In der Einöde der menschlichen Seelevon Frank | Permalink |
Der diesjährige Opener The Rover ist ein düsteres, zuweilen nihilistisch anmutendes Drama. Dessen postapokalyptisches Setting spiegelt vor allem die Seelenwelten der Protagonisten. Hoffnungslosigkeit, Apathie, Nihilismus, große Wut und Verzweiflung, aber auch die Sehnsucht bzw. die Bitte um Vergebung und Erlösung finden in den Gesichtern und Handlungen ihren Ausdruck. Die Story bedarf daher nicht zwangsläufig des Überbaus einer vorangegangenen Apokalypse, er macht sie jedoch glaubwürdiger. Der Begriff Endzeit-Film trifft angesichts der Seelenzustände der Protagonisten zu, könnte manch interessierten Filmfreund mit den klassischen Vorstellungen eines Endzeit-Szenarios bei der Filmauswahl aber auch leicht in die Irre führen. Das Schauspiel von Guy Pearce ist von immenser Intensität und die Wut, die er ständig unter Kontrolle hält bzw. zu halten versucht, scheint so groß, das man befürchtet, er flippt aus, beim nächsten Wort, das jemand an ihn richtet. Ebenso überzeugend spielt Robert Pattinson seine leicht debile Figur. Allein für das Schauspiel der beiden lohnt sich The Rover. Die Handlung ist zugegeben sehr einfach. Zu sagen, es passiert nichts, trifft jedoch nicht zu. Es passiert im Grunde sogar eine ganze Menge, auch wenn sich die Rahmenhandlung nur auf das Wiedererlangen des Autos beschränkt. Es ist dennoch vorstellbar, dass sich einige Zuschauer bei diesem tristen Film mit seinen wenigen, aber durchaus heftigen Gewaltspitzen langweilen können. Mir sagte er in erster Linie wegen seiner schauspielerischen Leistungen zu, weniger hingegen auf Grund seiner Handlung oder Dramaturgie. Auch habe ich Zweifel, ob ich ihn noch einmal ansehen werde. Seine Themen transportiert er aber durchaus auf einem insgesamt höheren Niveau, vor allem durch Dialoge und Gesten. Jeder FFF-Jahrgang hat wie die Jahrgänge eines Weines seine Besonderheiten. Was dieses Jahr im Wesentlichen auszeichnet, werden wir erst am Ende wissen. Steht der Opener sinnbildlich für die tendenzielle Grundstimmung der überwiegenden Anzahl der Filme, dürfen wir uns nach The Rover auf ein (nachdenkliches) Programm einstellen, in dem die düster-melancholischen oder deprimierenden Töne vorherrschen werden. Als Eröffnungsfilm finde ich The Rover per se nur bedingt geeignet, dazu war er mir dann doch eine Spur zu gemächlich, oder besser, es fehlte mir ein wenig an Dynamik. Sollte er jedoch wirklich stellvertretend das Programm charakterisieren, war er mit Sicherheit keine schlechte Wahl. Dicke 6,5 Pkt. für meinen Gesamteindruck, die Schauspielleistungen verdienen einen Punkt mehr. | |
sah diesen Film im Savoy, Hamburg | 09.09.2014, 15:21 |
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