crazy

The Crossing

Lahme Kreuzung

von D.S.
Schon in seinen ersten Minuten macht "The Crossing" klar, daß er (wie erstaunlich viele der Filme beim diesjährigen FFF) ein eher niedriges Tempo gehen und nur bedingt auf Schauwerte setzen wird. Bereits der Autounfall, der zur Querschnittslähmung der Hauptfigur Andreas führt und der den ersten, frühen Höhepunkt des Films darstellt (sofern man nicht die vorhergehenden Einstellungen der menschenleeren, mehr trist als düster wirkenden bewaldeten norwegischen Landschaft schon als solchen zählen will), ist auf symptomatische Weise inszeniert: ziemlich unspektakulär. Leider gilt das tatsächlich für den größten Teil des Films: Seine Story ist nur selten wirklich spannend; und in den Momenten, in denen sie doch mal ungewöhnliche, eines Genrefilms würdige Pfade einschlägt, ist sie nicht wirklich spannend umgesetzt.

Dabei bietet das im Programmheft adäquat wiedergegebene Szenario ja durchaus Potential für ein fesselndes Psycho-Kammerspiel. Voraussetzung für das Gelingen eines solchen wären jedoch einerseits überragende schauspielerische Leistungen, doch diese sind hier (gerade bei der Figur des Andreas) eher mittelmäßig zu nennen. Und andererseits bräuchte man dafür eine wirklich "in jedem Moment plausible und gerade deshalb furchtbare" Handlungsentwicklung, wie sie Rosebud "The Crossing" zuschreibt. Tatsächlich verhalten sich die Figuren (in erster Linie Liv) im Dienste des Drehbuchs an ein paar Stellen dermaßen unglaubwürdig, daß man förmlich darauf wartet, sie auch noch "April, April!" bellen zu hören. Und auch einige der Hintergründe der Figuren, die im Verlauf des Films aufgedeckt werden und zu einer massiven Verschiebung der Lage führen, wirken alles andere als realistisch.

Mal davon abgesehen, daß ich die angekündigte "optische Eleganz und Finesse" des Films nicht unbedingt wahrgenommen habe, bleibt aber insbesondere die Atmosphäre des Films über die gesamte Laufzeit des Films hinweg zu "normal", als daß man gebannt vor der Leinwand sitzen würde. Zwar gibt es ein paar wirklich fiese, intensive, bedrohliche Momente, die Handlungsentwicklung zieht sich aber zu sehr in die Länge und verbleibt, wie erwähnt, viel zu unspektakulär, um "The Crossing" zu einem Film zu machen, an den man sich lange erinnern wird. Deshalb nicht mehr als fünf Punkte. Wenn man viel Muße hat (und nicht direkt davor ausgerechnet "The Descent" gesehen hat), kann man den Film aber bestimmt noch ein wenig mehr abgewinnen.
D.S.
sah diesen Film im Metropolis, Frankfurt

18.08.2005, 22:42



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