The Mule

Kacken oder nicht kacken - das ist hier die Frage

von ArthurA
Auf dem Fantasy Filmfest ist man mittlerweile gewohnt, allerlei unangenehme, (meist im “guten” Sinne) widerliche Szenen zu sehen. Schließlich ist es eine Veranstaltung, die sich nicht vor Filmen scheut, die Tabus brechen und mit ihrem Gewaltfaktor die FSK später auf die Palme treiben. Meist haben diese Szenen, bei denen sogar manch ein hartgesottener Genrefan die Augen kurz abwendet, mit “kreativer” Verstümmelung des menschlichen Körpers zu tun. Abgeschnittene Zungen, herausgerissene Fingernägel, Häutung beim lebendigen Leibe… der kranken Fantasie der Filmemacher wurden hier keine Grenzen gesetzt. All das hat der australische Beitrag The Mule nicht. In der Tat bleibt der Film, bis auf die eine oder andere gelegentliche Gewalteinlage, relativ zahm. Nichtsdestotrotz gibt es in dem Film auch eine Szene, die jetzt schon konkurrenzlos als die ekligste von diesem Jahrgang genannt werden kann. Dabei hat es gar nichts mit Blut oder Gehirnmasse zu tun, verstümmelt wird niemand und eigentlich sieht man nicht einmal besonders viel. Doch das, was man nicht sieht, aber nur zu gut weiß, ist umso schlimmer. Das ist The Mule und im Grunde geht’s hier ums Kacken. Oder viel eher ums Nicht-Kacken.

Was sich nach niederem Trash anhört, ist eigentlich eine gut besetzte pechschwarze Krimikomödie, die von einem weniger hyperaktiven Guy Ritchie stammen könnte. Die Hauptfigur ist Ray Jenkins (Angus Sampson), der von seinem besten Kumpel Gavin (Sampsons Co-Star aus Insidious, Leigh Whannell) überredet wird, für einen Gangsterboss Koks aus Thailand in seinen Eingeweiden zu schmuggeln. Bei der Wiedereinreise ist Ray aber zu nervös, wird von der Polizei mit dringendem Verdacht festgenommen. Röntgen darf man ihn ohne seine Erlaubnis nicht. Die Drogenfahnder (allen voran repräsentiert durch Hugo Weaving als überbordend sexistischer Klischee-Arschloch-Cop) dürfen ihn aber sieben Tage ohne Anklage in einem Hotelzimmer festhalten. Also heißt es für Ray, entweder seinen Kumpel verpfeifen, selbst in den Knast gehen oder die Backen wortwörtlich zusammenkneifen und sieben Tage einhalten. Sieben sehr lange Tage…

Es gab wahrscheinlich noch keinen Film in der Geschichte, der seine Spannung über die nahezu gesamte Laufzeit aus der Fragestellung bezogen hat, ob die Hauptfigur es schafft, tagelang den Stuhlgang zurückzuhalten. Lasst Euch eins sagen: es ist kein angenehmer Anblick und schnell wird es auch dem Zuschauer irgendwie unangenehm – noch bevor die ekligen Szenen kommen. Sampson macht als grundsympathischer loyaler Loser eine gute Figur und man leidet mit ihm (fast zwangsläufig) mit. Der ganze Film ist auf Sampsons Mist (sorry, aber der musste sein) gewachsen – er war außerdem Drehbuchautor und Co-Regisseur. Die Geschichte von Ray wird in Australiens Teilnahme am America’s Cup (einem Segelturnier) gespiegelt. In beiden Fällen ist es ein mühsames Rennen um den Sieg, in Rays Fall wird das Rennen zwischen ihm und seinem Verdauungstrakt ausgetragen. Das klingt zwar alles nach Komödie unter der Gürtellinie, doch der Film bedient sich eigentlich kaum des Fäkalhumors. Stattdessen gibt es einige schwarzhumorige Einlagen, u. a. von Weaving und “Fringe”-Veteran John Noble. Leider ist die Gangster- und Mafiageschichte, die sich parallel zum Hauptplot um Rays Klo-Abstinenz abspielt, nicht sonderlich interessant oder spannend, sodass der Film eigentlich am interessantesten ist, wenn er ins Hotelzimmer zurückkehrt. Zwar passiert ausgerechnet in diesen Szenen eigentlich am wenigsten, doch nur in diesen hat man wirklich eine Figur zum Mitfiebern (und Mitekeln).
ArthurA
sah diesen Film im Cinedom, Köln - Original-Review

15.09.2014, 04:33



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