crazy

La Pietà

Die Angst vor der Freiheit

von Leimbacher-Mario
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Was ist pink und lässt nicht los?
Was presst dich schmerzhaft aus ihrem Schoß?

Die Mama, die Mama, die Mama macht das schon!
Schließlich bin ich doch nur ihr kleiner, kranker Klon.

Wir baden und küssen, wir trennen uns nicht,
wenn du böses denkst, bist du ein fieser Wicht!

Dieses Mal zwar keine Arschgesichter,
dennoch war der Mainstream bei der Entstehung auch hier sicher nicht da.

Parallelen zwischen Diktaturen und dem Heim,
wenn die Mutter erstickt jeden sprießenden Drang bitter im Keim.

Kunst und Style, aber alles andere als ohne Sinn,
kommt für mich die Gleichung dennoch nicht ganz hin.

Flotte, künstliche und bizarre 80 Minuten sind's nichtsdestotrotz,
jedoch nur die Nordkoreaner haben hier geheult, Wasser und Rotz.

Ekel und Ideen, Fluffigkeit und Perversitäten,
will sich kein Arthousefan hier verspäten.

Eine Torte gefüllt mit Schimmel und Blut,
tut eine solche frische Brise im Filmalltag schon mal gut.

Das Erstlingswerk „Pieles“ gab mir auf Netflix allerdings mehr,
audiovisuell geben beide aber ordentlich was her.

Für mich wär's wohl eher was für das Kurzfilmprogramm,
selbst wenn man bei einem solchen Querschläger schnell mal weit auseinander liegen kann.

Fazit: Kreativ, anders, pink, rosa, mint - viele WTF?!s, einige nette Einfälle, spürbar persönliche Themen, Parallelen, Allegorien … und Macarena Gomez. Der Regisseur hat definitiv seine Nische und Vision. Dennoch: reicht mir nur bedingt für einen „Langfilm“ - obwohl er immerhin recht kurz geraten ist!
Leimbacher-Mario
sah diesen Film im Residenz, Köln

20.09.2022, 02:03


Vater, Mutter, Spinnt

von D.S.
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2011. Seltsame Menschen machen in einer artifiziellen, rosagetränkten Welt seltsame Sachen, während in Nordkorea Kim Jong-il ein Einhorn fängt und sein Volk mit vergifteten Erdbeeren umbringt. LA PIETÀ ist zur Hälfte die bildgewordene Skurrilität, voll mit irritierend „unnormalen“ Figuren, deren Handeln rational kaum nachvollziehbar scheint, und zur Hälfte bedrückend schmerzhaftes Drama über die Exzesse eines Münchhausen-Stellvertretersyndroms, bei dem eine Mutter (Ángela Molina, LIVE FLESH) ihren Sohn in totaler Abhängigkeit von ihr selbst zu halten versucht – und dafür sogar ohne mit der Wimper zu zucken in Kauf nimmt, dass er in einen lebensbedrohlichen Gesundheitszustand verfällt, denn so kann sie sich mit Fug und Recht weiter um ihn kümmern und stolz einen Sinn in ihrem Leben verspüren. Wobei, vielleicht geht es hier auch um gegenseitige Abhängigkeit, eine nicht nur bizarr, sondern sogar inzestuös anmutende Mutter-Sohn-Beziehung, die sich durch gegenseitige Hassliebe und den Wunsch nach Geborgenheit vor der mit Verantwortungspflichten drohenden Außenwelt speist.

In jedem Fall hat Eduardo Casanovas zweiter Langfilm (der in einer sehr lustigen „Cornflakes“-Szene am Rande die Idee seines Kurzfilms EAT MY SHIT aufgreift) eine Menge Tiefgang zu bieten. Um sich diesen zu erschließen, muss man sich allerdings durch viel Geschrei, noch mehr Hässlichkeit und ganz generell unglaublich fordernde Bildinhalte kämpfen. LA PIETÀ ist zweifellos künstlerisch wertvoll und stilistisch überaus beeindruckend, aber auch sehr, sehr anstrengend. Trotz großem Respekt für die filmische Version des Regisseurs und ihre Umsetzung, für die ich 5,5 von 10 Punkten vergebe: Meins war das leider absolut nicht.
D.S.
sah diesen Film im Harmonie, Frankfurt

25.09.2022, 01:38


Revenge of the Pink Partner

von Herr_Kees
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Ein Alptraum in weichgezeichnetem Pastell: Libertad hat eine ungewöhnlich enge Beziehung zu ihrem erwachsenen Sohn Mateo. Die beiden leben zusammen in ihrer riesigen Wohnung aus schwarzem Marmor und rosa Intérieur, sie schlafen im selben Bett, sie schneidet ihm die Fußnägel, sie erbrechen sich gleichzeitig und jeder Schritt ohne sie schmerzt ihn körperlich. Als Mateo an Krebs erkrankt, überträgt sie ihre Besitzansprüche auch auf die Krankheit. Parallel entdeckt man in Nordkorea ein Einhorn und vergiftet die Bevölkerung.

Auch in seinem zweiten Film spart Eduardo Casanova nicht mit Shock Value: Wir sehen nackte Alte, werden im POV von einer Frau angepinkelt, werden Zeuge einer Gehirnoperation und einer krassen (Wieder-)Geburt. Doch im Vergleich zu seinem Debut PIELES hat Casanova den Weirdness-Faktor deutlich heruntergefahren (auch wenn es hier einen winzigen „Cameo-Auftritt“ einer Figur daraus gibt). LA PIEDAD (ursprünglich die Darstellung der um Jesus trauernden Maria) ist weniger episodisch angelegt und könnte vom Inhalt her fast als extremes Almodóvar-Melodram durchgehen, das in einen Eimer rosa Farbe gefallen ist.

Die Parallelschwenks nach Nordkorea irritieren etwas, offensichtlich sollen sie die Darstellung der totalitären Abhängigkeit aufgreifen und über das Bild der Diktatur dramatisieren. Vielleicht dienen sie aber auch nur dazu, die eigentliche Geschichte halbwegs auf die Länge eines Spielfilms (80 min.) zu strecken. Als längerer Kurzfilm hätte Casanovas Pièta allerdings besser funktioniert.
Herr_Kees

27.03.2026, 17:14




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