crazy

Switch

Nicht clever genug

von D.S.
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Meine Güte, ist Eric Cantona fett geworden. Okay, besonders zierlich war unser aller liebster Ex-Fußball-Rüpel ja noch nie - aber wenn man mit ansehen muss, wie er hier als Kommissar zur Mitte des Films in einer schier endlosen Verfolgungsjagd zu Fuß seinen Wanst vor sich her schiebt, ertappt man sich doch fast bei ernsthaften Sorgen um sein Herz. Zumal er sich auch noch eine Kippe nach der anderen anzündet. Na ja, dafür macht sich die schöne Hauptdarstellerin Karine Vanasse (POLYTECHNIQUE, BLIND SPOT) ausgiebig nackig und auch Paris wird von seiner besten Seite präsentiert, samt glitzerndem Eiffelturm - es gibt in SWITCH also, ganz nach Geschmack, für jeden was Interessantes zu sehen. Generell überwiegen dabei die ästhetischen Bilder, was angesichts der bisherigen Werke des Regisseurs (CRIME SCENES, SPY BOUND und CRIME INSIDERS, übrigens alle auch ehemalige FFF-Vertreter) nicht unbedingt verwundert. Überraschender sind da schon einige Ungereimtheiten in der Story; Nachlässigkeiten, die man von Jean-Christophe Grangé, dem Autor solcher Filme wie DAS IMPERIUM DER WÖLFE oder DIE PURPURNEN FLÜSSE, nicht gerade erwartet hätte. Stimmt schon, gerade letzterer betrachtete Logik nun auch nicht immer als sein heiligstes Gut. Aber hier wird der Unwahrscheinlichkeitsdrive regelmäßig mit derartiger Verve angeworfen, dass man Angst vor der Explosion des Ganzen bekommen kann. Ob es dabei um kleine Handlungs-Treiber wie zufällige Entdeckungen bzw. Nicht-Entdeckungen am Tatort oder blitzschnell geortete Handys geht, um vollkommen unglaubwürdige, aber zentrale Elemente der Plot-Konstruktion, um nicht nachvollziehbares Verhalten einiger Figuren in bestimmten Situationen oder gar um deren grundlegende Motivation, die in manchen Fällen einfach nicht schlüssig genug ist: Die Story wirkt an vielen Punkten schlichtweg zurechtgeprügelt; was nicht passt, wird passend gemacht. Ach ja, die Story. Eine unglückliche, weil auftragslose Modedesignerin aus Montreal folgt dem Rat ihrer neuen Bekannten und meldet sich bei switch.com an, um Abwechslung in ihr Leben zu bringen. In der Realität ist diese URL interessanterweise nicht in Benutzung - im Film findet sich hier eine Wohnungstausch-Community, bei der Sophie Malaterre sofort auf ein Angebot aus Paris stößt und flugs ihre Koffer packt. Das Austausch-Apartment gehört einer gewissen Bénédicte Serteaux und ist wunderschön, nur dass es leider auch über eine enthauptete Leiche verfügt, für deren Verursacherin Sophie von der Polizei gehalten wird. Mehr noch: Es sieht so aus, als hätte Bénédicte nicht nur die Wohnung, sondern auch das Leben mit Sophie getauscht. Alle Spuren ausgelöscht. Und ihr keine Möglichkeit gelassen, ihre wahre Identität und ihre Unschuld zu beweisen... Wäre die Handlung so clever aufgebaut, wie es bei einem solchen Ansatz nötig ist, könnte SWITCH durchaus gefallen: Zwar wirken einige Nebenfiguren überflüssig und wie nicht zu Ende geschrieben, aber die meisten Darstellerleistungen sind akzeptabel und das Tempo angenehm. Auch die Actionszenen stimmen; über die erste Hälfte ist der Spannungsfaktor zudem hoch, da sich der Verlauf des Ganzen nicht unbedingt vorhersagen lässt. Später kippt das leider ein wenig und tut manchmal schon fast weh - zu absurd erscheint eben manche Wendung und Erklärung, auch gelingt dem Drehbuch das Vorantreiben der Handlung gegen Ende des Films ab und zu nur noch recht mühselig. Krimi- und Thriller-Fans können deshalb zwar durchaus einen Blick riskieren; wer es lässt, verpasst aber leider auch nichts Entscheidendes. Ich gebe gerade noch so 6 Punkte und möchte Kung-Fu-King Eric weniger denn je nachts in einer dunklen Gasse begegnen.
D.S.

21.08.2012, 00:38



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