Wrath

Vom Western verweht

von D.S.
Wenn sich der erste Film des zweiten Festivaltages bereits so anfühlt, als hätte er eine Laufzeit von über drei Stunden, dann macht er etwas falsch. Im Falle von WRATH ist auch sehr deutlich, was: Er versucht, einer kleinen Story epischen Anstrich zu geben, hat jedoch nicht genug zu bieten, um diesen Anspruch auch zu rechtfertigen - weder auf inhaltlicher noch auf inszenatorischer Ebene.

Dieses Manko versucht er auszugleichen, indem er sein Geschehen künstlich aufbläst. Einerseits durch gelebte Bewegungslosigkeit: Neben dem Soundtrack und zahlreichen Cowboyhüten sind es vor allem immer wieder eingestreute, lange Großaufnahmen von Flora und Fauna, die einen deutlich an klassische Western erinnern; die Shoot-outs kommen hier aber deutlich zu kurz. Andererseits offenbart er das Allerwelts-Level seiner Geschichte nicht unmittelbar, sondern tut so, als hätte er sonst was zu erzählen. Das beginnt mit einem bedeutungsschwangeren Eröffnungsmonolog, dem ich den MAGNOLIA-Gedächtnis-Award zuspreche - und endet wirklich erst kurz vor dem Ende, als dann doch endlich auf den Tisch kommt, worum es hier eigentlich geht.

Nun kann es ja prinzipiell durchaus spannend sein, wenn man sich als Zuschauer aus wenigen Informationen und mysteriösen Andeutungen seinen eigenen Reim aufs Geschehen machen muss. Wenn es aber sehr lange so gut wie kein Geschehen gibt bzw. nur allzu bekanntes (Menschen auf der Flucht vor schießwütigen Provinzbewohnern), man dazu völlig im Unklaren darüber gelassen wird, was die Motive oder auch nur die Beziehungen der handelnden Personen zueinander sind und außerdem jedes kurze Flackern von Aktivität gleich wieder durch trance-artige Naturaufnahmen unterbrochen wird... dann fällt detektivartiges Mitfiebern schwer.

Der Höhepunkt dieser „Erzählstrategie" ist eine gut 20-minütige Sequenz, in der ein kaum näher charakterisierter Typ von zwei überhaupt nicht charakterisierten (oder auch nur uns konkret vorgestellten) jungen Männern gejagt wird. Warum, weshalb, wieso? Keine Ahnung - kein Involvement. Schön auch, wenn wertvolle, lange Minuten auf das Etablieren von bestimmten Figuren und deren Lebenssituationen verwendet werden, die im weiteren Storyverlauf überhaupt keine Rolle mehr spielen.

Das alles führt dazu, dass man sich mit zunehmender Laufzeit immer ungeduldiger fragt, ob das alles überhaupt noch mal ein nennenswertes Ende findet. Da sind also drei unsympathische Typen und eine unsympathische Frau unterwegs durchs australische Hinterland, haben diverse Beziehungsprobleme und atmosphärische Störungen untereinander, treffen auf eine seltsam verwirrte, blutüberströmte Frau und werden dann von drei Cowboyhutträgern gejagt. Und zwar, weil... tja. Warte, warte noch ein Weilchen, dann kommt Auflösung auch zu dir. Aber ob sie dich dann noch interessiert...?
Fraglich, auch der mäßigen Schauspieler und insbesondere der äußerst schwach geschriebenen Dialoge wegen.

Bildkomposition, Kameraarbeit und Score können allerdings eine ganze Menge herausreißen. Eine gewisse Größe ist dank ihnen vorhanden, nur leider nicht genug Inhalt, um für mehr als meine gnädigen 5,5 Punkte zu reichen. Schade auch, dass die wuchtigen Scope-Bilder unter einer ziemlich ruckeligen Digitalprojektion zu leiden hatten...
D.S.
sah diesen Film im Metropolis 8, Frankfurt

07.09.2012, 03:44



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