Eyes of Crystal

Genüsslich zelebriertes Genre-Kino aus Italien

von Jimmy_Conway
Man kann es fast nicht glauben, aber: nach langer Durststrecke gibt es tatsächlich mal wieder einen gelungenen Genre-Film aus Italien - immerhin dem Land, das uns vor allem in den 70er und 80er Jahren mit unzähligen Genre-Perlen (und zugegebenermaßen mindestens ebenso viel Gülle) versorgt hat. Bemerkenswert vor allem, dass dieses Comeback nicht einem der Altmeister, sondern einem Genre-Neuling zu verdanken ist. Umso erstaunlicher, wie gekonnt EYES OF CRYSTAL alles bietet, was der Giallo-Gourmet zu schätzen weiß: eine elegante, schwelgende, teils fast rauschhafte Kameraarbeit (mit angenehm vielen Nahaufnahmen und Kamerafahrten); eine passende Musikuntermalung mit Opern-Anklängen (auch hier gilt übrigens: es war kein Morricone, sondern ein zumindest in unseren Breiten völlig unbekannter Komponist am Werk); blutige Morde mit guten Effekten und schmerzhaften Momenten; und eine Prise Sex und Erotik (teils freilich in pervertierter Form). All das gibt es in EYES OF CRYSTAL in stärkerem Umfang, als ich es bei einem Italo-Thriller aktuellen Datums erwartet hätte. Konsequenterweise werden mit den Stärken alter Klassiker aber auch deren Schwächen wieder zum Leben erweckt, und so sei gewarnt: wer versierte Darsteller, psychologische Glaubwürdigkeit, geschliffene Dialoge, lückenlose Logik und eine mit Bedeutung aufgeladene Story erwartet, ist hier definitiv an der falschen Adresse. Auch mag man kritisieren, dass hier beinahe jede Wendung eine Viertelstunde vorher bereits klar angedeutet wird. Aber: darum geht es ja letztlich gar nicht. Bei einem Film wie diesem gilt: der Weg ist das Ziel - und der wurde lange nicht mehr so trittsicher wie hier beschritten. EYES OF CRYSTAL zelebriert die Freude am Sehen und Zeigen wie lange kein Genre-Film mehr. Für diejenigen, die die eingangs genannten Ingredienzien zu schätzen wissen, ist das ein Genuss. Alle anderen sollten selbstredend lieber Abstand nehmen.

Bemerkung am Rande: der Film hat ein absolut erstklassiges Sounddesign - da weiß man wieder, warum man solche Filme am liebsten im Kino sieht.
Jimmy_Conway
sah diesen Film im City, München

31.07.2005, 20:40



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