Ersoffen in der Nebelsuppevon D.S. | |
AFTER hat definitiv ein paar Stärken. Neben dem gelungenen Creature Design und der recht dichten, zunehmend klaustrophobischen Atmosphäre in der verlassenen Stadt, die von einer näher kommenden schwarzen Nebelwolke eingeschlossen ist, ist da vor allem der Fakt zu nennen, dass er die Intelligenz seines Publikums nicht beleidigt. Ich erlebe einen Unfall - ich erwache in einer menschenleeren Stadt - ich werde Zeuge unerklärlicher Phänomene: Viel zu oft kommen die Protagonisten entsprechender Handlungen nicht einmal im Entferntesten auf die Idee, sie könnten tot, in einer Zeitschleife gefangen oder Elemente eines übernatürlichen Schauspiels sein. Obwohl einem als Zuschauer solche Erklärungsansätze als erstes in den Sinn kommen. AFTER verhält sich anders. Seine beiden Hauptfiguren, die Krankenschwester Ana und der Comic-Zeichner Freddy, stellen sich die richtigen Fragen und ziehen die richtigen Schlüsse. Und so geht es hier auch nicht so sehr um die inzwischen vergleichsweise langweilige Frage, was eigentlich passiert ist oder wie ihre Situation erklärt werden kann. Sondern viel mehr darum, was noch passieren wird und wie die Situation zu ändern ist. Sowohl von der Ausgangslage wie auch der Atmosphäre her fühlt man sich dabei tatsächlich ein wenig an die Verfilmung von Stephen Kings LANGOLIERS erinnert, wie es andere Reviews bereits formulierten. Es gibt schlechtere Vorbilder - deutlich spannendere allerdings auch. AFTER geht seine Sache sehr gemächlich an, großartig überraschen will er ohnehin nicht: Insofern muss er von der Leistung seiner Darsteller leben sowie davon, wie sie ihren Weg aus der Gefangenschaft im Nebel beschreiten. Leider tun sie das zu einem großen Teil über Dialoge rund um Erlebnisse aus ihrer Kindheit, um Schuld, Verantwortung und Erkenntnis. Dass diese äußerst oberflächlich bis ärgerlich pseudo-philosophisch daherkommen, zu extrem offensichtlichen Ergebnissen führen und keinerlei Überraschungen zu bieten haben, hilft der Sache des Films nicht wirklich. AFTER geriert sich als wesentlich mehr, als er letztlich ist: Ein verkitschter Film über das Erwachsenwerden, das Stehen zu sich selbst, Mut und das sich Öffnen für andere Menschen und neue Erfahrungen. Sicher, er hat ein paar amüsante Elemente für Horrorfilm-, Monster- und insbesondere Comic-Fans zu bieten. Aber für einen Mystery-Streifen bleibt er viel zu brav und vorhersehbar, für eine erkenntnistheoretische Abhandlung (natürlich) viel zu platt. Obendrein wirkt die filmische Umsetzung einigermaßen billig. Schlussendlich hat er storyseitig schlicht zu wenig zu bieten, um einen bei der Stange zu halten, zu wenig Ideen und inszenatorische Klasse, um einen emotional in die Darbietung hineinzuziehen. Stellenweise zieht er sich unglaublich und packt zum Ende sowohl handlungs- als auch musikseitig derart viel Schmalz drauf, dass man sich nur noch abwenden möchte. Gut gemeint, sicher, aber in der Gesamtschau alles andere als gut gemacht und viel zu lieb: leider nur 3,5 Punkte wert. | |
D.S. sah diesen Film im Metropolis 9, Frankfurt | 12.09.2012, 05:55 |
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