Eva

Was siehst du, wenn du die Augen schließt?

von MajorKeller
Der als exzentrisches Genie geltende Alex (Daniel Brühl) kommt an sein altes Institut um das vor zehn Jahren abgebrochene Projekt, die Software eines freien Androiden fertig zu stellen.

Der Film beschäftigt sich in asimovscher Tradition mit der Sicht des Erschaffers. Welche Eigenschaften gibt man dem Produkt mit? Wie balanciert man Es aus? Fragen die nicht nur oberflächlich an Probleme eines Elternteils erinnern, vor allem wenn das Produkt im Gegensatz zu den bereits illegal hergestellten Katzen-Roboter die Gestalt eines menschlichen Kindes haben soll.

Kike Maillos Regiedebüt ist ein in winterliches Weiß getauchtes Märchen. Trotz subjektiv wahrgenommenen Anleihen von Blade Runner fehlt diesem Film das Zwielicht des schottischen Klassikers. Die Umgebung von Santa Irene wirkt durch den Schnee entrückt, fast steril. Dieser Eindruck wird durch die leise summenden Elektrofahrzeuge noch verstärkt. Man könnte sich fragen ob die Menschheit tatsächlich sich in diese durchaus positive Richtung in den nächsten knapp dreißig Jahren entwickeln könnte.

Neben der schauspielerischen Leistung Brühls sollte man Marta Etura als Lena und Claudia Vega als Titelheldin Eva erwähnen. Eturas Lena kauft man sowohl die Besorgnis um das eigene Kind, wie auch die Zerrissenheit zwischen der großen Liebe und seinen weniger genialen Bruder (Alberto Ammann) vollends ab.
Vegas Darstellung der intellektuell frühreifen, fast schon abgebrühten Eva wird von einer jugendlichen Leichtigkeit getragen.

Das solide Drehbuch, gepaart mit guten Schauspielern, einer märchenhaften Szenerie und liebevollen Animationen ergeben einen fast schon melancholischen Film über die Probleme der Kindererziehung und der Elternliebe vor dem Hintergrund einer Robotergeschichte. Für diese Leistung sind die neun Sterne mehr als redlich verdient.

Ist der Film eigentlich etwas für das FFF? Wenn man auf Blut, Schweiß, Angst und andere Klischees aus ist eher weniger.
Andererseits vertritt er eindrucksvoll einen spanischen, oder vielleicht doch einen europäischen Gegenentwurf zum dunklen, oft actionlastigen, US Science-Fiction Kino. Die Zukunft muss gar nicht roh und düster sein um den Menschen vor schwere, essenzielle Entscheidungen zu stellen.
Zum Schluss bekommen die Zuschauer eine mögliche Antwort auf die dicksche Frage, was träumen Androiden, geboten. Zum Glück sind es keine elektronischen Schafe.
MajorKeller
sah diesen Film im Metropolis 9, Frankfurt

14.09.2012, 12:30



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