Gar nicht mal so coolvon D.S. | Permalink |
Mein Gott, was würde dieser Film dafür geben, bei den großen Jungs mitspielen zu dürfen. So coole Charaktere zu haben wie THE BOONDOCK SAINTS. So coole Dialoge wie PULP FICTION. So eine coole „Fuck you"-Attitüde wie die Grindhouse-Bikerfilme der 70er-Jahre. Er versucht ja auch nach Leibeskräften, lässig daherzukommen. Und genau darin liegt wohl das größte Problem dieses verunglückten Party-Streifens: Man merkt ihm sein krampfhaftes Bemühen um Abgefucktheit, Rotzigkeit und Kultigkeit in jeder Sekunde deutlich an. Hier wird versucht zu imitieren, was man nicht ist. Das nennt man Möchtegern. Oder auch Pseudo.
Dabei sind die drei Hauptfiguren noch das Gelungenste an BAYTOWN OUTLAWS - die Story kann es auch kaum sein, die ist nämlich quasi non-existent und besteht nur aus der endlos ausgewalzten Darstellung der Auseinandersetzung einer Gruppe von Voll-Assis mit anderen Gruppen von Voll-Assis. Drei versiffte Südstaaten-Schmalspurler, die sich ihr Geld mit Auftragsmorden verdienen, werden von einer peinlich gekleideten Eva Longoria gebeten, ihren Patensohn aus den Fängen eines öcht gefährlich wirkenden Drogenbosses zu befreien und zu ihr zurückzubringen.
Na dann, sie machen sich auf, reißen stumpfe Sprüche am laufenden Meter, ballern ein wenig rum und bekommen es mit drei verschiedenen, öcht skurril wirkenden Killer-Trupps zu tun, die den Jungen wieder ihrem Boss aushändigen wollen. Einmal Tarantino-Ladys, einmal Muskel-Niggahs, einmal bössse Indianer-Biker. Wow. Ich bin fast sprachlos, wie charismafrei die entsprechenden Darsteller agieren und wie farblos die eigentlich auf möglichst große Krassheit getrimmten Figuren gezeichnet sind.
Okay, es knallt ein paar Mal ganz gut, eine Handvoll One-Liner sitzt auch, die Eröffnungsviertelstunde weist zudem ganz nettes Tempo auf und kann dadurch für Interesse sorgen. Bald wird aber zu allem oben genannten Plattheits-Übel auch noch die Bremse gezogen, das Gas so arg rausgenommen und auf Action zugunsten strunzblöder Dialoge verzichtet, dass ich mehrfach kurz vorm Wegdösen war.
Ganz ehrlich, wer minderbemittelte Prolls abfeiern will, die den harten Mann raushängen lassen, sich inmitten ihrer zur Schau gestellten Rocker-Allüren aber gleichzeitig als herzensgute Schäfchen-Papas für einen körperlich behinderten jungen Mann gerieren - und wer also kein Problem damit hat, originalgetreue Ku-Klux-Klan-Jungs als smarte Popstars der besonders schmutzig-coolen Sorte zu bejubeln -, der wird an BAYTOWN OUTLAWS vermutlich viel Freude haben. Wenn er 17 ist und noch keins seiner allzu offensichtlichen Vorbilder gesehen hat.
Wer hingegen etwas höhere Ansprüche an seine Unterhaltung hat - und seien es nur authentische Härte, glaubwürdige Abgefucktheit, echte Lässigkeit -, wird von diesem Retortenbaby unter Umständen herb enttäuscht sein. Dass der Trailer bereits fast alle Höhepunkte des Films vorwegnimmt, hilft nicht. 5 Punkte. Und ein gewisser Ärger über die Schamlosigkeit und Unfähigkeit dieses Rip-off-Versuchs. | |
sah diesen Film im Metropolis 6, Frankfurt | 13.09.2012, 04:47 |
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