Eden

Review

von Alan Smithee
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„Eden" basiert auf dem Schicksal von Chong Kim, einer koreanisch-stämmigen US-Amerikanerin, die als Teenagerin entführt und von Menschenhändlern über zwei Jahre lang zur Prostitution gezwungen wurde. Nach ihrer Flucht vergingen fast sechs Jahre, bevor sie mit ihrer Geschichte an die Öffentlichkeit trat. Auslöser war eine Konferenz an der University of Minnesota über organisierten Menschenhandel („human trafficking"), bei der osteuropäische Frauen von ihren Erfahrungen berichteten. Die Aussage eines Sachverständigen, dass US-Bürgerinnen in ihrer Heimat vor diesem Schicksal sicher seien, machte Kim wütend und veranlasste sie aktiv zur Aufklärung der Öffentlichkeit beizutragen. Sie gründete eine wohltätige Organisation (MASIE - Minorities and Survivors Improving Empowerment), die Opfer von Menschenhandel und Zwangsprostitution unterstützt, und tritt regelmäßig als Rednerin bei Informationsveranstaltungen mit entsprechendem Schwerpunkt auf. Kim wirkte auch am Drehbuch von „Eden" mit, der in den USA leider nicht regulär in die Kinos kam, aber immerhin auf einigen Festivals ausgezeichnet wurde und mittlerweile auf DVD erschienen ist. Hyun-Jaes Geschichte in „Eden" orientiert sich eher lose an Kims Leidensweg, bleibt ihm ab dem Zeitpunkt der Entführung aber in den wesentlichen Punkten treu: ihre Gefangenschaft mit anderen Teenagerinnen, die regelmäßigen Treffen mit „Kunden", Folter bei Ungehorsam. Überraschenderweise ist der Film in seiner Darstellung verhältnismäßig zurückhaltend: Sexuelle Gewalt, Kinderprostitution, Babyhandel und Exekutionen werden nur indirekt gezeigt oder am Rande erwähnt. Es spricht für Megan Griffiths (Regie und Drehbuch), dass sie ganz bewusst eine exploitative Herangehensweise vermied und Rücksicht auf Kims Gefühle nahm. Dass ich eine explizitere Darstellung zu keinem Zeitpunkt vermisst habe, lag vor allem an Jamie Chungs schauspielerischer Leistung: Die anfängliche Panik und Verzweiflung der Hauptfigur fängt sie ebenso glaubwürdig ein wie die Entschiedenheit, mit der sich Hyun-Jae später in eine moralische Grauzone begibt, indem sie ihre Peiniger aktiv unterstützt, um zu überleben. Aus meiner Sicht trägt es erheblich zur emotionalen Wirkung des Films bei, dass ihre Rolle nicht auf die eines Opfers reduziert ist. Am Ende bleiben einige Fragen offen, was von Griffith gewiss beabsichtigt war, um den Zuschauer zur weiteren Auseinandersetzung mit der Thematik zu bewegen. Der Film wäre vermutlich noch bedrückender geworden, hätte er sich enger an Kims Biografie gehalten. Für mich fällt dies aber nicht wirklich ins Gewicht, da die US-amerikanische Öffentlichkeit laut Hilfsorganisationen unzureichend über die Existenz von Menschenhandel innerhalb der eigenen Landesgrenzen informiert ist und „Eden" in seiner entschärften Form wohl ein größeres Publikum erreichen wird.
Alan Smithee
sah diesen Film im Metropolis 8, Frankfurt

03.08.2013, 23:17



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