Ways to Survive the Apocalypse“ verschlungen. Heute ist er der letzte verbliebene Leser der einst wahnsinnig beliebten, inzwischen aber der Bedeutungslosigkeit anheimgefallenen Story, die sich um den Weltuntergang dreht: Gottähnliche Wesen aus fernen Galaxien, die sogenannten Constellations, wollen die Menschheit bestrafen, weil unsere Natur eine boshafte ist. Und weil es, klar, gute Unterhaltung verspricht. Also erwecken sie Unmengen mythischer Monster aus den Tiefen der Ozeane zum Leben oder schicken sie durch Portale in unsere Dimension, um mit der Warmblutbrut aufzuräumen. Nur ein Held kann uns jetzt noch retten – dessen Geschichte der Roman erzählt. So weit, so gut, aber Dokja ist von deren Ausgang enttäuscht, weshalb er sich per E-Mail beim Autor beschwert. Der antwortet direkt und maximal kryptisch: Er soll selbst für ein neues Ende sorgen. Schnell versteht er, wie das gemeint ist. Denn plötzlich wird alles, was er zuvor gelesen hat, zur Realität. Finstere Kreaturen attackieren Korea, den Überlebenden werden unmenschliche Aufgaben gestellt (die mitunter an SQUID GAME erinnern), die Apokalypse steht unmittelbar bevor. Wird es dem „allwissenden Leser“ gelingen, die Geschichte umzuschreiben und uns zu retten? OMNISCIENT READER ist ein Phänomen. Die zwischen 2018 und 2020 im Internet veröffentlichte Erzählung konnte nach eineinhalb Jahren bereits über 26 Millionen Abrufe verzeichnen, wurde in gedruckter Form weltweit zum Bestseller sowie als Webtoon umgesetzt. Die Realverfilmung, der noch vier weitere Teile folgen sollen, präsentiert sich als lauter und spektakulärer Sci-Fi-Fantasy-Blockbuster, der sich allerdings ziemlich eindeutig an ein Teenie-Publikum richtet. Man sollte ein entsprechendes Level an Tiefgang und Storyintelligenz erwarten. Nachdem der Anfang des Films noch mit einem gewissen Maß an bösem Humor, Überraschungen und vor allem Tempo aufwartet, zieht sich das Geschehen spätestens ab der Mitte jedoch ganz schön. Es macht es nicht besser, dass sich fast die komplette Handlung dann auch nur noch in tristen U-Bahn-Stationen abspielt. Besonders negativ fällt jedoch die blamable CGI-Ästhetik ins Gewicht. Sämtliche Monster – und von denen gibt es viele – sehen ausnehmend hässlich und „billig“ aus. Wenn man das Hirn abschaltet und sich von der Action benebeln lässt, kann man hiermit dennoch eine halbwegs okaye Zeit haben. Ob es allerdings wirklich noch vier Fortsetzungen braucht, darf bezweifelt werden. Der ausgebliebene Erfolg an Koreas Kinokassen könnte diesen Plan ohnehin beerdigt haben. Wir werden sehen. 6 Punkte von mir. | |
sah diesen Film im Harmonie, Frankfurt | 18.09.2025, 01:36 |
Solo Cheatingvon Leimbacher-Mario | Permalink |
„Omniscient Reader: The Prophecy“ ist Zungenbrecher, koreanischer Blockbuster, Boxofficeflop, (un)möglicher Franchisestart und (Fans verärgernde) Webnovel-Verfilmung in einem - über den (unzufriedenen) Leser eines Internetmangas voller Helden und Monster, der plötzlich wahr wird und seine Welt auf den Kopf stellt, da er der Einzige ist in diesem Ausnahmezustand, der weiß wie es laut intensiv gelesener Vorlage und eigenem Fansein weitergeht… Last Imagination XVII Von „Omniscient Reader“ hatten sich bestimmt einige mehr versprochen. Allen voran die Fans der Webtoon-Vorlage, der dieser Film nicht gerecht wird, sie wahrhaft bis frech verfehlt. Doch taugt diese teure K-Produktion immerhin für Leute, die neu zu diesem Stoff kommen? Für unbescholtenere Gamer, Mangafans und Animeheads? Teilweise, würde ich behaupten. Einige nette Metaspielereien und Videospielverweise sind fein und spaßig. Es gibt massig hübsche koreanische Menschen zu bestaunen. Es kracht an vielen Ecken und Enden. Und die dargestellte Welt samt einiger Layer bzw. Schichten macht zumindest neugierig. Da ist noch vieles möglich. Und trotzdem komme ich nicht umher, diesem asiatisch-artifiziellen Möchtegern-Blockbuster ein nicht kleinzuredendes Maß an Seelenlosigkeit, Sinnlosigkeit, Hässlichkeit und Dummheit anzuhängen. Denn egal, ob es suboptimale bis schlechte CGI, wenige, eintönige Schauplätze (die komplette zweite Hälfte spielt in der U-Bahn!), seltsame Schnitte samt Problemlösungen oder klischeehafte Figuren sind - so richtig rund läuft's zwischen mir und „Omniscient Reader“ nicht. Tonal tollpatschig. Dazu gefühlt nur Teil von etwas viel Größerem. Und durch sein Augenzwinkern und den videospielartigen Umgang mit sich selbst, dem Zuschauer, all seinen bunten Komponenten meist für mich gefühlt ohne echte Fallhöhe. Daher cheesy, aufgeblähtes Entertainment eher für den hohlen Zahn. Nie mies, zumindest wenn man die Vorlage nicht kennt oder ignoriert - aber auch nie wirklich gut. Phoenixfeder Down Fazit: Für Gamer mit einigen spektakulären Schmunzlern und Schmankerln. Für Fans der Vorlage ein Schlag ins Gesicht. Und insgesamt für mich eher „Genshin Impact“ als „Final Fantasy“ - was definitiv kein Kompliment ist! | |
sah diesen Film im Residenz, Köln | 18.09.2025, 02:43 |
Jetzt anmelden oder registrieren um diesen Film zu bewerten
|
Weitere Informationen (externe Links): | |||||||||||||||||||||
| |||||||||||||||||||||