crazy

Mirrors

Scherben bringen Unglück...

von D.S.
...ist natürlich ein naheliegender Titel für ein Review zu einem Film, der sich um aus Spiegeln kommenden Horror dreht. Daneben ist es aber auch mein unfrommer Wunsch für die Zukunft von Alexandre Aja und allen sonstigen Verantwortlichen für dieses miese, kraftlose, überflüssige Schema-F-Remake eines selbst schon nicht besonders aufregenden koreanischen Films.

Das Kino war sehr gut gefüllt, darunter eine deutlich größere Zahl an "normalen" Kinogängern als sonst beim Festival üblich. Möglich, dass sie vom Namen Kiefer Sutherland angezogen wurden oder von der schon angelaufenen Vermarktungsmaschinerie für den regulären deutschen Kinostart des Films am 30.10. - wie auch immer, sie waren genau das richtige Publikum für einen weiteren Hollywood-Horrorstreifen von der Stange, der in jeder Hinsicht auf Nummer sicher geht, kaum ein Klischee auslässt, sogar eine gewisse Zahl an Peinlichkeiten aufweisen kann und streckenweise zum echten Ärgernis wird. Aber dafür ein paar wenige funktionierende Schockmomente, eine etwas blutigere Szene,
hervorragendes Setdesign und generell hohe Production Values sowie eine routinierte Narration besitzt. Der also sämtliche Mainstream-Erwartungen in Perfektion bedient und deshalb ziemlich sicher bei vielen Zuschauern scoren dürfte.

Für viele Festivalbesucher kann er hingegen eine ziemliche Enttäuschung darstellen, für mich tat er es jedenfalls. Und hier nicht einmal nur, wenn man ihn mit dem Original vergleicht, im Gegensatz etwa zu "The Strangers" (ok, der ist kein wirkliches Remake, aber trotzdem). Nein, "Mirrors" versagt in weiten Teilen auch ganz für sich allein betrachtet. Denn er ist so unglaublich vorhersehbar und mit allen scheinbaren Pflichtbestandteilen amerikanischer Massenfilme gefüllt, von nervigen Ehestreitigkeiten über die x-fache Versicherung, dass die Familie das Wichtigste überhaupt darstellt bis hin zur Entwicklung der Charaktere...

...die aber hier in einem entscheidenden Punkt nicht mal funktioniert und schon zu einer der Peinlichkeiten von "Mirrors" hinführt: ich schätze Kiefer Sutherland sehr. Aber er ist mittlerweile offensichtlich wirklich in "24" hineingewachsen. Jedenfalls tritt er in einigen Szenen des Films so extrem wie "Jack Bauer" auf, dass das Kino aus dem Lachen kaum mehr herauskam. Aber selbst, wer die Serie nicht kennt, wird feststellen, dass einige Verhaltensweisen bzw. vor allem Ausrufe unseres Helden im Rahmen DIESER Story deutlich übertrieben wirkten. Für Fans der Serie aber gibt es noch ein weiteres Problem: seine Figur soll im ersten Drittel des Films wachsende Irritation, Zweifel am eigenen Geisteszustand und dann sogar Panik vermitteln. Das kann man diesem Darsteller nach sechs Staffeln "24" aber tatsächlich nur noch ganz schwer abnehmen. Dass alle Zweifel und Ängste seiner Figur ab spätestens der Hälfte des Films wie weggeblasen sind und er nur noch zielstrebig, kämpferisch unterwegs ist, macht das Ganze in Sachen Glaubwürdigkeit nicht besser.

Und das ist fatal, denn die Story handelt schließlich - wie das bei Geisterfilmen nun mal so ist - vom immer massiveren Auftreten übersinnlicher, hier sehr unfreundlicher Phänomene in der normalen Welt; von einer Vermischung aus scheinbarer Halluzination und Realität, vom Wegziehen des Bodens der Naturgesetze und dem Kampf gegen das Irrationale. Ein ganz offensichtlich mit beiden Beinen in der Vernunftwelt stehender Charakter könnte dem Drama dabei zwar theoretisch einiges an Tiefe verleihen: wenn seine innere Auseinandersetzung mit seinem eigenen Glauben und Wissen thematisiert würde, seine schließliche, widerstrebende Akzeptanz des Übersinnlichen. Unser Protagonist aber hinterfragt seinen Geisteszustand nicht weiter, sondern nimmt die Geisterbedrohung bald einfach hin und geht dann entschlossen gegen sie vor.

Das ist nun nichts Ungewöhnliches für diese Sorte Film, man kann "Mirrors" daraus keinen Vorwurf machen - aber er ist ja auch kein wirklich schlechtes Werk, er ist nur eben bis ins Detail genau das: nichts Ungewöhnliches. Was leider auch heißt: es gibt gerade im Mittelteil diverse Längen; es gibt Sprüche, die man schon 100 Mal gehört hat; die Story kommt oftmals überhaupt nicht auf den Punkt - interessanterweise genau in denjenigen Aspekten, die ihr gegenüber dem Original hinzugefügt wurden.

Von Herrn Aja ist man einfach viel mehr Tempo und Konsequenz gewöhnt, nicht eine solche Beliebigkeit - und dermaßen peinliche CGI-Effekte schon gar nicht: die Flammen in einer der ersten Szenen wirken zum Beispiel erschreckend billig. Storyaufbau und -auflösung sind routiniert, aber eben mittlerweile altbekannt. Und ganz ähnlich wie beim "Ring"-Remake wird auch hier eine düstere Atmosphäre gegen knallige Schocks eingelöst. Und eine eigentlich mysteriöse Grundidee wird nicht nur bis ins Letzte aufgeklärt, sondern auch noch um überflüssigen, von ihrem Kern fast ablenkenden Brimborium aufgeblasen.

Typisch Hollywood: niemals absolut auf die Wirkung einer Idee vertrauen, immer zu 100% das liefern, das bei der größten Zahl Menschen funktioniert. Sie also etwa mit jeder Menge technischer Hilfsmittel "unterstützen" - und sie damit extrem verwässern. Subtilität in Lautstärke begraben. Und dabei genau das beschädigen, was ein Filmerlebnis eigentlich ausmacht: Zwischentöne. Die individuelle Interpretation eines Stoffes. Knapp gesagt: die Phantasie.

Ok, das sind reichlich große Töne und harte Worte. In gewisser Hinsicht ist "Mirrors" für mich halt nur noch ärgerlich. Aber "objektiv" betrachtet, sind 5 Punkte allemal drin. Kann man also sehen, muss man aber nicht. Wieder einmal.
D.S.
sah diesen Film im Metropolis 3, Frankfurt

02.09.2008, 06:53



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