The Killer Inside Me

Texas, eiskalt

von D.S.
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Hat was, diese im staubigen West-Texas spielende, spröde Romanverfilmung. Hat zwar weniger Noir-Feeling als propagiert und erwartet, hat dafür mehr Abgründigkeit und Psychose, als auf den ersten Blick anzunehmen. Und hat vor allem deren Personifizierung: Babyface Affleck, der hier aufs Skrupelloseste das zweite Gesicht seiner Figur ausleben darf. Und meiner Meinung nach hat man hier eine Idealbesetzung gefunden, denn seiner abwesenden, unterkühlten Mimik nimmt man jederzeit ab, dass darunter Wahnsinn und Brutalität in Reinkultur lauern. Seine Ausbrüche gehören denn auch zu den größten Momenten des Films - zu den kleinsten hingegen das mehrfache, sinn- und verstandlose Einblenden von Jessica Alba in Dessous. Weiß Gott kein schlechter Anblick, aber für die Story an jenen Stellen komplett bedeutungslos. Naja, vielleicht dachte man sich: dafür hat das Publikum bezahlt, also geben wir es ihm. Wer also auf Frau Alba in Playboy-Ästhetik steht und unbedingt mal ihren nackten Hintern sehen will, hat hier seinen heiligen Gral gefunden. Zurück zum Relevanten: der Film lässt sich viel Zeit und man braucht einiges an Geduld, um ihn genießen zu können. Zum einen, um sich an den derb-nuschelnden Akzent sämtlicher Figuren zu gewöhnen. Zum anderen, um sich die teils nur kurz angerissenen Story-Hintergründe und Antriebe verschiedener Figuren zusammenzureimen. Und zuletzt, da sich das Tempo des Films nun mal an die Schwere des Südens anlehnt. Umso wirkungsvoller sind dann die wenigen, aber heftigen Gewaltausbrüche... Leider kann "The Killer inside me" seinen literarischen Geist hier aber auch nicht ganz verleugnen: die Inszenierung lässt manchmal Fokussiertheit und Stringenz vermissen, man treibt stellenweise in Gedanken und bei Nebenfiguren herum und wünscht sich manche Rückblende anders oder gar nicht platziert. Der Spannungsbogen hängt über einige Strecken des Films zu weit durch, die Geschwindigkeit wirkt nicht immer ausgewogen - und manches wird zu distanziert erzählt, um ein Mitfiebern zu erzeugen. Von Sympathie für auch nur eine der kaputten Figuren mal ganz zu schweigen. Zusammengefasst kann ich den Film schon empfehlen, denn er zeigt das Böse mal mit einem anderen Gesicht, fast ein wenig an "The Minus Man" erinnernd, aber weniger verträumt, viel kälter und menschenverachtender. Überzeugend besetzt und gespielt ist er auch. Warum dann nur 6 Punkte? Tja, manchmal ist eiskalt eben zu kalt. Und mitgerissen hat er mich zu selten.
D.S.
sah diesen Film im Metropolis 6, Frankfurt

26.08.2010, 03:38



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