Prison 77

Schwedische Gardinen waren in Spanien härter

von Leimbacher-Mario
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„Prison 77“ erzählt inspiriert von den wahren Aufständen, Ausbrüchen und Aktionen in den Gefängnissen Spaniens ab Mitte der 70er, ab dem offiziellen Ende der „Regierung Franco“, von einem jungen Häftling, dem anfangs ein viel größerer Raub angehangen wird als er eigentlich begangen hat und der dann im unfassbar dreckigen und unmenschlichen Knast immer politisch sowie menschlich engagierter wird, unter großen persönlichen Opfern und Qualen dazu beiträgt, dass die Haftumstände deutlich besser und weniger diktatorisch geprägt werden…

Spain'shank Redemption

Ein Teil von mir fragt sich bei solchen Filmen immer, warum sie auf dem Fantasy Filmfest laufen. Ein anderer Teil könnte aber immer kaum froher und glücklicher über genau diesen Fakt sein, gehören solche knallharten, realistischen Thriller und Dramen doch oft zum (so objektiv wie möglich gesehen) Besten, was dort läuft. „Prison 77“ beweist dies einmal mehr. Visuell trist und hübsch zugleich, punktend mit einem „Haus des Geldes“-Star und -Sympathieträger, dazu noch drohende Synthies und Sonnenuntergänge durch die Gitterstäbe, als ob die 80er am Horizont gleichzeitig Freiheit sowie Gefahr brummen. Knastklischees und typische Muster werden abgehakt, die Laufzeit hetzt sich mit über zwei Stunden absolut nicht, es wird viel geknüppelt, gequält, getuschelt und gelitten. Sogar Nebenfiguren wachsen einem ans Herz. Gegen Ende gibt’s einige Gedanken an „The Great Escape“. Alles wirkt authentisch und wie drin gelebt. Hoffnung und Freiheit sind immer zum Greifen nah und doch so weit weg. Man fiebert mit, dazu braucht man gar nicht allzu viel Wissen über Politik und Zeitepoche. Da schimmern immer ganz universelle und menschliche Themen durch. „Prison 77“ ist ein typischer spanischer Qualitätsfilm - wovon es aus den letzten Jahren konstant und bewundernswert viele gibt!

Fazit: Sehr wertiges, politisches und schmerzhaftes Knastdrama über die nur zaghaft bis gar nicht sterbenden Arme der Franco-Diktatur - gekonnt in großer Tradition von „Papillon“ und „Un Prophete“!
Leimbacher-Mario
sah diesen Film im Residenz, Köln

05.02.2023, 02:46


Amnistia! Libertad!

von Herr_Kees
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Spanien 1975, kurz nach General Francos Tod. Der junge Buchhalter Manuel kommt aufgrund falscher Anschuldigungen ins Gefängnis und erlebt dort einen Alptraum von willkürlicher Gewalt, Diskriminierung und Korruption – und wir mit ihm.

Das Regime Francos ist mit dessen Tod zwar beendet, doch das Ende der Diktatur ist noch längst nicht in den Gefängnissen angekommen. Und so handelt Alberto Rodriguez’ Film weniger von den Kämpfen der Häftlinge untereinander, sondern rückt vielmehr den großen Kampf gegen das System in den Mittelpunkt. Das Ergebnis ist ein ungewöhnlicher Gefängnisfilm, der auf wahren Begebenheiten beruht und dadurch um so dramatischer und – mit den zunehmend scheiternden Versuchen, die Aufmerksamkeit der Außenwelt zu erregen, um Rechte oder gar eine Amnestie für die zahlreichen vor allem politischen Gefangenen zu erwirken – auch immer frustrierender.

Sieht man am Ende zum Abspann die realen Bilder aus dem Gefängnis (Rodriguez konnte am Originalschauplatz drehen) wirkt der Film sogar vergleichsweise harmlos und der Eindruck der realen Verhältnisse wirkt noch lange nach.
Herr_Kees
sah diesen Film im EM, Stuttgart

07.02.2023, 15:39




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