Rubber

A Hommage to "No Reason“

von D.S.
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"Rubber" hat eine fiktionale Handlung, die dramaturgisch inszeniert wird. Trotzdem ist er kein Spielfilm im eigentlichen Sinne. Denn er grenzt sich bereits in der Einleitungssequenz und auch später immer wieder von seiner Handlung ab und begibt sich gemeinsam mit dem Zuschauer auf eine zweite Erzählebene - in der es darum geht, dass eine Gruppe unterschiedlichster Menschen das Geschehen der ersten Ebene betrachtet und kommentiert. Schon durch diesen formalen Aspekt sowie insbesondere durch zahlreiche Dialoge der Protagonisten wird deutlich, was "Rubber" in erster Linie wirklich ist: eine filmische Abhandlung über das Verhältnis eines Spielfilms zu seiner Handlung, über Erzählung und Inszenierung, über Werk und Rezeption. Das klingt, wenn man nicht gerade sehr an Filmtheorie interessiert ist, nicht unbedingt allzu spannend. Und spannend ist "Rubber" tatsächlich nicht, wohl aber unterhaltsam. Zumindest über einen Teil seiner Laufzeit. Das liegt zum Teil an seiner absurden Handlungsgrundidee - auf beiden Erzählebenen: ein ausgedienter Autoreifen erwacht plötzlich zum Leben, erlernt das eigenständige Rollen und macht sich auf den Weg durch wüstenhafte Ödnis. An einer Straße angekommen, fährt eine hübsche Frau im Cabrio an ihm vorbei. Er verliebt sich und jagt ihr hinterher. Wobei er auf dem Weg diverse Lebewesen mittels seiner psychokinetischen Kräfte ins Jenseits befördert. All das wird von einem Publikum per Fernglas beobachtet. Man scheint zwar keinen allzu großen Spaß am Tun des Reifens und seinem Verfolgen zu haben, bleibt aber bei der Sache. Bis schließlich Dinge passieren, die noch viel merkwürdiger erscheinen als schon das Grundgerüst der Handlung... Warum das alles? Was ist der Grund für das Erwachen des Reifens, für seine Fähigkeiten, für die Anwesenheit des Publikums, für sein Verbleiben? Es gibt keinen. Die entscheidenden Storyelemente eines Spielfilms lassen sich oft nicht rational begründen oder erklären, wie uns die Figur eines Sheriffs in der Wüste anfänglich zu bedenken gibt. Was "Rubber" dann in vollster Konsequenz auf Spielfilmlänge demonstriert. Ich finde den Ansatz des Films großartig und habe mich vor allem im ersten Drittel des Films köstlich über die bizarre Szenerie und die noch bizarreren Entwicklungen der Handlung amüsiert. Auch im weiteren Verlauf bekommen wir immer wieder Dialoge und Aktionen geboten, die sich an Schrägheit und gleichzeitiger Filmwissenschaftlichkeit kaum übertreffen lassen. Zudem ist etwas wie "Rubber" in einer solchen, lakonischen, irritierenden Form wohl kaum jemals zuvor da gewesen. Im Ganzen kann der Film aber dann leider doch nicht überzeugen - jedenfalls nicht mit dem Anspruch, ein Spielfilm zu sein. Wobei ich nicht sagen kann, ob er diesen Anspruch tatsächlich hat. Sollte er natürlich, als Abschlussfilm des FFF. Allerdings kann er ja nichts für seine Positionierung in diesem Slot. Wie auch immer, eine gewisse Zähigkeit und Trägheit kann man dem Geschehen nach einiger Zeit schlicht nicht absprechen. Die hier exerzierte Form der Absurdität ist außerdem sicherlich nicht jedermanns Sache. Als Experiment und auf einer Metaebene ist "Rubber" für mich dennoch sehr sehenswert, da einzigartig und intelligent. Mehr als 6,5 Punkte gebe ich ihm dennoch nicht, da er eben spätestens in seiner zweiten Hälfte auch Ermüdung produziert.
D.S.
sah diesen Film im Metropolis 8, Frankfurt

05.09.2010, 22:12



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