crazy

End of Animal

Unterwegs nach Nirgendwo

von D.S.
Wow - was für ein seltsames Stück Film! Ein Endzeitszenario, das uns mit dezidiertem David-Lynch-Flair präsentiert wird. Uns mit vielen Merkwürdigkeiten konfrontiert, gerade im Hinblick auf die Verhaltensweisen der Protagonisten. In seinem Verlauf reihenweise Fragezeichen produziert, die nur zum Teil aufgelöst werden. Und das, um verdaut zu werden, einiges an Aufmerksamkeit, Geduld und Tristesse-Toleranz erfordert.

Die Welt geht unter - oder hört jedenfalls auf, sich zu bewegen. Aus heiterem Himmel verschwinden Strom, Telekommunikation und vor allen Dingen die meisten Menschen. Die paar Übriggebliebenen brauchen aber eine ganze Weile, um sich dessen wirklich bewusst zu werden. So lange irren sie drauflos, durch eine unwirtliche, verlassene Landschaft; versuchen, eine mysteriöse Raststätte zu erreichen und gehen weder besonders feinfühlig noch besonders klug miteinander um.

Im Mittelpunkt steht dabei eine junge, hochschwangere Frau, die sich als vollkommenes „Opfer" geriert, sich von allen herumschubsen und niedermachen lässt. Als ihr Taxi im Moment der Apokalypse auf einer Landstraße stehen bleibt, hört sie nicht auf die Ratschläge des Fahrers und des seltsamen anderen Fahrgastes, einfach im Auto zu bleiben, sondern macht sich auf die Suche nach Zivilisation: Ihre Mutter erwartet sie doch, sie muss sie dringend anrufen. Auf dem Weg trifft sie auf mehrere merkwürdige Figuren, mit denen sie sich ebenso auseinandersetzen muss wie mit ihrer offenbar gestörten Raum- und Zeitwahrnehmung, sich ausbreitender Hoffnungslosigkeit sowie den immer lauter werdenden, monströsen Knurr- und Brüllgeräuschen in der Ferne...

END OF ANIMAL schlägt eine Menge Haken und nimmt unvermittelt Wendungen, die es schier unmöglich machen, den Ausgang der Geschichte vorherzusehen. Was auch daran liegt, dass sie nicht strikt linear erzählt wird: einige für das Geschehen und seine Deutung wichtige Details werden erst relativ spät aufgedeckt. Das sorgt aber auch dafür, dass man als Zuschauer immer wieder überrascht wird - und sich am Ende eine Story auftut bzw. eine Interpretation eröffnet, die geradezu epische Züge hat.

Allerdings dauert es leider ziemlich lange, bis man mit gesteigertem Interesse bei der Sache ist. Das erste Drittel des Films zieht sich außerordentlich, es herrscht reine Ödnis nicht nur in der Landschaft, sondern auch in Sachen Handlungsentwicklung. Ein paar Bizarrheiten, wie sie uns im weiteren Verlauf von END OF ANIMAL begegnen, hätten ihm hier schon sehr gut getan.

So ist es verständlich, wenn sich nicht jeder auf die verschlungen präsentierte Story einlassen will. Aber es ist schade, denn sie ist ziemlich originell und reichlich ungewöhnlich umgesetzt. Sicherlich einer der interessanteren Filme beim FFF 2011. Nur eben auch ein wenig anstrengend zu goutieren - und sehr, sehr seltsam.
D.S.
sah diesen Film im Metropolis 8, Frankfurt

30.08.2011, 05:04



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