crazy

Painless

Schmerzhaft, in vielerlei Hinsicht.

von D.S.
Um’s kurz zu machen: PAINLESS ist ein ziemlich beeindruckender, fesselnder, fast rundum gelungener Film - der allerdings einiges an Kraft und Durchhaltevermögen vom Publikum erfordert. Sowie die Bereitschaft, sich auf ein „schweres" Thema und eine entsprechende Ernsthaftigkeit in der Erzählung einzulassen.

Obwohl Co-Autor Luiso Berdejo als einer der Erfinder des [rec]-Franchises bekannt geworden ist und obwohl es auch hier einige Schock- und vor allem Ekel-Szenen gibt, die es in sich haben, ist PAINLESS nämlich in erster Linie ein Drama. Ein bedrückendes, düsteres, um übersinnliche Elemente und blutige Schauwerte erweitertes Drama, dessen Wirkkraft sich nicht zuletzt daraus entwickelt, dass es in einem wahren Horror-Setting angesiedelt ist: dem Spanien der Franco-Diktatur.

Die Verbrechen der Faschisten im Bürgerkrieg, die brutale Herrschaft der Falange mit politischen „Säuberungen", Folterungen und der Vernichtung Oppositioneller in Konzentrationslagern sind Themen, die von weiten Teilen der spanischen Gesellschaft bis heute kaum aufgearbeitet worden sind und nur zu gerne verdrängt oder ignoriert werden - wie auch die Leiden der Opfer und die Demokratie-Folgeschäden, welche die vom Westen spätestens ab dem Kalten Krieg hofierte Diktatur verursachte.

Kein Wunder also, dass sie immer wieder von Filmemachern als Hintergrund und/oder Sujet eingesetzt werden, denn es gibt hier einfach eine Menge zu erzählen. Nachzuholen. Und das ist nicht angenehm. Insofern „passt" das Horror-Genre natürlich ganz gut, wie ja auch schon Guillermo del Toro mehrfach bewiesen hat. Gerade an dessen THE DEVIL’S BACKBONE erinnert PAINLESS in mancher Hinsicht, spielten doch auch dort Kinder die zentrale Rolle in der Geschichte.

Allerdings bietet PAINLESS eine deutlich ungewöhnlichere, spannendere Form der Inszenierung: Die Erzählung beginnt 1931 und zieht sich mit mehreren Zeitsprüngen bis 1965, eingebettet in eine Rahmenhandlung, die in der Jetztzeit spielt. Dabei geht es um einen an Krebs erkrankten Mann, der zum Überleben der Therapiefolgen eine Rückenmarkspende seiner von ihm entfremdeten Eltern benötigt - und im Zuge dessen mehr über seine Familiengeschichte erfährt, als ihm lieb ist.

Dabei wirkt der Storyverlauf stellenweise sicherlich etwas konstruiert, es gibt Logikfehler und unglaubwürdige Momente, und zum Ende hin genehmigt man sich eine Überdosis Pathos. Dies wird jedoch mehr als ausgeglichen durch großartige Bilder, hervorragende schauspielerische Leistungen - gerade auch seitens der Kinderdarsteller - sowie eine Geschichte, die einen kaum kalt lassen kann.

Der Mensch ist nur allzu oft des Menschen Wolf, selten wurde das eindringlicher zur Schau gestellt als hier. PAINLESS ist schmerzhaft, geht einem nahe und hinterlässt Spuren. Viel mehr als „nur ein Horrorfilm": Sollte man sich keinesfalls entgehen lassen. 8 Punkte.
D.S.
sah diesen Film im Metropolis, Frankfurt

15.03.2013, 18:35



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