The Woman

Wild Wild Woman

von mdbnase
Habe den Vorgänger auch nicht gesehen, das ist aber auch gar nicht so wichtig, denn 'The Woman' funktioniert auch als eigenständiger Film. Es beginnt relativ langsam und die einzelnen Figuren werden eingeführt. Von Beginn an herrscht eine seltsame Stimmung, auch wenn die Familie idyllisch zusammen zu leben scheint. Trotzdem sind alle Familienmitglieder (ausgenommen die unschuldige jüngste Tochter) von Problemen geplagt und mit überzeichneten Charaktereigenschaften ausgestattet. Diese übernehmen immer mehr die Überhand, ohne dass es die Familie zu merken scheint. Dabei werden deren Handlungen immer bizarrer und exzessiver, während die Gemüter nach außen hin meist gelassen, fast resigniert, wirken. Das Outing wird gemächlich entwickelt, um am Ende in einem großen Knall komplett auseinander zu bersten. Diese Entwicklung wird sehr ruhig, manchmal fast zu ruhig, dafür aber mit umso mehr Zynismus umgesetzt. Auch die Gewaltschraube zieht sich immer mehr an und mündet im folgerichtig blutigen Exzess. Die Filmmusik wird dabei wirkungsvoll eingesetzt, ebenso wie die ruhigen Kamerafahrten und die satten Farben. Großartig auch die schauspielerischen Leistungen. Allen voran Pollyanne McIntosh als Wilde und Sean Bridgers als Familienvater. Zum Ende hin wird der Film ungemein brutal (auch wenn es zwischendurch auch schon die eine oder andere deftige Szene zu sehen gibt) und schockt durch völligen Kontrollverlust. Leider wirkt das Ende auf mich etwas unglaubwürdig und raubt dem Film an Intensität. Einen Bruch in den Handlungen der Protagonisten sehe ich nicht, sondern eine konsequente Steigerung ins Krankhafte. Die Wilde dient dabei als Auslöser bzw. Katalysator der Katastrophe. Manch einer mag - angeregt vom seltsamen Ende - darin einen feministischen Ansatz sehen, was mir allerdings schwer fällt. Beiderlei Geschlecht wird nämlich nicht unbedingt positiv dargestellt, aber beide eben auf eine andere Art. Ich sehe eher den Ansatz einer Zivilisationskritik, bei der es um Moral, Scheinheiligkeit (der Vater ist auch Gerichtsangestellter) und Abhängigkeit bzw.das Ausgeliefertsein geht.
Der Film fesselt jedenfalls und hält uns einen häßlichen Spiegel vor. Gefasst in tolle Bilder, intensive Stimmungen und bestialische Gewalt. Mit einem ordentlichen Ende würde man daher schon an der 10 kratzen.
mdbnase
sah diesen Film im Metropol 1, Stuttgart

06.09.2011, 17:21



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