crazy

Out of the Dark

Böse Geister mit Botschaft

von D.S.
Sympathisch altmodisch wirkender Geisterkindergrusler im exotischen Ambiente, der seine Story mit einem Schuss Kolonialismuskritik würzt – und für eine handfeste Anklage nutzt gegen das skrupellose Vorgehen multinationaler Konzerne in Drittweltstaaten, die bei ihrem Streben nach Gewinnmaximierung nur zu oft die Umwelt und die Gesundheit der Einwohner in schwere Mitleidenschaft ziehen.

Im Zentrum von OUT OF THE DARK steht dabei die Legende um die "Niños santos": Als die spanischen Eroberer in Kolumbien einfielen, entführten sie ihr zufolge alle Kinder eines Ortes und pferchten sie in einen Tempel, um von ihren Eltern Silberschätze zu erpressen. Obwohl ihnen diese ausgehändigt wurden, zündeten sie den Tempel an und ließen die Kinder bei lebendigem Leibe verbrennen. Seitdem suchen ihre Geister das heutige Santa Clara heim und bringen immer wieder Unheil – insbesondere über den Nachwuchs des Städtchens, das floriert, seit der amerikanische Industrielle Harriman dort vor über 20 Jahren eine Papierfabrik hochgezogen hat.

Sehr real, sehr körperlich scheinen diese Spukfiguren zu sein, die ihre entstellten Gesichter mit Bandagen verhüllen. Auch die Stammhalterin des Familienimperiums, Sarah, und ihr Mann Paul, die soeben aus London nach Santa Clara übergesiedelt sind, werden ihrer schnell gewahr – genau wie ihre kleine Tochter Hannah, der die unheimlichen Kindergestalten bald bedrohlich nahe kommen...

Inszenatorisch hat der Film nichts großartig Neues zu bieten, vielmehr verlässt er sich vorwiegend auf die vertrauten Stilmittel von Geisterhausfilmen, wenn sich der Spuk und Terror der bösen Kinder auch später nicht mehr bloß auf die Kolonialstilvilla beschränkt, in der die Familie lebt, sondern ebenso im angrenzenden Dschungel sowie dem gesamten Stadtgebiet zum Tragen kommt. Das ist alles sehr souverän gefilmt und hat ein tolles Design sowie ungewohnte Sets zu bieten, auch die Darstellerleistungen sind durchwegs überzeugend. Mir persönlich wirkte das jedoch alles etwas zu vertraut, der behutsame Spannungsaufbau in der ersten Filmhälfte etwas zu langatmig, der Score meist etwas zu kitschig. Punkten kann OUT OF THE DARK hingegen durch die Maske – die Geisterkinder sehen wirklich bedrohlich aus – sowie seine vereinzelten visuellen Effekte, die überraschend hochwertig aussehen.

Fans von Horror-Kindern sowie allen Freunden des Geister(haus)-Genres, die ihre Lieblingshandlung gerne einmal in dezidiert untypischer, tropischer Umgebung stattfinden sehen wollen, sei der Film damit durchaus empfohlen. Er macht seine Sache ordentlich und hat sogar noch eine soziopolitische Botschaft zu bieten – die seinen Machern ernsthaft am Herzen zu liegen scheint, wie unter anderem die Texteinblendung nach dem Schlussbild nahelegt. Von meiner Warte aus gibt es allerdings nur 5,5 Punkte: Oft zu behäbig, zu klischeehaft, in weiten Teilen auch zu vorhersehbar.
D.S.
sah diesen Film im Cinestar, Frankfurt

07.09.2014, 03:34



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