crazy

The Innkeepers

Widersprüchlicher Mix

von D.S.
Mit dem neuesten Werk von Ti West kann ich leider nicht allzu viel anfangen - im Gegensatz zu seinem THE HOUSE OF THE DEVIL. Der stand für einen sehr puristischen Ansatz, eine Behandlung seines Genres, die sich auf seine Kernaspekte reduziert und mithilfe dieser ein Maximum aus Storyidee, Setting und Erzählstruktur zu machen versucht. Keine Gimmicks, keine Unentschiedenheiten, konsequentes Verfolgen eines archetypischen Musters. Vor diesem Hintergrund ließ THE INNKEEPERS eigentlich einen straight forward gehaltenen Geisterhaus-Gruselfilm erwarten - übrigens auch, da ein Großteil von Cast und vor allem Crew identisch mit dem von STAKE LAND ist, der sich ja nun zu 100% genretreu verhält.

Wie inzwischen bekannt, wählt Ti West hier jedoch einen anderen Weg: INNKEEPERS ist zunächst mal eine Slackerkomödie, Elemente des Horrorgenres spielen erst spät im Verlauf des Geschehens eine größere Rolle. Nun unterscheidet sich die Wahrnehmung des Films beim Publikum in diesem Punkt offensichtlich erheblich, für mich aber hat das Ganze genau dieses Drehs wegen nicht funktioniert: Die betonte Albernheit der ersten beiden Filmdrittel verhinderte das Entstehen einer schaurigen Atmosphäre, auf die das letzte Drittel setzt.

Zwar werden einem die Figuren durchaus nahegebracht, sie sind sympathisch gezeichnet und gut gespielt, was vor allem für die weibliche Hauptfigur gilt. Ich hätte auch überhaupt kein Problem damit gehabt, ihren dämlich-amüsanten Dialogen mit ihrem Loser-Kollegen eine Stunde länger zuzuhören: Auch, wenn es noch ein weiter Weg zu CLERKS ist, man schließt sie ins Herz. Dann jedoch entscheidet sich INNKEEPERS plötzlich doch dafür, gruselig sein zu wollen. Wofür meiner Meinung nach aber eben alle Rahmenbedingungen fehlen: Die Stimmung war bislang ausnahmslos fröhlich, die Story hat sich über jeden potentiellen Horror-Aspekt sogar lustig gemacht, zudem ist das Setting dezidiert modern und geheimnislos. Ein Wechsel ins ernsthaft Bedrohliche erscheint also zumindest ambitioniert. Und scheitert letztendlich kläglich.

Kein Wunder, wenn man die Mittel betrachtet, die dafür zum Einsatz gebracht werden. Die sind nämlich Klischee pur und darum in sich selbst auch schon wieder albern. Da haben wir das alternde Medium, das düstere Prophezeiungen von sich gibt. Da haben wir unerklärliche Geräusche und Erscheinungen. Und da haben wir schließlich blass geschminkte Spukfiguren wie aus der Geisterbahn. Beängstigend mag das Spektakel in keiner Sekunde wirken - man fragt sich eher, warum die Protagonisten auf einmal so verschreckt reagieren, wo sie doch vorher so betont lässig drauf waren.

Nichtsdestotrotz hätte (auch) dieser Teil der Handlung von INNKEEPERS für sich genommen ja durchaus funktionieren können. Die klassische Gruselstory im Hintergrund, Schnitt und Sounddesign tun das ihrige, ein paar Jump-Scares gibt es auch - das hätte einigen Logiklücken zum Trotz eine zwar nicht sehr originelle, aber voll akzeptable Geistergeschichte werden können. Durch die vorher explizit vorgenommene Distanzierung davon hat es das Spukgeschehen aber schwer, überhaupt irgendeine Wirkung zu entfalten.

Am Ende bleibt das Gefühl, dass hier zwei Ideen und Genres miteinander vermengt werden sollten, die sich widersprechen: Komödie und ernsthafter Horror. Einzeln betrachtet zwar jeweils adäquat umgesetzt, zusammengenommen aber zu unentschieden und sich gegenseitig schwächend. Der Darstellerleistungen und vor allem des ersten Filmteils wegen noch 6 Punkte, dennoch unbefriedigend.
D.S.
sah diesen Film im Metropolis 8, Frankfurt

03.09.2011, 18:01



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