Blindkauf?von D.S. | Permalink |
THE MORTICIAN ist ein Mainstream-Ghettodrama mit klitzekleinem Krimi-Einschlag - und hat SO wenig mit dem Festival und seinen Besuchern zu tun, dass ich mir fast sicher bin: Hier hat man sich von einer fancy Verkaufszeile wie „Method Man im Leichenschauhaus!" blenden lassen und einfach mal versehentlich ins völlig falsche Regal gegriffen.
Okay, ja, wir erleben tatsächlich Method Man im Leichenschauhaus. Und kriegen dort auch ein paar tote Körper zu sehen, aber die sind nicht ansatzweise spektakulär zu betrachten und es passiert auch nichts weiter mit ihnen, außer dass Method Man sie eben herrichtet. Herrichten tut er ansonsten vor allem sich selbst: Er läuft im Look des 19. Jahrhunderts durch die versifften Ghettostraßen von heute, und vermutlich soll dadurch sowie durch vereinzelt sepiafarben ausgeleuchtete Bilder ein „Film Noir"-Feeling erzeugt werden. Klappt allerdings nicht.
Was klappt, ist das Erzeugen von Irritation, Langeweile und Peinlichkeitsgefühlen beim Zuschauer. Irritation, weil unsere Hauptfigur so gezeichnet wird, als habe sie Angst vor ihrem eigenen Schatten, könne niemandem in die Augen schauen und würde schon beim kleinsten Windhauch umfallen. Warum Mr. Leichenbestatter ein so ängstliches Reh ist, wird allerdings nie erklärt. Und auch nicht, wie er es mit seiner Opferattitüde so lange unbeschädigt in seinem bösen Teil der Stadt hat aushalten können.
Langeweile wird erzeugt, weil in THE MORTICIAN nichts passiert. Sehr langsam nichts passiert. Method Man geht tagsüber seiner Arbeit nach, abends spielt er einmal kurz den Tierpräparator, manchmal geht er zur Nutte von nebenan mit großem Herzen. Zwischendurch lässt er sich von fiesen Gang-Heinis blöd anlabern, schließt aus unerfindlichen Gründen einen anderen Gang-Heini ins Herz, der sich bei ihm als miserabler Gehilfe verdingt, und entwickelt dann Interesse am Schicksal eines kleinen Jungen, der sich in der Nähe seines Leichenschauhauses herumtreibt. Das Interesse hat er allerdings fast exklusiv für sich - dem Publikum wird kein Grund gegeben, es zu teilen. Außer demjenigen, höchstens, dass die fiesen Gang-Heinis ihn dringend in die Finger bekommen wollen. Was ungefähr den Krimi-Anteil an THE MORTICIAN ausmacht.
Die Peinlichkeitsgefühle schließlich treten auf, weil der Film auf dermaßen ausgetretenen Kitsch-Pfaden wandelt, dass man kaum hinschauen mag. So werden wir ein ums andere Mal mit Rückblenden gequält, die uns die Hauptfigur als kleinen Jungen zeigen, der - och - von seiner Mutti sitzengelassen wird. Da ist er heute noch ganz traurig drüber. Das geht dann so weit, dass... Nein, mehr will ich nicht erzählen. Sonst würde ich die Nicht-Story noch spoilern, und jedes weitere Wort wäre sowieso Zeitverschwendung.
Nur anschauen, wenn ihr versehentlich auf dem FFF gelandet seid und eigentlich viel lieber Dramoletten von der Stange seht. Oder wenn ihr extreme Hip Hop-Fans seid und euch den ballernden Soundtrack nicht entgehen lassen wollt. Alles andere hier ist es nicht wert - die kümmerliche Verwendung der 3D-Technologie sowieso nicht. 2,5 Punkte. | |
sah diesen Film im Metropolis 8, Frankfurt | 30.08.2011, 03:16 |
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