Und wenn sie denn gestorben sind...von D.S. | Permalink |
Großes Märchen-Kino mit Mut zur Hässlichkeit, glänzend aufgelegten Darstellern, gut gewählten Locations und einem Set-Design, das die hier besuchte Sagenwelt entschieden in der schmutzigen Realität des Mittelalters erdet. Und das heißt, Unterwassermonster und Magie sind ganz alltäglicher Bestandteil dieser Welt, aber ebenso auch lüsterne alte Männer, so selbst- wie eifersüchtige Mütter und allgegenwärtiger stinkender Verfall. Eine allemal ungewöhnliche Inszenierungsentscheidung, die TALE OF TALES nicht nur deutlich vom Kitsch à la Disney abhebt, sondern ihm auch klar mehr Intensität und Ernsthaftigkeit verleiht, als es mit der Hochglanz-Optik eines BROTHERS GRIMM oder RED RIDING HOOD denkbar wäre. Dass der Film seine drei Geschichten nicht nacheinander, sondern kapitelweise einander abwechselnd erzählt, erweist sich zudem als kluger Schachzug. Denn sie sind nicht alle in jeder Phase gleichermaßen spannend oder mit Höhepunkten gesegnet; vorübergehende Durststrecken in einer Erzählung fallen auf diese Weise weniger ins Gewicht. Ansonsten gibt es dem Text im Programmheft ausnahmsweise wenig hinzuzufügen. Mich persönlich konnte das Geschehen, wie angedeutet, nicht immer fesseln; zudem finde ich es schade, dass eine der Geschichten nicht zu einem klaren, würdigen Ende gebracht wurde. Und Mittelalterfilme sind nun mal nicht ganz mein Genre. Respekt ist dem Film aber absolut zu zollen, sowohl für seine Herangehensweise als auch für seine Umsetzung. Er kann in jedem Fall beeindrucken – und erweist sich auch bei grundlegend mangelnder Begeisterung für Sagenstoff als ziemlich einzigartiges Erzählerlebnis für die große Leinwand. Zum drüber Staunen und drin Schwelgen – 7 Punkte von mir. | |
sah diesen Film im Cinestar, Frankfurt | 17.08.2015, 13:33 |
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