Two Eyes Staring

Ich sehe was, was du nicht siehst

von D.S.
Lisa ist neun Jahre alt, gerade mit ihren Eltern in die verfallende Villa der kürzlich verstorbenen Großmutter in Belgien gezogen, ist ganz allein, fühlt sich ungeliebt - und sieht ein Gespenst. Ein böses Gespenst. Nämlich den Geist von Karen, der als Lebende wohl ebenfalls nicht gerade netten Zwillingsschwester ihrer Mutter, die im Kindesalter gestorben ist und seitdem im Keller des alten Gemäuers haust.

Karen scheint Rache zu suchen und Lisa dafür instrumentalisieren zu wollen. Aber Lisa ist nicht ganz blöd, zwar sehr fantasievoll, aber sich gleichzeitig der Dinge bewusst, die ihr real viel bedeuten. So einfach wird ein dahergelaufener Geist sie also nicht in eine bestimmte Richtung drängen können. Aber was ist, wenn ihre realen Bezugspunkte sich selbst immer ungewöhnlicher zu verhalten scheinen, wenn da ganz offensichtlich Geheimnisse verborgen werden, wenn ihr Leben als solches aus den Fugen gerät?

Die Figur der Lisa wird fantastisch gespielt, und auch ihre Eltern wirken außergewöhnlich realistisch. Ein großes Plus des Films, seine Glaubhaftigkeit, sein wie-aus-dem-echten-Leben-gegriffen-Sein. Nahezu jeder Moment, jedes Detail des Geschehens wirkt absolut nachvollziehbar und dadurch erst recht beängstigend. Atmosphärisch ist "Two Eyes Staring" ohnehin ganz vorne anzusiedeln. Das beklemmende Setting des alten Hauses mit einer düsteren Aura, finstere Ereignisse aus der Vergangenheit, Hilf- und Wehrlosigkeit gegenüber Gefühlen, Ängsten, verdrängten Gedanken... Hinter der vordergründig simplen Geschichte steckt mehr als zunächst erwartet. Und vor allem eine tiefe Ernsthaftigkeit, die sich in der gesamten Stilistik des Films niederschlägt. Hinzu kommen (im ersten Drittel der Laufzeit) ein paar wenige, wohlplatzierte und wirksame Schocks - fertig ist die Anspannung im Publikum.

So viel zum Positiven, an Negativem ist leider das extrem schleppende Tempo zu erwähnen. Im Mittelteil zieht sich die Geschichte geradezu, es passiert zu wenig und das Wenige ist auch noch oft vorhersehbar. Das trifft dann zwar auf die Auflösung der Geschichte nicht unbedingt zu, ich fand sie allerdings sehr sehr unbefriedigend und eben nicht mehr glaubhaft, ganz im Gegensatz zum Vorherigen.

Was bleibt ist dennoch eine klare Empfehlung für Freunde böser Kinder, böser Häuser und böser Geister, die nicht zwingend Blut, Lautstärke und vordergründigen Thrill benötigen. Dafür aber ein Faible für tolle Schauspielerleistungen und etwas komplexere Erzählungen haben. Und die nötige Geduld für dieses gemächliche, aber allemal beeindruckende Werk aufbringen. 7 Punkte. Davon mindestens 1,5 für die Darstellerin der Lisa!
D.S.
sah diesen Film im Metropolis 8, Frankfurt

28.08.2010, 03:29



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